Eiskalte 13 Urlaubskrimis auf 1400 Seiten: Alfred Bekker Krimi Sammelband

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker präsentiert, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Eiskalte 13 Urlaubskrimis auf 1400 Seiten

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Der Auftragskiller, der nicht wusste, warum er tötet

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Alfred Bekker | Tod in Tanger

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Alfred Bekker | Das Phantom von Tanger

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Alfred Bekker | Der Legionär

ERSTER TEIL

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ZWEITER TEIL

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Dritter Teil

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VIERTER TEIL

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Die Menschenhändler

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Liebe bis zum Schluss

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Crack-Connection

Die Hauptpersonen:

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Mord am East River

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Todesjob in Washington

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Wrozeks Meineid

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Die Hauptpersonen

Teil I

Teil II

Teil III

Auf dem Weg zur Rache

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Die Hauptpersonen:

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NUR EINE FRAGE DER ZEIT

Fred Breinersdorfer | Reiche Kunden killt man nicht

Further Reading: 19 Krimis für den Urlaub auf 2300 Seiten

Also By Alfred Bekker

Also By A. F. Morland

Also By Fred Breinersdorfer

Also By Horst Bieber

Also By G. S. Friebel

Also By Hendrik M. Bekker

Also By Konrad Carisi

Also By Hans-Jürgen Raben

Also By Sophie Carisi

About the Author

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Eiskalte 13 Urlaubskrimis auf 1400 Seiten

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Dieses Buch enthält folgende Krimis:

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KONRAD & SOPHIE CARISI: Der Auftragskiller, der nicht wusste, warum er tötet

Alfred Bekker: Tod in Tanger

Alfred Bekker: Das Phantom von Tanger

Alfred Bekker: Der Legionär

A. F. Morland: Die Menschenhändler

Hendrik M. Bekker: Liebe bis zum Schluss

A. F. Morland: Crack-Connection

Alfred Bekker: Mord am East River

Hans-Jürgen Raben: Todesjob in Washinton

Horst Bieber: Wrozeks Meineid

G.S.Friebel: Auf dem Weg zur Rache

Richard Hey: Nur eine Frage der Zeit

Fred Breinersdorfer: Reiche Kunden killt man nicht

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OSWALD SCHRAMM WIRD unter seltsamen Umständen ermordet.

Joachim Wrozek, Privatdetektiv, hat unmittelbar vor dem Mord für die Ehefrau des Toten, Irene Schramm, gearbeitet und steht nun als Kronzeuge vor Gericht. Sind Irene Schramm und ihr Freund Manfred Lurwig schuldig? Das Urteil hängt von Wrozeks Beobachtungen und seinen Aussagen vor Gericht ab.

Einige Monate nach dem Prozess wird Wrozek in mysteriöse Geschehnisse verwickelt. Plötzlich gerät er selbst in Verdacht: Eine Verbindung zum Fall Schramm deutet sich an. Hat Wrozek damals sich des Meineids schuldig gemacht? Ist er vielleicht sogar an dem Mord beteiligt?

Alles spricht gegen ihn...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E—Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

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Der Auftragskiller, der nicht wusste, warum er tötet

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von Konrad Carisi & Sophie Carisi

Der Umfang dieses Buchs entspricht 54 Taschenbuchseiten.

Durch Zufall wird Nick Naughty Auftragskiller, und er merkt schnell, dass er dafür eine richtige Begabung hat. Seine Arbeit macht ihm Spaß und bringt auch noch die nötige Kohle, um in New York, der schönsten Stadt der Welt, leben zu können.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Mein Name tut nichts zur Sache. Außerdem habe ich so viele davon, dass ich schon gar nicht mehr sicher bin, wie mein wirklicher Name ist. Am Besten gefällt mir 'Naughty Nick', der ungehorsame Nick, nicht der Ungezogene. Das will ich mal klarstellen.

Von Beruf bin ich Hitman. Ich habe andere Sachen ausprobiert, aber irgendwie liegt mir ein Bürojob nicht und auch dieses Verkäuferdings ist nicht meins.

Das mit dem Hitman hat sich durch Zufall ergeben. In einer Bar hat mich  jemand angesprochen, ob ich jemanden kenne, der einen solchen Job macht. Als ob ich jemanden kenne, der für Geld Leute umbringt. Also bitte.

Naja, und da habe ich mir gedacht, ich mache das selbst. Kann ja nicht so schwer sein. Ich hatte darin ja auch schon einiges an Erfahrung. Schließlich spiele ich seit meinem sechsten Lebensjahr Light-Gun-Shooter und ich bin gut darin. Okay, eigentlich waren das Spiele für Erwachsene, aber meine Mutter sah das nicht so eng. Wenn sie ihre Ruhe hatte, konnten mein großer Bruder und ich spielen, was wir wollten.

Also, selbst ist der Mann. In einem Jobs, in dem man weiter kommen möchte, ist Eigeninitiative gefragt. Und hier war die Bezahlung echt gut, wenn man bedenkt, was das für ein Stundenlohn ist. Mann, da muss eine alte Frau lange für stricken.

Also habe ich den Job klargemacht und den Typen alle. Danach gab's die Kohle und ich war im Geschäft. Es hat sich rumgesprochen, dass ich solche Dinge zu hundertprozentiger Zufriedenheit erledige.

Okay, ich bin manchmal etwas unkonventionell und das mit den Kollateralschäden passiert einfach. Aber meistens trifft es ohnehin Typen, die echt fies sind und ihre Lebensberechtigung schon verwirkt haben.

Da bin ich nicht so kleinlich. Ich nehme das sportlich. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

Natürlich ging es bei meinem ersten Job nicht alles so einfach, wie ich das in Erinnerung habe. Aber ehrlich, warum war der Typ auch nicht wohnhaft an der angegebenen Adresse. Um den Typen, den ich fälschlicherweise erwischt habe, tut es mir schon ein wenig Leid. Aber wie gesagt, es war mein erster Job. Heute leiste ich mir solche Sentimentalitäten nicht mehr.

Ich versuche allerdings auch, mich besser vorzubereiten.

Als ich mitbekommen habe, dass der Typ, den ich zuerst fälschlicherweise umgenietet habe, auch auf der Abschussliste meines Auftraggebers stand, habe ich die Sache so gedreht, als gäbe es zwei Leichen zum Preis von einer.

Das kam natürlich super gut an. Wer macht nicht gerne ein Schnäppchen! Und so hatte ich den Folgeauftrag schon im Sack.

Und da sitze ich nun.

In einer kleinen schmierigen Bar namens Carisi’s Valentine, irgendwo in der Bronx. Ohne mein Handy hätte ich hier nicht hergefunden. Es war gar nicht so leicht immer schnell die Navi-Funktion zu benutzen, ohne das diese ganzen Armen hier mein Handy sehen. Das ist nämlich nagelneu, dieses Tolle ist es. Ich komm gleich noch auf den Namen, von den Typen, die auch das MacBook machen. Das sind so teure Laptops die nichtmal ein Laufwerk haben.

Ich sitze am Fenster und lasse den Blick unauffällig schweifen. Lauter harte Kerle hier, Schwarze, Latinos und White Trash, wie man heute ja wohl politisch korrekt sagt. Da hab ich es nicht so mit. Also mit politischer Korrektheit, die ganzen Takkofresser aus dem Süden stören mich nicht. Ich mag mexikanische Küche sehr gern.

Ein Schwarzer, oder sagt man jetzt Farbiger? Ne, Bunt ist der ja nicht. Jedenfalls setzt sich so ein Sklavennachfahre mir gegenüber und fragt:”Wie es wohl dem alten Finnigan geht?”

Das ist eine Anspielung an meinen letzten Auftrag, da musste einer von den Iren dran glauben. Das ist immer heikel, die Italiener haben ja die Mafia, aber die Iren die Polizei. Da muss man höllisch aufpassen bei seinen Spuren. Immerhin lebe ich gerne in New York. Es ist die schönste Stadt der Welt.

“Der schläft tief und fest”, erwidere ich, wie vereinbart. Da ich die Codeworte gesagt habe, wird mir ein Umschlag gereicht.

Er ist dick, da ist Geld drin und mein neuer Auftrag.

So gefällt mir das. Inzwischen gibt es oft mal einen Vorschuss. Ich bin eben bekannt, also so bekannt wie man als Auftragskiller sein darf, ohne dass man gleich im Knast landet.

Ich zwinkere dem Schwarzen verschwörerisch zu und nicke wissend.

Mir kann man nix vormachen. Der rollt mit den Augen und geht.

“Erledigen Sie das”, sagt er noch.

“Bis morgen”, erwidere ich großspurig.

Ich drehe mich unauffällig vom Raum weg und sehe in den Umschlag. Will ja nicht das jeder gleich sieht, was da drin ist.

Das ist aber mal ein Batzen Geld! Meine Fresse! Jetzt ist nur noch wichtig, wer dafür dran glauben muss.

Ich ziehe ein Foto raus. Irgend ein Mittvierziger mit Glatze und echt fiesem Blick.  Er hat dünne Augenbrauen, aber nicht so Satanischen wie bei Mr. Spock. Im Moment sehe ich mal wieder die Serien meiner Kindheit. Dank Blu-Ray ja alles heute möglich. Ich drehe das Bild um. Mirko Telafat steht drauf. Dazu eine Adresse drüben in Jersey.  Ich trinke meinen Kaffee auf und lege der netten brünetten Servierdame das Geld hin. Oder sagt man jetzt eher Servicekraft?

Ich fahre mit der U-Bahn nach New Jersey. Ich habe meine Pistole dabei. Das verdeckte Waffen tragen ist in New York Gottlob noch erlaubt. In einigen Bundesstaaten will ich gar keine Aufträge bekommen. Da ist es echt schwer überhaupt ‘ne Waffe tragen zu dürfen. Oder Virginia. Da ist das andere Extrem. Da muss ich eher Angst haben, dass mein Ziel ein Sturmgewehr oder anderen Militärbedarf hat.

Jersey City liegt drüben, von New York aus gesehen. Direkt neben der Upper New York Bay, nur rüber über den Hudson River.

Ich sehe mir das Bild von Mirko an und präge mir sein Gesicht ein. Dann suche ich seine Adresse mit Hilfe von meinem Handy. Ohne Routenplaner wäre so ein Auftragsmord echt verdammt schwer. Ich weiß noch wie man mir das erste Mal versucht hat so ein Ding aufzuschwatzen. Für die Arbeit ist es echt prima. Aber all dieses Geschreibe mit ‘Freunden’. Da mache ich nicht mit. Ich habe eine Handvoll Freunde und denen sehe ich lieber in die Augen als Unmengen an Text zu produzieren.

Meiner Erfahrung nach, verstecken sich manche Menschen gerne hinter vielen, vielen Worten.

Dann merkt man nicht, dass man eigentlich niemanden zum reden hat. Verschwiegenheit ist aber auch wichtig in meinem Beruf. Ich hab da so von einigen mitbekommen, wie sie mal geprahlt haben. Einer auch bei einem ersten Date. Stellen sie sich das mal vor! Ach übrigens, ich töte Menschen. Nee, du musst den Wahnsinn in einer viel kleineren Dosis zeigen.

Die U-Bahn kommt zum stehen und ich steige aus. Durch den alten, vollplakatierten Bahnhof geht es hinauf auf die George-Lane und ich sehe mich kurz um, um mich zu orientieren.

Mirko Telafat. Das Netz findet nichts zu ihm. Aber das ist auch nicht mein Spezialgebiet, wenigstens gibt es die Adresse, die sie drauf geschrieben haben.

Ich folge der Straße und biege irgendwann in eine Seitengasse ein. Zwischen ein paar alten Brownstonehäusern führt mein Weg mich hindurch. Das hier ist ein Randbereich, die Mehrfamilienhäuser weichen kleinen niedrigen Reihenhäusern. Das muss es sein, wovon die Leute ein paar hundert Meter vorher träumen: eine Handvoll eigener Quadratmeter, nicht mehr einen Nachbarn über und unter dir. Nur noch neben dir.

Naja und es gibt einen eigenen Garten. So ein grünes Viereck ist manchen leuten ja auch sehr viel wert.

Ich kontrolliere meine Position auf dem Handy und stecke es dann weg.

In meinem Schulterholster habe ich eine Pistole, extra für diesen Auftrag. Später werfe ich sie in den Hudson. Da kommt die nie mehr raus und wenn, dann ohne Fingerabdrücke.

Ich gehe zum Haus und sehe mir an, was auf dem Türschild steht.

Mila Novakova, steht dort. Dann ist Mirko wohl bei einem Liebchen untergetaucht. Ich zucke die Schultern. Vielleicht auch seine Schwester oder die liebe Verwandtschaft. Mir solls gleich sein. Es ist Abend und im oberen Stock brennt Licht. Ich sehe mich um. Niemand ist auf der Straße, der mich beachtet. Also gehe ich durch das Gartentörchen, nach hinten zum Haus. Bei der Küche ist das Fenster nur angelehnt, ich habe Glück. Ich streife mir meine dünnen Lederhandschuhe über und öffne das Fenster mit einem behänden Tritt. Das geht ziemlich leise, wenn man weiß wie. Ist natürlich jetzt irreparabel beschädigt, aber das wird Mirko auch sein, wenn ich mit ihm fertig bin.

Für mich ist sowas ja nie persönlich. Ich will gar nicht wissen, warum jemand sterben soll. Irgendjemand anders will es und ist bereit eine echt große Stange Geld dafür hinzulegen. Irgendeinen Grund wird es schon geben, dass jemand so angepisst von Mirko ist. Ich ziehe meine Pistole und schleiche durchs Haus. Oben ist die Dusche an. Ich kontrolliere einen Raum nach dem anderen. Niemand ist im Erdgeschoss. Also geht es weiter nach oben. Unten gab es nur Küche und Wohnzimmer, dazu kein winziges Bad. Oben ist es ebenfalls nur ein Raum, der eine Mischung aus Büro und Gästezimmer darstellt. Bleibt also noch ein Zimmer. Ich wappne mich. Hoffentlich ist Mirko da. Ich möchte ungerne die Frau erschießen, die hier auch mitwohnt. Nicht dass ich sentimental bin, aber ich bin ja kein Psychopath. Eher ein Soldat im Inland, ja so kann man das sagen.

Ich öffne die Tür zum verbleibenden Raum einen Spalt breit.

Das Geräusch aus der Dusche hat aufgehört. Durch den Spalt sehe ich wie eine junge Frau mit einem umgebundenen Handtuch aus einem Badezimmer tritt und zum Bett geht. Dort liegt Kleidung zurechtgelegt. Sie hat einen dieser komischen Handtuchturban Dinger, die Frauen oft haben. Hab ich nie verstanden, aber mit meinem Haar ist es auch nicht so weit her. Ich gehöre eher zu der Fraktion Mann, die sich mit einem Waschlappen kämmen kann und die Frisur sitzt.

Während sie mit beiden Händen diesen Turban auflöst und ihre Haare damit abtrocknet, rutscht ihr Handtuch herunter. Kurz sinkt meine Hand, mit der ich die Pistole festhalte. Meine Güte, ich wusste nicht, dass die Rückseite einer Frau derart gut aussehen kann. Ich meine jetzt ungeschminkt, nicht im Film halt. Also bei einer Frau in echt, ohne Tricks.

Dann fasse ich mich und atme einmal tief durch. Konzentrier dich Nick, das hier ist Arbeit, du bist nicht im Striplokal! Andererseits, für Geld habe ich sowas Schönes auch noch nie.... Ich schüttle den Kopf und öffnete die Zimmertür.

“Keine Bewegung und keinen Mucks, klar!”, sage ich. Sie kreischt kurz und hält sich dann die Hand vor den Mund. Dann versucht sie das Handtuch vom Boden aufzuheben, hält aber inne, weil sie merkt, dass sie sich nicht bewegen soll. Sie wirkt unentschlossen und versucht ihre Scham mit den Händen zu verdecken. Ich seufze leise. Super Nick, du hättest ihr wirklich noch zwei Minuten geben können, um sich anzuziehen.

“Los, ziehen Sie sich was an”, sage ich, auch wenn nur ein Teil von mir das will. “Ich will Ihnen nichts tun. Versprochen.”

Sie sieht skeptisch aus. Da ist ein Feuer in ihren Augen, sie gewinnt ihre Fassung zurück.

Ihre schulterlangen schwarzen Haare sind noch ein wenig nass. Als sie mich ansieht, bemerke ich, dass sie haselnussbraune Augen hat. Richtig kräftig, fast so wie bei einem Toffee. Dann sitzt sie in Jeans und einem T-Shirt vor mir auf dem Bett, die Arme verschränkt.

“Mila Novakova, richtig?”, sage ich. Sie nickt. Ihre hohen Wangenknochen verbergen nicht wie ihre Kiefer mahlen. Sie schiebt das Kinn ein wenig trotzig hervor. Ganz ruhig Nick, du hast die Pistole in der Hand. Genaugenommen ist es ein Revolver. Das hat den Vorteil, dass man keine Patronenhülsen aufsammeln muss. Die bleiben ja in der Trommel. Man will ja als Profi keine Spuren hinterlassen.

“Gut, also das hier muss nicht schlimm enden.” Ich stehe auf und sehe ins Badezimmer. Es hat kein Fenster, nur einen Abzugsschacht.

“Wo ist Ihr Handy?”

Sie sieht mich wütend an, bewegt sich aber nicht. Ich sehe mich ein wenig im Raum um und entdecke, dass es an einer Steckdose hängt. Ich schenke ihr ein freundliches Lächeln.

“Gut, dann bitte wieder ins Bad. Ich werde Ihnen nichts tun, kann Sie aber grad nicht gebrauchen. Also los.”

Sie steht widerwillig auf und geht ins Badezimmer. Ich schließe mit dem Schlüssel von außen zu und klemme zur Sicherheit einen Stuhl vor die Tür. Das ganze wirkt robust. Bald ist es sechs Uhr. Ich denke, Mirko wird bald nach Hause kommen. Also gehe ich hinunter ins Wohnzimmer, wo man einen vortrefflichen Blick hat in den Flur. Wer auch immer reinkommt, ich habe ein freies Schussfeld.

Die Zeit vergeht und ich blicke immer wieder auf meine Armbanduhr. Hin und wiede höre ich, wie Mila oben versucht die Badezimmertür zu öffnen. Erfolglos, wie man hören kann. Sie gibt irgendwann ihre Versuche auf.

Schließlich sehe ich auf meine Uhr und merke, ich warte hier seit geschlagenen drei Stunden. Ich seufze und gehe nach oben.

Dann öffne ich die Badezimmertür.

“Keine Panik, ich öffne die Tür und Sie kommen raus. Ich tue Ihnen nichts.”

Ich lasse die Tür aufschwingen und sehe Mila einige Schritte von mir entfernt. Sie hat sich mit einem Eisenrohr bewaffnet, das glaube ich von der Dusche stammt.

Nicht schlecht, aber ehrlich? Gegen meinen Revolver ist das doch sehr gewagt.

“Wo ist Mirko”, frage ich nun. Ich habe Hunger und will diesen Job zu Ende bringen.

“Wer?”

“Tun Sie nicht so. Ich weiß, dass er in der Stower-Lane 23 wohnt. Das weiß ich aus sicherer Quelle.”

“Das ist ja toll für Sie”, sagt sie langsam und blickt mich herablassend an. “Aber das hier ist die Stower-Lane 21.”

“Was? Unmöglich. Ich habe...”

“Mich von meinem Routenplaner herführen lassen? Glauben Sie einem großen Unternehmen geht nicht mal ein Fehler durch? Einige meiner Freunde sind auch schon beim falschen Haus gelandet, wegen diesem Fehler. Ich habe sogar mal eine Email an den Support geschickt. Bisher keine Rückmeldung”, stellt sie fest.

Meine Schultern sacken herab.

“Wirklich?”, sage ich und merke dass ich wütend werde. Nicht auf Mila, nein auf mich selbst. Gott, das ist echt peinlich Nick!

“Okay, hören Sie. Ich gehe einfach und Sie rufen nicht die Cops, okay?”, sage ich hoffnungsfroh. Ich will sie nicht erschießen müssen. Aber sie ist andererseits auch ein Sicherheitsrisiko.

“Okay”, sagt sie. Man merkt, dass sie eine Chance wittert hier lebend rauszukommen.

Ich geh zu ihrem Handy, klappe es auf und nehme den Akku raus.

“So, den können Sie nachkaufen und ich muss keine Sorge haben, dass Sie einen Anruf machen”

Mit diesen Worten reiße ich ihr Telefon aus der Wand und trete einmal beherzt drauf. Somit ist sie vorerst von der Welt abgeschnitten.

“Tut mir echt leid für die Unannehmlichkeiten”, stelle ich fest und lege ihr ein paar Geldscheine aufs Bett. “Lassen wirs gut sein, okay?”

Mila sieht mich völlig verdattert an. Dann nickt sie. “Okay”, flüstert sie.

Ich stehe einen Moment herum und weiß nicht so recht, was ich tun soll. Kurz setze ich an, um noch etwas zu sagen, dann schüttele ich den Kopf und gehe einfach so schnell wie möglich.

Gott ist mir das peinlich! Puh, hoffentlich schlägt das keine großen Wellen.

Diesmal sehe ich mir die Hausnummer genauer an. Verdammt, sie hat recht! Es ist die falsche. Warum ist die auch so klein hier? Ich gehe rüber zum richtigen Haus.

Licht brennt und ich spähe durchs Fenster rein. Das Wohnzimmer ist funktional eingerichtet. Mirko sitzt auf einem Sofa und schaut fern. Er sieht in die falsche Richtung, von hier kann er mich nicht entdecken.

Ich schleiche ums Haus herum. Es ist baugleich, die ganze Reihe scheint aus einem Grundplan zu bestehen. Das immer gleiche Haus reiht sich hier an das immer gleiche Haus.

Ich zermartere mir das Hirn nach einem guten Plan und entscheide mich dann für die schnellste Lösung. Dreimal betätige ich den Klingelknopf. Dann öffnet Mirko Telafat.

“Ja, was kann ich für Sie tun?”, fragt er und ich ziehe meine Waffe.

Ich schieße zweimal in die Brust. Mirko zuckt und versucht sich an der Tür festzuhalten. Dann liegt er auf dem Rücken. Ich ziele und schieße noch einmal, diesmal in den Kopf.

Jetzt noch ein Foto für den Auftraggeber und das wars.

Ich drehe mich um und renne los.

Ich verlasse mich auf meinen Orientierungssinn, meinem Handy vertraue ich erstmal nicht.

Schließlich bin ich zurück an der U-Bahnstation und nehme die nächste Bahn in Richtung Hafen.

Dort werde ich die Pistole los, indem ich sie in den Hudson werfe. Den Handy-Akku hinterher.

Sicher, das ist nicht gut für die Umwelt, aber besser für meine Karriere.

Von dort aus fahre ich direkt in meine Stammbar. Ich muss bis morgen warten, um den Rest des Geldes zu bekommen.

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Am nächsten Abend sitze ich am vereinbarten Platz und warte. Ich spiele erst etwas mit meinem neuen Handy herum und zieh dann aus meiner Jackentasche das Buch, das ich im Moment lese.

Ich habe mit dem Lesen auch erst angefangen, kurz nachdem ich als Auftragskiller zu arbeiten begonnen habe. Denkt man so gar nicht, aber als Auftragskiller hat man oft was zu lesen dabei. Nicht, dass mein Job langweilig wäre, nein im Gegenteil. Es ist eher so, das man oft lange warten muss. Das ist wie bei einem Schauspieler, Der sitzt auch lange rum, bis er seinen Auftritt hat. Da sitzen sie dann vor der Wohnung der Zielperson und der will und will einfach nicht ins Bett gehen und das Licht ausmachen. Oder sie sitzen an einem Ort, weil sie die tägliche Route des Opfers kennen. Jemand, der immer Joggen geht. Natürlich muss man rechtzeitig vorher da sein und irgendwie muss man die Zeit ja rumbekommen. Lesen ist da eine gute Möglichkeit. Ich kann ja schlecht häkeln, zu auffällig. Obwohl, dran gedacht habe ich schon. Nein, natürlich nicht. Was denken Sie denn!

“Das ist nicht Ihr Ernst, oder?”

Ich sehe von meinem Buch auf. Der Schwarze von gestern ist wieder da. In Gedanken nenne ich ihn Simson. So hat er sich mir mal vorgestellt. Ob er so heißt? Pah, das kann man in diesem Gewerbe nie genau wissen. Simson hat so ein fieses Lächeln. Er ist mein Kontakt, bringt mir immer wieder mal neue Aufträge und bezahlt mich.

“Was?”, frage ich. “Was ist nicht mein Ernst?”

Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

“Das Buch?”

Er musterte mich skeptisch.

“Ja, wieso nicht?”, frage ich ehrlich verblüfft. Ich lege das Taschenbuch beiseite. In roten Buchstaben steht “Murder Inc. - Die ganze Geschichte!” darauf.

“Ist ein Sachbuch, von einem Journalisten”, erkläre ich ruhig. “Die Murder Inc. war mal eine Verbrecherorganisation in New York. Den Namen hat sie von der Presse. Da waren Iren, Mafiosi und auch Kosher Nostra Leute drin”

“Kosher Nostra?” Der Schwarze sieht mich skeptisch an. Er winkt die Bedienung ran und lässt sich einen Kaffee geben.

“Ja, das waren Juden, die eine eigene Mafia aufgemacht haben. Die Italienermafia nennt man ja Cosa Nostra, deswegen nannte man die der Juden Kosher Nostra”, doziere ich und bin froh gleich mal mit dem Wissen aus dem Buch punkten zu können.

Er schaut mich ungläubig an.

“Wissen sie”, fahre ich fort.. “Auch unser Gewerbe hat eine Geschichte”

“Ahha”, sagt Simson und nimmt der Bedienung den Kaffee ab.

“Besser ist es aber wenn man keine hat. Dann kann man sich zur Ruhe setzen und friedlich leben”, sagt er dann.

Da hat er natürlich auch wieder recht. Ich nicke.

Er trinkt einen Schluck von seinem Kaffee, verzieht zufrieden das Gesicht und greift dann in seine Jackentasche. Er gibt mir einen Umschlag. Ich spüre das Gewicht der Geldscheine.

“Ein weiterer Auftrag?”, frage ich. Simson schüttelt den Kopf.

“Nein Mann. Warte ein paar Tage. Das war gute Arbeit, aber jetzt müssen wir erstmal abwarten. Der Boss will, dass wir ein wenig warten.”

“Was immer der Kunde will”, sage ich. Simson nickt. Er trinkt den Kaffee aus und verlässt das Carisis Valentine.

Ich sitze noch eine Weile da und lese in meinem Buch. Dann zahle ich und gehe nach Hause. Die Bar ist in der Bronx, nicht weit von meinem zu Hause.

Es ist ein kleines Brownstone Haus in einer Nebengasse. Es sind nur zwei kleine Zimmer, aber es sind meine Beiden. Außerdem kann es immer mal sein, dass ich schnell untertauchen muss. Für den Fall habe ich eh nicht viel in den Räumen.

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Zu Hause angekommen stelle ich überrascht fest, dass ich Post habe.

Nicht, dass ich mich nicht über Post freue, das macht jeder denke ich. Es ist nur so, dass ich berufsbedingt eben niemanden habe, der mir schreibt. Hin und wieder kommen Rechnungen, natürlich. Aber das hier ist ein dicker kartonierter Umschlag. Neugierig nehme ich ihn in meine kleine zwei Quadratmeter Küche und schneide ihn auf.

Drinnen sind ein paar Fotos und ein Brief. Er ist mit ausgeschnittenen Buchstaben geschrieben. Erst finde ich das ziemlich lustig, dann beginne ich aber zu lesen und das Lächeln gefriert auf meinem Gesicht.

Sehr geehrter Herr Auftragskiller.

Ihr altes Handy war auf Nick eingestellt. Ich weiß natürlich nicht, ob sie so heißen. Was ich aber weiß, ist dass Sie ein Mörder sind. Ich weiß auch wo sie wohnen. Sie fragen sich, woher?

Sie erinnern sich vielleicht an Ihr altes Handy. Das haben Sie zum Recycling gegeben, Eigentlich ist das ziemlich löblich, Sie haben aber Ihr Handy nicht anständig gelöscht. Wussten Sie, dass die Chips da drauf teuer sind? Die Speicherchips werden oft nochmal für USB-Sticks verwendet. Raten Sie mal, was da alles noch drauf war. Ich habe Fotos von Tatorten und SMS von Verbrechern darauf gefunden. Ich bin nicht dumm, ich konnte mir zusammenreimen, was Sie tun. Weil Sie ganz gerne auch mal Kartendienste nutzen, um nach Hause zu finden, weiß ich auch, wo Sie wohnen. Natürlich können Sie jetzt versuchen, unterzutauchen, aber das will ich gar nicht. Ich werde Ihnen alles aushändigen, wenn Sie etwas für mich tun.

Ich habe Ihnen vier Bilder beigelegt. Hinten steht drauf, wer das ist und was Sie mit ihm tun sollen. Wenn sie mich auf der nachfolgenden Nummer anrufen, sobald alles erledigt ist, werde ich Ihnen anschließend den USB Stick zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Ich lege den Brief weg und versuche meine Gedanken zu ordnen. Er ist leider nicht unterschrieben, wäre ja noch schöner gewesen. Ich fluche laut und kräftig. Danach geht es mir aber immer noch nicht besser.

Das kann ja wohl nicht wahr sein! Ich will schreien, ach was ich will etwas oder jemandem verdreschen! Frustriert pfeffere ich den Brief weg.

Jetzt geht es etwas besser.

Ich atme tief ein und aus. In diesem Beruf kommt es auf Ruhe an. Man muss abwarten können. Erstmal die Gedanken sortieren, bevor man reagiert.

Also gut: Was weiß ich?

Der Erpresser, oder vielleicht auch die Erpresserin, wird mich nicht verpfeifen. Ich soll tun, was mir befohlen wird und dann bin ich frei. Soweit die Theorie.

Ich sehe mir die Personen an. Es sind vier Fotos, vier Personen, um die ich mich kümmern soll.

In mir reift eine Idee: Was verbindet diese Drecksäcke? Sie müssen immerhin alle demselben ans Bein gepinkelt haben.

Ich schnappe mir einen Block und schreibe mir die Fakten der Typen auf. Es muss doch eine Verbindung geben!

Ich male ein wenig herum, aber nach einer halben Stunde intensiven Nachdenkens muss ich mich geschlagen geben. Ich sehe keine richtige Verbindung!

Ich nehme das Bild mit der Eins drauf. Jemand hat mit Kugelschreiber eine Eins draufgemalt und auf die Rückseite ein paar Dinge geschrieben waren. Es ist in Druckschrift geschrieben, keine Ahnung, ob die Schrift zu  einem Mann oder einer Frau gehört.

Nummer eins ist ein Punk. Die Haare sind in blau und rot gefärbt, mit Nietenjacke und echt viel Altmetall im Gesicht. Ich zähle nach. Sechzehn Piercings, in der Nase, dem linken Ohr und über dem rechten Auge. Sieht nicht gut aus, der wird wohl als Jungfrau sterben. Wie das wohl ist, wenn er Schnupfen hat, kann er die dann alle aus der Nase nehmen?

Sein Name steht auf der Rückseite. Johnny King. Er wohnt in der Philips Road in New Rochelle. Ich kratze mich am Kopf. New Rochelle, das ist im Norden von New York, glaube ich. Mit meinem Handy überprüfe ich das. Die Stadt liegt nördlich von New York City, im gleichen Bundesstaat.

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Kurzentschlossen will ich mir das nächste Opfer mal ansehen. Ich brauche eine U-Bahn, eine Bahn und eine Busfahrt bis schlussendlich ein Taxi mich an seiner Adresse rauslässt. Der Loftblock 56 ist ein großer grauer Kasten abseits der Hauptstraße. Irgendjemand hat Feuerleitern drangehängt, aber am Ende sieht es doch so aus, wie ich mir den Sozialismus vorstelle: Ein Bauklotz, in die Landschaft geworfen.

Ich sehe mir noch einmal das Foto an. Auf der Rückseite steht neben Johnny Kings Namen nur: “Verprügeln, nicht töten. Sag ihm das ist für Larissa”.

Ich seufze. Dann hellt sich aber meine Laune auf. Für Larissa? Das ist doch eine Spur! Irgendwer wird das ja wohl sein. Jeder ist schließlich irgendjemand. Ich klappe den Kragen meiner Jacke hoch und greife mir unauffällig unter den Arm um den Sitz meiner Pistole zu kontrollieren.

Der kleine 38. Revolver sitzt an seinem Platz. Ich soll ihn nicht töten, aber vielleicht muss ich ihm ziemlich Angst machen, damit er fröhlich singt.

Ich gehe zur Tür und suche den richtigen Klingelknopf.

Ich drücke eine Weile Sturm bis aus der Gegensprechanlage knirschend eine Männerstimme zu hören ist.

“Wer stört? Willst du das ich taub werde?”

“Entschuldigen Sie bitte”, sage ich so freundlich wie möglich. “Pizza für Loft 56.”

“Ich hab nix bestellt.”

“Scheiße, aber auf meinem Zettel steht Ihre Adresse”, sage ich.

“Pech”, höre ich und der Kerl legt auf. Ich drücke den Klingelknopf erneut.

“Was?”, blafft es mich aus der Gegensprechanlage an.

“Ich bin den ganzen Weg hergefahren, mir ist egal, wer hier ‘ne falsche Adresse angegeben hat. Wollen Sie die Pizza? Ich geb sie Ihnen zum halben Preis.”

“Was ist es denn?”

Das ist jetzt kniffelig. Was wird der wohl mögen? Ich probiere es mit einem Klassiker.

“Salami.”

Kurze Stille. Ist er vielleicht einer dieser Typen, die nur essen, was von selbst umkam? Ich finde es ja zynisch zu sagen, man soll nur essen was glücklich war. Also bitte! Ein unglückliches Tier, das erlöst man doch. Oder diese Glutenunverträglichkeit, die sich die Leute einbilden. Mehr als tausend Jahre menschliche Evolution und plötzlich ist jeder gegen irgendwas allergisch!

“Okay, kommen Sie rauf.”

Ich muss mir das Grinsen verkneifen. Die Tür surrt und ich eile die Treppenstufen hinauf. Ich entdecke den Kerl an seiner Tür stehen, er mustert mich neugierig.

“Ey, wo ist denn die Pizza?”, schafft er noch zu sagen, da ramme ich ihm meinen Pistolengriff auf die Nase. Er taumelt nach hinten in seine Wohnung und bleibt der Länge nach auf dem Flurboden liegen.

Ich schließe die Tür hinter mir wieder und greife mir eine Mütze von der Kommode neben der Tür. Die stopfe ich ihm in den Mund.

“Nimm sie raus und ich töte dich”, sage ich. “Ist noch wer in der Wohnung?”

Es gibt nur einen winzigen Flur und ein Schlaf-Wohn-Esszimmer, mit Klo. Trotzdem frage ich. Er sagt etwas, das ich nicht verstehe.

“Schüttel den Kopf oder nicke”, sage ich. Er schüttelt den Kopf. Zufrieden sehe ich trotzdem im Bad nach und schleife den Kleinen dann ins einzige andere Zimmer. Dort werfe ich ihn aufs Bett. Seine Nase blutet stark und er wimmert.

“Tut ziemlich weh, was?”, sage ich und reiche ihm eine Rolle Küchenpapier. Dankbar nimmt er ein paar Blätter und versucht das Blut aufzufangen.

“Nimm die Mütze raus. Wenn du schreist...”, sage ich und lasse den Satz unvollendet. Stattdessen halte ich nur die Waffe hoch. Ich denke, er sieht jetzt ziemlich mitgenommen aus, mein mysteriöser Auftraggeber sollte zufrieden sein.

“Okay, es gibt jetzt ‘ne harte und ‘ne leichte Tour”, sage ich. Er beginnt zu weinen. Laut schluchzt er.

“Bitte”, wimmert er. “Bringen Sie mich nicht um.”

“Was?”

“Bitte!”

“Nein, die harte Tour ist doch nicht umbringen! Entweder ich werde dich mehr oder weniger verdreschen, aber du musst nicht sterben”, sage ich und will ihn etwas beruhigen. Ich muss sagen, das mag ich sonst an meinem Beruf: Man hat keinen Kontakt mit anderen Menschen.

Das hier ist nichts für mich. Ich warte bis Johnny sich etwas beruhigt hat.

“Okay”, sage ich und lasse die Waffe etwas sinken. Er hat endlich aufgehört zu heulen, ich werde also ein paar Antworten aus ihm herausbekommen. “Nun, Johnny King. Hast du eine Ahnung, wieso ich hier bin?” Ich mustere die Piercings, die er in der Nase und dem linken Ohr hat. Die über dem rechten Auge hat er nicht drin, da waren auf dem Foto mehr. Deswegen sind es jetzt weniger als Sechzehn. Ist mir trotzdem zu viel Altmetall.

“Ich... nein”, stammelt er. Der Rotz läuft ihm über die Oberlippe. Das ist ja nicht zum ansehen!

“Sagt dir Larissa was?”

“Larissa?”, fragt er dümmlich. Ich hebe die 38. er und drücke ihm den Lauf vor die Stirn. “Ich soll dir ausrichten, das ist für Larissa.”

Er beginnt erneut zu jaulen und jammert in einem fort.

“Ich..., es tut mir leid! Ehrlich! Ich war damals auf Drogen, ich fass die aber nicht mehr an, oder wollen Sie welche? Ich kann Sie in Koks bezahlen. Hören Sie, es tut mir leid, bitte Sie müssen das nicht”, ruft er.

“Ich bring dich nicht um!”, brülle ich ihn an und er wird still. Endlich, denke ich. Also, die Anweisung bei dem hier war einschüchtern und sagen, dass es für Larissa war. Nun beginnt mein persönlicher Auftrag.

“Wer ist Larissa und in welcher Beziehung stehen Sie zu ihr?”, frage ich und fühle mich dabei wie ein FBI Agent. Bin ich ja auch, so in der Art jedenfalls.

“Larissa... Larissa Smith. Eine Andere kenne ich nicht”, stammelt er überrascht. Das ist immerhin ein Anfang, auch wenn der Name jetzt wirklich ein Witz ist.

“Okay, woher kennst du Larissa?”

“Wir.... wir haben zusammen gewohnt.”

“Daher kennst du sie?”

“Nein, Unsinn. Also ich gehe gerne in diesen Club, der heißt EDEN. Dort gibt es.... naja guten Stoff gibt es da. Die Musik ist auch in Ordnung. Dort arbeitete sie als Kellnerin und hatte einen kleinen Nebenerwerb”

Er druckst etwas herum.

“Ey Alter, sehe ich aus wie ein Bulle?”, frage ich. “Die ganze Geschichte will ich hören - jetzt!”

“Naja, sie findet da manchmal wen zum anschaffen. Sie ist von zu Hause weggelaufen, vor Jahren schon. Wohnte irgendwo in unten in der Bronx vorher, glaube ich. Weiß ich nicht so genau, jedenfalls lebt sie nun hier und schafft manchmal an. Daher kennen wir uns. Ich war erst ein Kunde, aber sie konnte hier umsonst wohnen, wir haben uns da geeinigt.”

“Aha”, brumme ich. “Weiter. Wieso sollte sie sauer auf dich sein?”

“Na... ich weiß auch nicht!”

“Wo ist sie jetzt?”, frage ich und blicke in die Wohnung.

“Ich hab sie rausgeworfen.”

“Ach?”, sage ich mit vor Sarkasmus triefender Stimme. “Was du nicht sagst, meinst du, das nimmt sie dir übel?”

“Ey, was kann ich dafür! Da war so eine, die sagte, sie sei ihre Schwester. Larissa war nicht da und als ich ihr sagte, dass ihre Schwester da war, ist sie voll ausgetickt. Sie sagte, sie würde mit ihr reden und dann würde sie uns in Ruhe lassen, aber als sie wiederkam...”, erklärte Johnny King, als wäre es die größte Beleidigung, die er sich vorstellen konnte. “Also, kommt die Schlampe wieder und sagt, dass sie ihr Leben umstellen wollte. Kein Anschaffen mehr! Da hab ich gesagt, keine Miete, keine Wohnung. Sie ist ausfallend geworden, da habe ich.... na ich hab mal halt auf den Tisch gehauen. wissen Sie?”

Ich denke eher, er hat Larissa gehauen, aber das behalte ich für mich.

“Na und dann ist sie abgehauen. Vielleicht zu ihrer Schwester? Ich hab keine Ahnung, Mann!”

Ich mustere den Punk, schüttle den Kopf und wende mich zur Haustür.

Kurz halte ich inne.

“Wenn du die Bullen rufst, verteile ich deine Gedärme auf der ganzen Hauptstraße, klar?”

Er nickte, seine Unterlippe zittert schon wieder.

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Sobald ich aus der Wohnung raus bin, kaufe ich mir am Kiosk einen kleinen Block. In der U-Bahn sitzend beginne ich mir alles aufzuschreiben, damit ich nichts vergesse. Meine beste Verdächtige ist Larissas Schwester. Aber bei dem Namen? Da kann ich ja ewig suchen. Larissa Smith..... das könnte auch ein Prostituierten-Pseudonym sein. Obwohl, dann hieße sie vielleicht ja eher Candy oder Lilly... ach keine Ahnung! Wütend klappe ich den Notizblock zu. Das bringt mich erstmal nicht weiter!

Als ich an der Grand Central umsteigen will, sehe ich in haselnussbraune Augen, die mich wiedererkennen. Ich erkenne sie auch wieder, wie könnte ich die vergessen?

“Scheiße”, fluche ich. Da, nur einen Meter von mir entfernt, steht Mila Novakova. Diesmal hat sie natürlich mehr an, aber ich erkenne die dunklen schwarzen Haare ebenso wie die braunen Augen wieder. Sie hat mich auch gesehen und ist stehengeblieben. Kurz blinzelt sie mich an, dann macht sie auf dem Absatz kehrt. Ich bin unentschlossen. Soll ich ihr hinterherlaufen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns in einer Millionenstadt wie New York über den Weg laufen? Wird sie die Polizei rufen? Ich denke zu lange nach, da ist sie bereits in der Menschenmenge verschwunden.

Ich seufze. Irgendwie bin ich froh, dass sie weg ist. Andererseits, hätte ich gerne noch mit ihr... ich halte inne. Was hätte ich? Geredet, über meinen Arbeitstag? Ich schüttle den Kopf und mache mich auf den Weg nach Hause. Was für ein Unsinn, ich bin wohl mehr mitgenommen von der Erpressung als ich dachte!  Ich fahre nach Hause und mache mir eine Portion Spaghetti mit Bolognese. Während der dampfende Teller vor mir auf dem Küchentisch steht, schaue ich mir die anderen Fotos an. Eines fällt mir besonders auf.

Larissa kam aus der Bronx, das hat Johnny King gesagt. Ich schaue es kurz in meinen Aufzeichnungen nach. Einer der anderen, wohnt in der Bronx. Okay, er ist ein Latino, oder Hispanic? Jedenfalls hat er einen spanischen Namen, also ist die Bronx jetzt durchaus ein Ort, wo ich ihn vermuten würde. Aber es ist ein dünner Faden. Trotzdem, besser als gar nichts.

Ich gehe zeitig ins Bett, um Morgen in aller Frühe loszuziehen. Juan sieht nicht wie einer aus, der einer ehrlichen Arbeit nachgeht. Natürlich kann das ein Vorurteil sein, aber er hat diese Tätowierungen unter den Augen. Sie sehen aus wie Tränen. Es gibt eine Gang in New York , die an der halben Ostküste aktiv ist. Sie nennen sich Marabunta und wer dazugehören will, muss einen Mord begehen. Dafür darf er sich dann die erste Träne tätowieren lassen. Ich habe nie einen von denen getroffen und halte das für eine tolle Geschichte. Vielleicht tätowieren die sich die auch alle nur, damit sie wie harte Jungs aussehen und erzählen die Geschichte, wer weiß? Bis man vor einem Richter sitzt, rundet man die Zahl seiner Opfer ja gerne auf. Danach werden viele sehr bescheiden, habe ich schon oft gesehen bei Kollegen.

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Am nächsten Morgen mache ich mich auf den Weg in die Bronx. Die Adresse führt mich zu einer kleinen Straße, in der ich umgeben bin von sechs stöckigen braunen Gebäuden. Feuerleitern sind außen angebracht. Hier und dort sitzen Jugendliche in den Hauseingängen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die schon länger nicht in der Schule waren.

Ich sehe noch mal auf das Foto. Juan Esteban Baptiste Gonzales. Er hat eine Glatze und mehrere großflächige Tätowierungen am Hals. Für mich wäre das ja nichts. Nicht nur, dass es einem den Beruf unnötig schwer macht, was bitte soll ich mir in die Haut stechen lassen? Wenn man schon etwas für immer in die Haut sticht, sollte es bedeutend sein, nicht irgendeine Banalität. So ein, Nutze deinen Tag, Kram ist jetzt nicht so ungewöhnlich, dass ich ihn vergesse, wenn er mir nicht auf dem Oberarm steht. Dazu kommt, was machst du wenn du deine Meinung änderst? Da stichst du dir den Elefanten der Republikaner auf die Brust und erlebst eines Tages, dass du dann doch lieber Demokraten wählen willst. Oder deine Lieblingsband bringt nur noch Scheißalben heraus. Dann stehst du da, mit deren Schriftzug auf der Stirn.

Ich gehe zu dem Haus, in dem Esteban wohnen soll. Im Eingang sitzen drei Jugendliche mit dunkler Hautfarbe. Also keine richtigen Schwarzen, eher so Latinos. Sagt man das noch? Oder ist das wie mit dem N-Wort? Sagt man das nur, wenn man selbst so ein afrikanischer Amerikaner ist?

Die Jungs sitzen auf den Treppenstufen des Hauses und versperren jedem den Weg, der durch will. Ich setze mich auf eine Bank ein Stück die Straße herunter und nehme mir mein Handy. Ich scrolle wahllos über eine Nachrichtenseite und warte. Man kann nicht einfach zu so einem Kerl gehen und schauen, ob er da ist. Nicht dass ich ihn nicht wie den Punk einfach abknallen kann, aber was nützt mir das? Ich weiß einfach noch zu wenig. Da ist meine Arbeit vielleicht gar nicht so anders als die eines Polizisten. Es kommt auf gute Recherche an.

Ich warte also, wann Esteban geht und wann er nach Hause kommt.

Die Zeit vergeht und ich beginne zu bereuen, dass ich mir keinen Kaffee mitgenommen habe. Andererseits, dann müsste ich jetzt irgendwann pinkeln. Auch blöd dafür die Observation zu unterbrechen. Ein Straßenkehrer kommt vorbei und fährt durch die Straße. Er hält nicht, obwohl hier offensichtlich mal sauber gemacht werden müsste. Aber das ist wohl so eine dieser Straßen, wo die Einwohner zwar jammern, dass hier nie geputzt wird, aber unschuldig sind sie nicht daran. Wäre keine Arbeit für mich, bei der Straßenreinigung. Wirklich gut bin ich eher darin jemanden zu töten. Es geht schnell und du wirst erstaunlich gut bezahlt. Hat sich einfach so ergeben. So wie andere echt gut darin sind einen Football zu werfen oder einen Golfball zu schlagen.  Endlich verlässt Esteban seine Wohnung. Ich erkenne ihn sofort, wie er aus dem Haus heraus kommt und die Kinder davor aufspringen. Meine Güte sind die auf einmal mobil.

Er geht die Straße herunter, steigt in einen Wagen und fährt weg. Ich betätige die Stoppuhrfunktion meines Handys. Ich denke, ich habe mindestens eine halbe Stunde, bevor er zurück kommt, denn hier ist auch eine U-bahn Station. Wenn er das Auto nimmt, will er weiter weg.

Die dunkelhäutigen Jungen sitzen jetzt wieder auf dem Treppenabsatz von Estebans Wohnhaus und damit mir im Weg. Ich bleibe stehen und musterte sie.

“Lasst mich durch”, sagte ich. Ich trage bequeme Halbstiefel, ich kann mir meinen Weg schon dadurch bahnen.

Einer der drei springt auf die Beine und baut sich vor mir auf. Seine sackförmige Hose rutscht etwas herunter, sodass er sie mit einer Hand festhalten muss. Seine Kumpels springen auch auf die Beine, sind aber deutlich langsamer als er. Seine freie linke Hand nutzt der Kurze, um mir seinen Finger ins Gesicht zu halten.

“Ey, so redet man nicht mit mir. Wenn du in mein Haus willst, zahlst du mir was dafür.”

“Ich bezweifle, dass dir das Haus gehört, Junge”, sage ich ruhig. “Jetzt mach, dass du wegkommst. Ich bin eine Nummer zu groß für dich.”

Es blitzt in seinen Augen. Die Hände habe ich in den Jackentaschen. Ich ziehe die Jacke etwas zurecht, sodass sich mein Schulterholster abzeichnet.

Der Junge ist nicht dumm. Seine Augen weiten sich und er nickt. Dann dreht er sich von mir weg und macht ein Zeichen mit der Hand, dass ihm seine Spießgesellen folgen sollen.

Die schauen etwas doof aus der Wäsche, sind aber ganz gut abgerichtet und folgen ihm wortlos.

Der Junge hat die richtige Entscheidung getroffen. Es ist nicht so, dass ich Angst vor einer Konfrontation habe, aber man kann sich sowas ja auch sparen. Die Tür zu dem Haus ist nicht abgeschlossen, die Gegensprechanlage sieht aus als wäre sie aus den Achtzigern und seit damals kaputt. Ich gehe ins Treppenhaus und bewundere auf dem Weg nach oben die verschiedenen Comicfiguren, die jemand an die Wand gesprüht hat. Ich erkenne einen echt guten Batman. Batmans wache Augen ruhen auf mir, als ich vor Juan Estebans Tür stehen bleibe. Das Namensschild ist selbst ausgedruckt und angeklebt an der Holztür. Ich lege mein Ohr auf die Tür und lausche. Hinter mir, aus der Wohnung gegenüber höre ich eine Frau kreischen und wütend fluchen. Jemand versucht immer wieder zaghaft etwas einzuwerfen, wird aber von ihr niedergeschrien. Aus Estebans Wohnung höre ich gar nichts.

Ich besehe mir das Türschloss und zücke ein kurzes Messer, das ich immer bei mir habe. Ich fummele eine Weile zwischen Tür und Rahmen herum bis es knackt und im Rahmen etwas zerbricht. Die Tür lässt sich öffnen und ich kann sie wieder zuschieben, so dass man von außen nichts sieht.

Gott sei Dank hat der kein zweites Schloss davor gehängt! Aber ich denke mal, einen Marabunta Kerl greift man nicht einfach so an. Kurz überlege ich, ob es eine gute Idee ist, aber dann schüttel ich den Kopf. Es wird schon nichts passieren. Ich bin ohne jede Verbindung zum Opfer, deswegen heuert man mich an. Auf mich kommt man nicht, das klassische Ermitteln nützt dir nichts bei einer bestellten Tat.

Nur leider bin ich dieses mal unbezahlt, wie mir wieder einfällt.

Ich sehe mich in der kleinen Wohnung um. Es sind nur zwei Zimmer und ein Bad, alles so leer wie ein Hotelzimmer. Das ist seltsam. Juan Esteban sah nicht nur wie ein Mann fürs Grobe aus, sondern auch wie jemand, der nicht den ganzen Tag aufräumt. Ich sehe mir die Schränke und Schubladen genauer an. Es ist fast nichts drin. Nach und nach wird mir klar, dass das hier eine Zweitwohnung ist.

Es fehlen die persönlichen Dinge. Bis auf einen Schrank. Da finde ich ein Fotoalbum. Ich schlage es nach wenigen Blicken wieder zu und lege es weg. Allerdings habe ich nichts Besseres zu tun, während ich auf ihn warte. Er wird wiederkommen, im Kühlschrank ist nicht nur Obst, es ist noch Kaffee in einer Kanne. Ich hätte auch nicht gedacht, dass dieser Kerl soviel Obst hat. Aber andererseits, muss man ja auch keine Vorurteile haben.

Ich sehe mir das Album genauer an. Es sind Frauenfotos... Erst sind es Sofortbildkamera-Bilder, diese mit dem Rahmen. Diese Bilder, die man so hin und her wedelt damit sie sich entwickeln. Später sind es ausgedruckte, so wie man sie in jedem Drogeriemarkt machen lassen kann, oder im Internet. Die Frauen darauf sehen nicht gut aus. Sie haben Veilchen und liegen auf dem Bett, das ich hier vor mir habe. Ich glaube nicht, dass sie tot sind, denn sie sind da in Posen, als hätte man sie verprügelt.

Ein Foto fällt mir auf. Larissa Howard. Es ist die einzige Larissa. Leider sieht sie auf dem Bild nicht gerade gut aus, aber vielleicht ist es ja die ominöse Larissa Smith?

Ich stecke das Foto ein.

Dann packe ich das Album weg. Ich nehme mir einen Stuhl und setze mich darauf. Auf dem Bett will ich nicht mehr sitzen.

Ich warte also auf die Rückkehr von Juan und fülle mir einen Kaffee ein. Die Zeit vergeht, ich habe es schließlich nicht eilig.  Heute ist Juan Estebans letzter Tag, da will ich mal nicht so sein, wenn es später wird. Wenn es nach mir geht, muss niemand sterben, aber ein Auftrag ist ein Auftrag. Trotzdem wurmt mich, dass ich nicht bezahlt werde hierfür. Irgendwann klickt es im Schloss und Juan Esteban tritt in seinen Hausflur. Er schließt die Tür hinter sich. Die kleine Küche, in der ich sitze, ist ums Eck, er kann mich nicht sehen. Ich kann ihn aber deutlich hören. Er flucht auf Spanisch, weil er entdeckt hat, dass das Schloss kaputt ist. Dann stürmt er an mir vorbei zum Schlafzimmer, sucht sein Album. Er nimmt mich im Halbdunkel der Küche gar nicht wahr. Also stehe ich auf, ziehe meine Pistole und traten in den Türrahmen des Schlafzimmers.

“Hände hoch”, sage ich. Der Kerl wirbelt herum und wirft das widerliche Fotoalbum nach mir, doch ich weiche aus und ziele noch immer auf ihn. Er hebt die Hände und flucht auf Spanisch.

“Putos ladrones!”, flucht er und funkelt mich böse an. “Quien eres?”

“No comprende”, sage ich die einzigen spanischen Wörter, die ich kann. Natürlich weiß ich auch was Tacos sind, aber das hilft mir jetzt nicht. “Sprich Englisch. Das hier ist New York, Mann!”

“Was tust du in meinem Haus? Wer schickt dich?”

“Erstmal hab ich eine Frage”, sage ich. “Du bist Juan Esteban Bapstiste Gonzales?”

Ich erkenne ihn unzweifelhaft von dem Foto wieder, aber ich will ein Gespräch beginnen. Vielleicht weiß er etwas.

“Ja”, sagt er und sieht sich um. Ich habe schon kontrolliert, dass hier keine Waffen versteckt sind.

“Was hat es mit den Frauen in dem Album auf sich? Sind sie tot?”, frage ich. Verdammt, das wollte ich eigentlich nicht wissen! Das ist mir jetzt so rausgerutscht. Ich beiße mir auf die Zunge. Sowas will ich im Zweifelsfall doch gar nicht wissen! Es ist nicht dein Auftrag, rufe ich mir in Erinnerung. Es geht dich nichts an!

“Nein Pendejo.”, sagt Esteban und lacht dreckig. “Ich hab sie härter angefasst, ja und? Das ist meine Sammlung, ey? Ich bring hier gerne welche mit hin und ich mags gerne feste, klar?”

“Hmm”, brumme ich. “Bist du auch ihr Zuhälter?”

Ich erinnere mich, dass Larissa Smith einen gehabt hatte.

Esteban wiegt den Kopf etwas hin und her.

“Nein, Prostitution ist illegal hier im schönen Estado New York.”

“Das ist mir sowas von egal. Sehe ich aus wie ein Polizist? Also, bist du?”

“Also ich habe Mädchen, die mich sehr mögen”, sagt Esteban. “Die geben mir gerne mal Geld dafür, dass ich mit ihnen schlafe.”

“Auch die aus dem Album?”

“Auch die, ja”, sagt Juan Esteban und grinst anzüglich. Seine Tätowierung verzieht sich dabei. “Ich bin halt wirklich gut.”