Die Raumflotte von Axarabor #10: Zwergstern

Axarabor, Volume 10

Wilfried A. Hary

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Zwergstern

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About the Publisher

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Zwergstern

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 10

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 73 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Somil Halon ging in die Geschichte der Raumflotte von Axarabor ein als einer der größten Entdecker aller Zeiten. So sah man ihn allerdings zu Lebzeiten ganz und gar nicht. Zunächst. Denn eigentlich erforschte er nur eins: Die mysteriösen braunen Zwerge, von denen es im All mindestens genauso viele gibt wie hell strahlende Sonnen. Bloß kann man sie nicht sehen, sondern nur indirekt nachweisen.

Oder persönlich hinfliegen. So wie Somil Halon – und das hatte Folgen...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author Titelbild: 3000AD 123rf mit Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Ein brauner Zwerg. Was so niedlich klang, war in Wirklichkeit ein ziemlich unheimlicher Stern. Für einen Planeten viel zu groß und für eine echte Sonne leider zu klein. Deshalb braun genannt, weil er nur relativ wenig Energie resorbierte und so gut wie kein Licht. Also eigentlich aus der Ferne betrachtet... unsichtbar war.

„Eine unsichtbare Beinahe-Sonne!“, murmelte Somil Halon fasziniert vor sich hin.

Braune Zwerge waren sozusagen sein Steckenpferd. Deshalb wurde er von anderen Scouts in der Regel eher belächelt als bewundert. Obwohl er in den Jahren, die er mit dem Erforschen von braunen Zwergen verbracht hatte, enorme Erkenntnisse hatte gewinnen können. Die allerdings kein Geld einbrachten. Kein Wunder also, dass die braunen Zwerge bislang so etwas wie eine große Unbekannte geblieben waren.

Er konnte es sich leisten, kein Geld als Scout verdienen zu müssen, sondern Forscher aus Leidenschaft sein zu dürfen. Noch war sein riesiges Erbe nicht aufgebraucht. Das würde zwar nicht mehr allzu lange dauern, nach Lage der Dinge, doch das war ihm jetzt erst einmal egal.

Da gab es ein uraltes Sprichwort, das er sich zu eigen gemacht hatte:

„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul!“

Seine ganz persönliche Interpretation dieses Sprichwortes lautete jedoch:

„Für mein Erbe musste ich nichts tun, außer es sinnvoll auszugeben!“

Das fanden nicht wenige mindestens so schräg wie seine hartnäckigen Bemühungen, den braunen Zwergen endlich ihre Geheimnisse abzuringen. Geheimnisse allerdings, die für die meisten innerhalb der Raumflotte von Axarabor gar keine waren. Braune Zwerge waren eben zu klein, um das Atomfeuer in ihrem Innern zu zünden und zur richtigen Sonne zu werden, und sie waren zu groß, um auch nur als Gasplanet durchzugehen. Basta! Ende der Geschichte!

„Nein!“, pflegte er leidenschaftlich zu widersprechen. „Sie haben Geheimnisse, und ich werde sie herausfinden!“

Was er tatsächlich bislang herausgefunden hatte, war, dass sämtliche Theorien, braune Zwerge betreffend, so ziemlich haargenau zutrafen. Er konnte sie nur insofern ergänzen, indem er die Feststellung hatte machen können:

„Jeder von mir untersuchte und erforschte braune Zwerg hatte bisher einen festen Kern! Genauso wie jeder Gasplanet im Grunde genommen, allerdings sehr viel schwerer und in der Regel überwiegend aus Eisen. Aber da es vom Kern bis zur Oberfläche auf Grund der schieren Größe zu weit ist, gibt es nur eine vergleichsweise winzige Schwerkraft, die in der Regel kaum größer ist als auf der alten Erde oder auf Axarabor.“

Hatte es irgendwen interessiert außer ihm?

Nein!

Obwohl er immer wieder auch darauf hinwies, dass unter diesen Umständen zumindest theoretisch jeder von ihm untersuchte braune Zwerg grundsätzlich bewohnbar war. Unter den entsprechenden Bedingungen. Indem man beispielsweise in den obersten Schichten der gigantischen Gasatmosphäre entsprechende künstliche Inseln schwimmen ließ, die auch gegen größere Gasverwirbelungen gewappnet waren. Zumal solche Verwirbelungen an der Oberfläche von braunen Zwergen weitaus geringer ausfielen als an der Oberfläche von Gasriesen. Dort fanden ja bekanntermaßen Stürme statt, die locker einen Planeten wie Axarabor wie Staubkörner umher gewirbelt hätten, um sie im Verlauf von Jahren systematisch in ihre Einzelatome zu zerlegen.

Hatte das denn wenigstens jemanden interessiert?

Natürlich nicht!

So war und blieb Somil Halon ein liebenswerter Spinner unter seinesgleichen, den Scouts, die auf der Suche waren nach fremden, bewohnbaren Welten, und bei der Führung von Axarabor sowieso. Denen genügte es eigentlich schon, dass sie nichts für seine Forschungen bezahlen mussten. Sie würden ihn aber auch nicht unterstützen, wenn sein Erbe dann endlich mal aufgebraucht war und er zwangsläufig am Boden bleiben musste. Dann als total verarmter Mann, wenn er nicht rechtzeitig aufhörte, wenngleich sehr weise, was braune Zwerge betraf, die niemanden interessierten außer ihm...

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He, weißt du was: Ich gebe dir diesmal meinen Namen! Na, wie wär‘s? Wenn ich richtig gerechnet habe, muss ich mein Scoutschiff sowieso bei meiner Rückkehr verkaufen, um anschließend nicht zu verhungern. Dies hier ist also nach Lage der Dinge meine letzte Exkursion. Vernünftig eingeschätzt.

Nun, ich hätte ja mindestens noch eine machen können, aber dann wäre ich eben anschließend tatsächlich... verhungert. Also werde ich wohl darauf verzichten müssen. Damit all mein Wissen letztlich nicht doch noch verloren geht. Wer weiß, vielleicht findet sich ja eine verirrte Seele, die sich am Ende für mein Wissen interessiert?“

Die Möglichkeit war zwar mehr als gering, aber auch hier galt das uralte Sprichwort, das da lautete:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“

Übrigens das zweitbeliebteste in seiner ganz persönlichen Rangordnung. Er zitierte es immer dann, wenn man ihn darauf aufmerksam machte, dass bislang seine Forschungen eigentlich nicht wirklich Brauchbares ergeben hatten.

Die Floskel „Grundlagenforschung“ wollte schon lange niemand mehr hören. Aber so ein uraltes Sprichwort, das passte eigentlich immer. Zumal die meisten Menschen sie längst vergessen hatten.

„Somil Halon!“, murmelte er andächtig vor sich hin, während sein Scoutschiff sich dem Zielobjekt immer weiter annäherte.

Die ersten Scans liefen bereits. Größe, Dichte, Masse... Mögliche Zusammensetzung der unvorstellbaren Gasmassen. Temperatur an der Oberfläche.

Gerade die Temperatur interessierte ihn immer zuerst. Auf der Oberfläche einer Sonne betrug sie mehrere tausend Grad. Meistens. An der Oberfläche eines braunen Zwerges ziemlich oft zwanzig bis dreißig Grad, also genau so viel, wie es für einen Menschen angenehm gewesen wäre.

Er stellte sich schon eine fliegende Insel vor, die in den obersten Schichten der dichten Gasatmosphäre schwebte, mit fast immer gleichbleibender Temperatur, wie von einer perfekt funktionierenden Klimaanlage. Energie schier unendlich. Ganz einfach, indem man diese gleichbleibende Wärme sich zunutze machte. Rohstoffe: Ebenfalls schier unendlich, weil sie zumindest in relevanten Spuren in der Gashülle vorhanden waren.

Die Insel musste funktionieren wie eine Art Schwimmkörper. Da war es letztlich egal, welche Verwirbelungen es darunter geben könnte. Selbst der größtmögliche Sog würde sie kaum so tief ziehen können, dass es kritisch werden konnte.

Seine Augen strahlten. Ein glückliches Lächeln umspielte seine Lippen. Er gab sich ganz seinen wunderschönen Träumen hin.

Da war die Temperaturanzeige: Gleichbleibend fünfundzwanzig Grad. Herrlich.

Ah, die Schwerkraft, die zu erwarten war:

Donnerwetter, genauso wie auf Axarabor.

Hätte es noch idealer sein können?

Und wenn man bedachte, wie groß die Oberfläche war: Milliarden von fliegenden Inseln hätte sie Platz geboten. Eine gigantische Welt mit fliegenden Inseln, die Billionen von Menschen ein Leben in schierem Luxus ermöglichten.

Der einzige Nachteil, falls man darin überhaupt einen Nachteil sehen wollte: Man musste das Licht künstlich erzeugen, weil es schlicht zu dunkel war an der Oberfläche eines braunen Zwerges. Nicht dunkel genug, um eine Zeitung nicht erkennen zu können, aber zu dunkel, um sie dann auch noch zu lesen...

Er schwelgte in seinen Vorstellungen, wie immer in solchen Augenblicken, in denen sich alles zu lohnen schien, was er jemals an Liebe und Hingabe aufgebracht hatte, um eben den braunen Zwergen ihre Geheimnisse zu entlocken. Obwohl es vielleicht überhaupt keine Geheimnisse dort gab.

Der schrille Alarm benötigte fast eine ganze Minute, ehe Somil Halon ihn bewusst wahrnahm.

Alarm?

Was, bei den finsteren Mächten des Universums, war der Grund?

Er blinzelte verwirrt und suchte die Anzeigen ab.

Es war für ihn unmöglich, hier eine Abweichung zu erkennen, die geeignet gewesen wäre, einen Alarm auszulösen.

„KI, was ist los?“, rief er ärgerlich.

„Alles in Ordnung mit dem Schiff!“, antwortete die KI stoisch.

Eine weibliche Stimme, aber künstlich genug, um ihm nie die Illusion zu geben, es könnte sich wirklich um eine Frau handeln. Darauf legte er Wert. Sonst hätte er sich mangels einer echten Frau am Ende vielleicht sogar in diese Stimme verliebt? Nein, das hätte ihn nur unnötig von seiner Liebe zu den braunen Zwergen abgelenkt...

„Aber?“, fragte er genervt.

„Der braune Zwerg, Kapitän. Mit Verlaub, aber er ist anders als sonst.“

Verständnislos betrachtete Somil Halon noch einmal die Werte.

Größe, Dicht, Masse... Alles passte.

Atmosphärische Zusammensetzung: Kaum eine Abweichung zu den meisten braunen Zwergen.

Wovon, zum Raumteufel, redete die KI da?

Es war der Augenblick, in dem er an dem Beschluss der Admiralität ernsthaft Zweifel hegte, eine Bord-KI niemals wirklich intelligent werden zu lassen. Nicht dass diese eines Tages noch auf die Idee kommen könnte, besser ohne Menschen auszukommen.

„Was meinst du damit? Worin besteht die Abweichung?“