Die Raumflotte von Axarabor #13: Prinz der Tränen

Axarabor, Volume 13

Wilfried A. Hary

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Prinz der Tränen

Copyright

Prolog

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About the Publisher

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Prinz der Tränen

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DIE RAUMFLOTTE VON Axarabor -  Band 13

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 72 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Tscholu Fandamino, der Großmogul des Adakoni-Kartells ist wütend. Jemand hat die dem Kartell gehörende Welt REBELLION angegriffen und seine Identität angenommen. Nun macht er sich auf, herauszufinden was vorgefallen ist, wohl ahnend, dass es eine Falle für ihn sein könnte.

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Copyright

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Prolog

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MAN NENNT MICH DEN „Prinz der Tränen“, den Herrn der Tränen, weil ich Entscheidungen treffen muss, Entscheidungen über Leben und Tod.

Ich kann nicht anders. Auch wenn ich wollte.

Und keiner kann mir helfen.

Vor allem nicht gegen die Erinnerungen, beginnend mit dem, was ich zunächst als das Schlimmste empfunden hatte, das überhaupt möglich erschienen war:

Ich bin gefangen in einem Käfig voller Squallags, tierischen Wesen, die es lieben, Menschen und Menschenähnlichen das Leben zur Qual zu machen, zu einer Hölle, aus der es kein Entrinnen gibt.

Ich höre noch meine flehentlichen Gedanken: So grausam kann das Universum nicht sein! Darum bitte ich euch, bitte ich alle, die mich verstehen, die mich hören können, sogar die mythischen Wesen des Subraums, HELFT MIR!

Und hilf mir, Setna, allmächtiger Gott des Raumes, falls es dich wirklich geben sollte.

Ich bitte zumindest um deine Gnade, selbst wenn dies mein Tod bedeutet.

Alles, ja, alles ist besser als das hier. Sogar der Tod!

Und sogar DIE RAUMVERSCHLINGER könnten mir doch nicht Schlimmeres antun, oder?

Diese Schmerzen... Feuer bis in meine Träume. Hört das denn niemals auf?

SETNA – ich bitte um Erlösung!

In Ordnung: Lass mich meinetwegen sterben... endlich sterben.

Mein Fleisch soll endgültig verbrennen, denn mein Herz ist rein. Zumindest mein Herz.

Schließlich bin ich der Prinz der Tränen... und damit mein Ende endlich nah ist, erhöre dieses Gebet:

SETNA – erlöse mich.

Ich will dir dienen.

Immer!

Auf ewig.

Bis zum Ende aller Zeiten.

Setna, erlöse mich!

Mein soll für Dich die Rache sein!

SETNA!

Doch da ist noch jemand. Jemand, der ins Spiel gekommen ist. Einer, den ich nicht kenne. Der dem Herrn dient?

Setna? Dein Sendbote gar? Um meinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, meinen Tod?

Doch ich kann seinen Namen erkennen. Er steht brennend auf einer Wand: SCHWARZER MANTEL!

Egal. Er kommt – und ich will einfach nur sterben. Einfach nur...

SETNA!

Schnell: Die Squallags hört man nicht, man sieht sie nicht, bis sie sich zu erkennen geben.

Wenn es eine Hölle gibt, wenn es die RAUMVERSCHLINGER wirklich geben sollte, dann sind das hier die Wesen, die alles ankündigen werden, alles bis auf das Ende aller Zeiten. Eine Ankündigung in der Sprache unsäglicher, niemals enden wollender Schmerzen...

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1

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VERDAMMT, WENN ICH die Augen schließe, wird es noch schlimmer. Ich sehe es deutlich. Deutlicher geht es nicht. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Alles verschmilzt zu einer untrennbaren Einheit:

Der Ozean unter mir erscheint unendlich.

Blau. In ihm schimmert das grelle Licht der Sonne CANOPUS 23, einem Stern der gelben Zwergenklasse. In diesem Ozean des einzigen Planeten in der habitablen Zone um CANOPUS 23.

Die Ortung, die als einziges noch eine Funktion erfüllt nach dem tödlichen Treffer, zeigt deutlich, wo die Bruchlandung erfolgen soll. Schon wenige Meter unter der Oberfläche des glasklaren Ozeanwassers kann man die FISCHÄHNLICHEN sehen und einige, die springen können, um dem Wasser zu entrinnen und vielleicht schon in wenigen Jahrtausenden das Land zu erobern.

Ich werde mich nicht um sie kümmern können, und viele werden sterben. Sowieso. Vielleicht sogar alle? Zumindest an dieser Stelle.

Der Aufprall. Nicht nur die Bewohner des Wassers werden dabei sterben müssen.

Ich werde es vielleicht als einziger überleben? Und dann werde ich weiterreisen. Weiter verfolgt von SCHWARZER MANTEL. Ich hasse ihn. Er will mir weh tun, dermaßen weh tun. Was waren denn die Squallags dagegen, von denen er mich befreit hat? Befreit, nur um mich zu töten.

Ein Tod jedoch, der keine Erlösung bringen sollte. Ganz im Gegenteil: Er will, dass ich nur deshalb sterbe, damit meine Qualen unendlich werden.

Ein unendlich währender Tod. Schlimmer als jede Hölle sein könnte. Schlimmer sogar noch als die Squallags, obwohl ich mir nicht hätte vorstellen können, dass es danach jemals noch eine Steigerung geben könnte.

Falls ich es zulasse, heißt das, doch ich werde das niemals zulassen!

Ich werde ihn vernichten!

Wenn ich das denn nur könnte...

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2

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UND ENDLICH SCHLUG die STARBUST auf die Wasseroberfläche des zweiten Planeten von CANOPUS 23 auf.

Der Winkel war günstig. Er rettete zwar keine Menschen, und er rettete vor allem nicht das Schiff. Dazu war der Winkel dann doch zu steil, aber...

Am Himmel war zuerst ein Leuchten und dann ein ohrenbetäubender Ton. Hoch und schrill. Und er wollte einfach nicht aufhören.

Dieser Himmel hatte etwas von der guten alten Erde. Doch das Blau der Wasserwüste war vermischt mit hellen, rosafarbenen Streifen, und Winde heulten auf der Wasseroberfläche, wie zornige Derwische, und jeder Wassertropfen wurde von heftigen Böen wie der stoßweise Atem eines schieren Windriesen zurückgeschleudert und erzeugte Gischt und Schaum, den man auf der guten alten Erde so nicht gekannt hätte.

Dann berührte die STARBUST die aufschäumende Wasserfläche und zerbrach trotz der Abschirmungen in unzählige Trümmerteile.

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3

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ICH KANN NICHT ANDERS, ich muss es einfach immer und immer wieder aufs Neue erleben. Ohne die geringste Chance, es jemals zu vergessen. Nicht einmal das winzigste Detail.

Und dann ist da immer noch SCHWARZER MANTEL.

Wie konnte er damals nur davon wissen, dass wir im Anflug waren? Woher kannte er das System CANOPUS 23?

Er wollte nur mich treffen – und traf doch alle.

Wie kann ich ihm jemals endgültig entrinnen? Früher oder später findet er mich. Wie über dieser Welt im System CANOPUS 23.

Will mir denn niemand helfen?

Es ist spät!

Zu spät!

Wir stürzen ab. Die letzte Abschirmung fällt.

Stahl und Legierungen, die zwanzigtausend Grad aushalten, doch fünfundsechzigtausend Stundenkilometer und der Aufprall auf einer Wasseroberfläche... Das hält kein Schiff aus.

Die glühende Spur durch die Atmosphäre, kochende Luft hinterlassend, einen zusätzlichen Sturm erzeugend, ein Krachen und Bersten, noch bevor das Schlimmste überhaupt geschehen wird.

Und dann das Finale, wenn alles innerhalb von Augenblicken restlos zerstört wird.

Keine Rettung, keine Hilfe mehr möglich, wenn alles Leben endgültig erlischt. Im Schiff. Und am Auftreffpunkt im weiten Umkreis, wenn alles zerfetzt wird wie bei der Detonation einer Megatonnenbombe.

Nur in der Rettungseinheit, die sich erst lösen lässt als es eigentlich schon zu spät erscheint, noch für bange Sekunden der Kampf ums nackte Überleben.

Es scheint nicht nur zu spät, sondern ist es auch. Zu nah am Einschlagsort. Die ungeheure Druckwelle. Aller Stahl und die Abschirmungen auch hier fallen.

Und dann ist da nur noch Blut, das Zerbersten von Knochen, Zerfetzen von Fleisch und Sehnen, wo sogar Stahl nicht widerstehen kann.

Schließlich nur noch Wasser, ungeheuer viel Wasser...

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4

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SETNA, HILF MIR DOCH! Ich erlebe es schon wieder: Etwas schleudert mich in Richtung Wand. Alle Gurte reißen, nachdem sie mir ins Fleisch geschnitten und blutende Wunden hinterlassen haben.

Neben mir – etwas erhöht - sitzt Kapitän Hain-tze, den alle immer hinter seinem Rücken nur „Maatze“ nennen, langgezogen das „a“, aber was soll's, er ist ein erfahrener Kapitän, in der Blüte seines Alters und gerade mal 80 Jahre alt.

„Tschubbers“ heißt die KI-Projektion auf seiner Schulter, ein verdammt schönes Hologramm von einer Frau mit roten, langen Haaren, die aussieht wie ein kleiner Teufel, aber die Seele des Schiffes ist.

Und diese, ja, diese Seele erlischt von einem Augenblick zum anderen.

Gleich wird das Schlimmste passieren. Ich bekomme es mit der Angst zu tun. Denn das ist keine Übung. Das ist der Ernstfall, und der bringt uns viel zu schnell auf die Oberfläche des zweiten Planeten von CANOPUS 23.

Ich will noch Anweisungen geben, auch wenn das für einen Menschen eine viel zu kurze Zeitspanne ist, um wirklich noch etwas bewirken zu können.

Nicht einmal die Auswerfer, wie man die schnellen und wendigen Beiboote nennt, kommen rechtzeitig davon, und dann dominiert nur noch das Kreischen überbelasteten Materials.

Wird es mir genau so ergehen wie an Bord all der anderen Schiffe, die havarierten, und bin auch ich irgendwann nur noch eine Fußnote in der Geschichte, und dann, schon einige Jahrhunderte später, erinnert sich überhaupt niemand mehr an mich?

Ich werde zumindest den Kapitän retten – koste es, was es wolle.

Ich greife nach Kapitän Hain-tze und reiße ihn mit mir.

Etwas brennt an mir: Zwei Abschirmungen umschließen uns beide gemeinsam, und so gewinnen wir Zeit, während um uns herum das Chaos immer schlimmer wird und eigentlich gar nichts mehr geht.

Ich schau auf meinen Arm, mit dem ich Kapitän Hain-tze mitgezogen habe, und sehe, dass ich zwei Finger verloren habe. Sie wurden vermutlich abgetrennt von umherfliegenden Splittern aus der Kommandozentrale.

Sie bluten nicht einmal. Und ich habe keine Zeit mehr, auch nur darüber nachzudenken.

Nur noch einen Meter, und wir sind in dieser Rettungskapsel. Schlechter als ein Auswerfer, aber besser als umzukommen.

Ich werde es nicht zulassen, dass der Kapitän einfach stirbt.

Und dann bin ich mit ihm in der Kapsel.

Doch bevor sich das Gefährt hermetisch abriegelt und eine wirksame Abschirmung aufbaut, treffen mich hintereinander zwei Stöße.

Sie sind wuchtig.

Sie sind brutal!

Die Luft riecht plötzlich nach Eisen. Schließlich spritzt Blut auf die Sitze.