Die Raumflotte von Axarabor #4: Das hungrige Alien

Axarabor

A. F. Morland

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Das hungrige Alien

Copyright

Prolog

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About the Publisher

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Das hungrige Alien

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 4

von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Prolog

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Der Fresser war auf einmal da. So überfallartig, dass allen der Atem stockte. Man konnte die Bäume hinter ihm sehen. Es deckte sie mit seinem transparenten Körper nicht ab. Sie waren nur ein wenig - wie bei flirrend heißer Luft – verzerrt. Seine Konturen glichen dunkelgrauen Strichen, die sich fortwährend bewegten. Sie umrissen den Körper eines bulligen, kraftstrotzenden Wesens. Breitschultrig und muskulös. Stämmig und stiernackig. Sein Schädel war groß und massig. Bewaffnet war er mit ... nichts. Ihm genügten offenbar seine langen, spitzen Krallen, um mit jedem Gegner fertig zu werden. Er war ein großes Monster, ein durchsichtiger Riese, der sich von den Eingeweiden seiner Feinde ernährte ...

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1

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Der Albtraum begann mit einem Wirbelsturm.

„Festhalten, Leute!“, brüllte Commander John „Buddy“ Black. „Gleich wird es verdammt ungemütlich!“

Die fünfköpfige, abenteuerlich zusammengewürfelte Crew verdreifachte augenblicklich die für Notfälle aller Art vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen.

„Verfluchte Scheiße!“, schrie Chuck Lexter, der hagere Navigator. Kalkweiß starrte er nach vorn. „Ich glaube, ich spinne. So was habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Leck mich am Arsch!“

Aus dem Himmel über der dschungelähnlichen Waldwelt hingen drei mit permanent zuckenden Blitzen gefüllte, unterschiedlich große dunkelgraue Rüssel – Tornados, die auf ihrem unberechenbaren Weg alles verschlangen und zerstörten. Entfesselte Urgewalten, denen nichts – weder Menschen noch Maschinen, noch geologische Formationen, noch Pflanzen - standzuhalten vermochte. Die bedrohlichen Höllenstürme schnitten gnadenlos tiefe Wunden in den dicht bewachsenen Buckel eines heiß umkämpften Trabanten, den sich schon viele intergalaktische Lebensformen unter den Nagel reißen wollten.

Der Gleiter, den der hünenhafte Commander steuerte, war ein in die Jahre gekommenes Modell, das der Verteidigungsrat von Axarabor bereits ausgemustert hatte und schon längst verschrottet hätte, wenn sich Buddy Black nicht mit Erfolg geweigert hätte, auf ein neues Flugobjekt umzusteigen.

Die Regierung des Gewählten Hochadmirals hatte ihm seinen unbegreiflichen Willen nur deshalb gelassen, weil er sich schon in jungen Jahren als siegreicher Kämpfer einen Namen gemacht hatte. Jedem andern wäre es eine unermessliche Freude und eine ganz große Ehre gewesen, per Dekret von höchster Stelle auf ein neues Modell der axaboranischen Flotte ubgegradet zu werden. Ihn interessierte das nicht.

Er liebte sein altes Vehikel und lehnte neu entwickelte Antriebsformen und Geschützarten ebenso kategorisch ab wie hoch technisierte Kampfgeräte aller Art, verließ sich lieber auf seine Fäuste, auf seine enorme Muskelkraft und auf seine oft abschätzig belächelten Waffen aus der „Steinzeit“, die ihn noch nie im Stich gelassen hatten.

Er verabscheute Laser, Phaser, Blaster, Disruptoren, Polaronverstärker und den ganzen Krempel, was bei vielen seiner Kollegen nur ein befremdliches Kopfschütteln auslöste. Aber so war er nun einmal – Althergebrachtem stur verbunden. Ein eigensinniges Raubein.

Zuverlässig und loyal, solange er davon überzeugt war, dass die Sache, für die er sich verwendete, gut und seinen bedingungslosen Einsatz auch wert war.

Der Drei-Rüssel-Tornado fügte der Waldwelt enormen Schaden zu. Die rotierenden Schläuche veränderten unentwegt Form und Größe. Mal übernahm dieser, mal jener die Führung. Vorboten des Unheils erfassten den Gleiter, rüttelten und schüttelten ihn und versuchten ihm einen Kurs ins Auge des Sturms aufzuzwingen. John Black kämpfte verbissen dagegen an.

„Wir werden abstürzen!“, krächzte der Navigator.

„Halt's Maul, Chuck!“, schnauzte Buddy Black ihn an.

„Wir fliegen mitten hinein in diese Scheiße“, greinte Chuck Lexter trotzdem weiter.

„Woody!“, rief John Black, während er alles daransetzte, die Herrschaft über den Steuerknüppel zu behalten. Seine harten Muskeln waren straff gespannt.

„Commander?“, antwortete Lucius Vooney, der Pflanzenmann, den sie wegen seiner hölzernen Extremitäten „Woody“ nannten.

„Wenn er so weitermacht, haust du ihm in die Fresse“, verlangte Buddy Black. „Das ist ein Befehl!“

„Alles klar, Commander“, gab Woody zurück.

Chuck Lexter presste daraufhin die Lippen fest zusammen und sagte kein Wort mehr, damit Woody den Befehl nicht ausführen musste.

Black versuchte das Fluggerät seitlich hochzukippen und haarscharf an den gefährlichen Tornados vorbeizumanövrieren. Er war ein exzellenter Pilot und hatte seine Maschine normalerweise ausgezeichnet im Griff, doch diesmal war der Feind aus Luft, Regen, Blitzen und Dreck stärker, deshalb disponierte er gedankenschnell um und beschloss, die gefährliche Front mit Hochgeschwindigkeit und vollem Risiko zu durchfliegen. Würde es ihm gelingen?

Er wusste es nicht, konnte nur sein Bestes geben und hoffen, dass es reichte. Die Sicht wurde immer miserabler. Bald war draußen überhaupt nichts mehr zu erkennen.

Blitze knallten auf den alten Gleiter, während er zum Spielball unvorstellbarer Gewalten wurde. Was war oben? Was war unten, links oder rechts?

Wirbelnd und trudelnd flog die Maschine durch das entfesselte Chaos, begann sich wie eine Zentrifuge zu drehen, verlor alarmierend an Höhe, wurde von einem Monsterschlauch zum andern weitergereicht.

Vom Boden hochgerissenes Gestein prasselte gegen die glatte Unterseite des Gleiters.

„Wie sieht's aus, Ghost?“, keuchte der Commander, der sich nicht geschlagen geben wollte, obwohl sich immer deutlicher abzeichnete, dass er auf verlorenem Posten kämpfte. „Kommen wir durch?“

Panta „Ghost“ Yagno, der Spiritist mit bisweilen verblüffenden hellseherischen Fähigkeiten, schüttelte mit ernster Miene den Kopf. Nicht alle glaubten an diese, oft Psi-Kraft genannte Begabung. „Nein, Commander“, antwortete er nüchtern. „Das ist nicht zu schaffen.“

„Dann bereitet euch auf eine spektakuläre Bruchlandung vor“, riet Buddy seiner Mannschaft und fuhr die siebenbeinige Landevorrichtung aus, um die mörderische Rotation wenigstens ein wenig zu verlangsamen, wenn sie schon nicht zu stoppen war. Ehe es zum Bodenkontakt kam, wurde der Gleiter im wirbelnden Schlauch noch einmal rasant hochgejagt, und dann ging es im Höllentempo abwärts.

Wirbelnd frästen sich die stabilen Metallbeine in die erdige Haut der Waldwelt, als wollten sie für Commander Black und dessen Crew ein Loch bohren – ein Grab schaffen. Verschlüsse wurden krachend abgesprengt.

Eine Luke flog knirschend auf, giftige Gase schossen zischend herein und raubten der Besatzung augenblicklich das Bewusstsein. War das das Ende einer Mission, die noch nicht einmal richtig begonnen hatte?

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Der Auftrag hatte klipp und klar gelautet: „Commander Black, Minister Corbynyan D. Stempp wurde über der Waldwelt abgeschossen. Der Mann ist ein Geheimnisträger, der sein hoch brisantes Wissen keinesfalls preisgeben darf. Suchen Sie ihn, finden Sie ihn und bringen Sie ihn und seine hochrangigen Begleiter möglichst wohlbehalten zurück. Major Remini wird Ihnen bei der Zusammenstellung Ihrer Crew behilflich sein.“

Ausgerechnet der, hatte John Black gedacht. Saul Remini, der einstige Weggefährte und nunmehrige „Außerordentliche Offizier“ der Sondereinsatzbehörde, die der axaboranischen Regierung unterstand, war zwar unbestritten ein guter Mann, aber zwischen ihnen stimmte die Chemie nicht. Deshalb behagte es Buddy Black auch nicht, dass ihm dieser schräge, manchmal recht undurchsichtige Typ vom Büro des Hochadmirals beinhart aufs Auge gedrückt wurde. Doch das behielt er für sich, denn – Befehl ist Befehl und hat nicht angefochten oder kritisiert, sondern ausgeführt zu werden.

Kennen gelernt hatten sich Commander John „Buddy“ Black und Major Saul Remini im so genannten „Dreijährigen Wasserkrieg“ auf einem Kryptoplaneten namens Skeepeny, einem interstellaren Fliegenschiss.

Sie waren damals aufeinander angewiesen gewesen und hatten sich mehrmals in brenzligen Situationen gegenseitig das Leben gerettet. In dieser Hinsicht hatte heute keiner die Nase vorn. Die turbulente Retten-und-gerettet-werden-Bilanz war ausgeglichen und keiner schuldete dem andern auch nur das Geringste. Nachdem Buddy Black die ebenso intensive wie lautstarke Grundsatzdebatte darüber, wer während der bevorstehenden Mission das Sagen haben sollte, für sich entschieden hatte, hatten sie folgende Crew zusammengestellt: Chuck „Navi“ Lexter, Panta „Ghost“ Yagno und Lucius „Woody“ Vooney.

Sollte Commander Black aus irgendeinem Grund ausfallen, würde die Befehlsgewalt direkt auf den „Außerordentliche Offizier“ der Sondereinsatzbehörde übergehen.

Nachdem diese „Hackordnung“ festgelegt und von allen akzeptiert worden war, hatten sie sich in den antiken Gleiter gesetzt und waren Richtung Waldwelt abgeflogen, wo sie ein gewaltiger Drei-Rüssel-Tornado vom Himmel geholt hatte ...

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Ein stechender Schmerz in der Leistengegend weckte den Commander. Es zuckte kurz in seinem markant geschnittenen Gesicht. Dann öffnete er die Augen.

Er blickte sich benommen um und sah mehrere schlaffe Airbags. Was war passiert? Er löste einen Fünf-Punkte-Gurt und ein in sich gut abgefedertes, extrem elastisches, weich gepolstertes Sicherheitsgestänge. Nicht der Aufprall hatte ihn und sein Team außer Gefecht gesetzt, sondern die giftigen Gase, die zischend zur aufgeplatzten Luke herein geschossen waren. Ein beißender Höllenatem hatte sie betäubt, und Buddy Black hatte sich am schnellsten davon erholt. Inzwischen hatten sich die Gase verflüchtigt und beim Commander keinen bleibenden Schaden hinterlassen.

Er stemmte sich aus seinem ergonomisch angepassten Schalensitz hoch und drehte sich um. Der Schmerz in seiner Leiste ebbte langsam ab.

Seine Begleiter hingen wie verwelkte Pflanzen im flexiblen Sicherheitsgestänge. Auch sie waren von ihren aufgeplatzten Airbags, die gleich danach wieder in sich zusammengefallen waren, abgefangen worden.

Buddy Black berührte Chuck Lexter. „Navi! He, Navi!“ Er schüttelte ihn behutsam. „Navi!“ Er tätschelte die blasse Wange des Navigators. Lexter reagierte nicht. Der Commander kroch zum Spritisten weiter. Er glaubte nicht unbedingt an diesen Psi-Scheiß, aber der Spiritist lag öfter richtig, als ihm lieb war. Auch ihn schüttelte er vorsichtig. „Ghost? Ghost! Ghost!“ Panta Yagno war nicht zu wecken. „Verdammt!“, brummte John Black.

Neben ihm regte sich Woody. „Na endlich“, stieß Commander Black erleichtert hervor. Das Wesen mit den hölzernen Extremitäten sah ihn an und anscheinend gleichzeitig durch ihn hindurch. Lucius Vooneys Geist schien noch nicht in die Realität zurückgefunden zu haben.

„Commander“, sagte er lahm.

„Bist du okay, Woody?“

„Kann ich im Moment noch nicht sagen, Commander.“

Saul Remini erwachte mit einem rasselnden Seufzer, der aus der Tiefe seiner zusammengepressten Brust kam. Er befreite sich ungelenk von allem, was ihn beengte. „Scheiße, was war das denn?“, krächzte er.

„Du hast soeben einen mörderischen Absturz überlebt“, klärte der Commander den Außerordentliche Offizier auf.

„Kriegst du den Drecksgleiter wieder flott?“, wollte der Major wissen.

Buddy Black schüttelte den Kopf. „Nicht auf der Waldwelt. Hier fehlt mir das nötige Werkzeug. Man müsste ihn nach Axarabor zurückbringen.“