Die Raumflotte von Axarabor #14: Das kosmische Kartell

Axarabor, Volume 14

Wilfried A. Hary

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Das kosmische Kartell

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About the Publisher

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Das kosmische Kartell

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DIE RAUMFLOTTE VON Axarabor -  Band 14

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 70 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Ein abgelegener Dschungelplanet, irgendwo am Rand des Sternenreichs von Axarabor. Das Adakoni-Kartell vernichtet eine ganze Siedlung, so dass niemand überlebt bis auf das Kind der Rache. Als nach vielen Jahren endlich erneut Mitglieder des Adakoni-Kartell diese Welt besuchen, ergibt sich eine ganz besondere Gelegenheit...

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EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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DER KLEINE JUNGE SCHIEN erst fünf Jahre alt zu sein. Sein blonder Lockenschopf umrahmte ein pausbäckiges Gesicht mit einer kleinen Stupsnase und zwei leuchtend blauen Augen. Sie schauten so groß und staunend, als könnte er die Welt noch lange nicht begreifen und als hätten diese Augen noch niemals etwas Negatives oder gar Grausiges gesehen.

Zumindest das täuschte!

Er saß in dem extra von Vater angefertigten wenngleich ziemlich roh zusammengezimmerten Stuhl und schaute dem faszinierenden Spiel des Feuers zu, das sein Gesicht leicht zum Glühen brachte.

Er hatte seinem Vater versprochen, hier sitzen zu bleiben, bis er zurückkam von der Jagd. Das Lagerfeuer brannte ja schon. Auch der Spieß stand darüber, aus Metall gefertigt, das Vater aus der zerstörten Siedlung geborgen hatte.

Es war nicht ganz ungefährlich, die zerstörte Siedlung zu besuchen, um dort noch Brauchbares zu finden. Dort wimmelte es nur so von hungrigem Getier.

Vater hatte seinem kleinen Jungen erklärt, dass die Tiere nicht wirklich böse waren. Sie wollten einfach nur ihren Hunger stillen, und in der Siedlung hielten sie sich deshalb auf, weil sie nicht begreifen konnten, dass es dort schon sehr lange nichts mehr Fressbares gab. Seit nicht nur sämtlicher Proviant der ehemaligen Siedler aufgebraucht war, sondern seit die Siedler selbst komplett aufgefressen worden waren. Beziehungsweise das, was von ihnen noch übrig geblieben war.

Der Junge wusste längst, wer die eigentlich Bösen waren. Sie nannten sich Adakoni-Kartell, und sie fielen damals über die Siedlung her, nicht weil sie etwa Hunger hatten wie die wilden Tiere, die jetzt dort herumstreunten, sondern weil sie damit gerechnet hatten, auf wenig Gegenwehr zu stoßen.

Übermütige junge Leute, denen man ein schwer bewaffnetes Raumschiff überlassen hatte, mit dem sie als Piraten auf Beutezug gingen. Die Siedlerwelt hatte einfach nur auf ihrem Weg gelegen. Sie hatte ja nicht wirklich etwas zu bieten, nichts, wofür es sich gelohnt hätte, auch nur hier zu landen. Es sei denn, man wollte sich mal gründlich austoben, indem man folterte, vergewaltigte und sinnlos tötete.

Sinnlos?

Nein, es geschah ja aus reinem Vergnügen! Also hatte es für die Piraten des Kartells durchaus einen Sinn.

Zumindest hatte Vater dem kleinen Jungen das so erklärt.

„Wir wären jetzt ebenfalls tot, aber es gelang uns, dich zu retten und dich tief im Dschungel zu verstecken!“, endete jede dieser Geschichten.

Oh, Vater versäumte es niemals, auch Details zu schildern. Wie beispielsweise die nette Familie in unmittelbarer Nachbarschaft ausgelöscht worden war. Die Schreie der gepeinigten Opfer hörte er angeblich heute noch.

Der kleine Junge starrte stumm vor sich hin. Das Feuer spiegelte sich in seinen weit geöffneten Augen wider, als würde es nicht vor ihm brennen, sondern hinter diesen Augen, in seinem kleinen Kopf.

Er verschränkte die zarten Händchen über dem leicht vorgewölbten Bauch und schürzte die Lippen.

„Adakoni-Kartell!“, murmelte er vor sich hin. „Vater, ich weiß, das sind die Bösen. Nicht wie die blutrünstigen wilden Tiere, sondern viel, viel schlimmer. Weil die Tiere einfach nur Hunger haben und überleben wollen, doch diese Teufel in Menschengestalt...“

„Erik!“, rief eine helle Frauenstimme.

„Ja, Mama?“, rief der kleine Erik zurück, ohne seinen Blick vom Feuer abzuwenden.

„Du sollst doch nicht immer über diese schrecklichen Dinge nachdenken!“

„Nein, sollte ich nicht!“, räumte er ein.

„Ich habe deinem Vater nun schon so oft gesagt, dass er das unterlassen soll. Diese Geschichten sind nichts für einen kleinen Jungen wie dich!“

Er wandte den Kopf und schaute in Richtung Hütte. Sie war eigentlich viel zu klein für zwei Erwachsene, und doch lebte er dort mit seinen Eltern. Schon so lange er zurückdenken konnte.

Nein, es stimmte nicht ganz: Er hatte ja das Massaker noch selbst miterlebt damals. Er hatte all das Blut gesehen, die Schreie gehört, das brutale Gelächter dieses Abschaums von Raumpiraten... Bis sein Vater ihn geschnappt hatte und davon gerannt war.

Keine Ahnung, ob sie verfolgt worden waren von dieser verruchten Brut. Sie hatten es trotzdem geschafft bis hierher und sogar noch weiter, denn später erst waren sie zurückgekehrt in die Siedlung, als sie sicher sein konnten, dass die Piraten wieder gestartet waren.

Aber sie waren nicht in der Siedlung geblieben. Sie hatten alles das hinter sich gelassen und waren wieder eingedrungen in den ewigen Dschungel. Bis zu dieser kleinen Lichtung hier, wo dann Vater mit der Unterstützung von Mutter die Hütte gebaut hatte.

Er starrte wieder in das Feuer.

Wie lange war es eigentlich her inzwischen?

Er hatte kein Zeitgefühl und konnte es nicht sagen.

Vielleicht waren es ja erst wenige Tage?

Nein, das war nicht möglich, denn dann hätten in der Siedlung noch die Leichen liegen müssen, und die Natur hätte sie nicht schon dermaßen überwuchert.

Erik hatte es zwar nicht selber gesehen, aber sein Vater hatte es ihm genau geschildert, während Mutter mal wieder geschimpft hatte, weil Vater in der Regel nicht das geringste Detail ausließ, so grausam es auch klingen mochte.

„Scheiß Adakoni-Kartell!“, murmelte Erik vor sich hin mit seiner kindlichen Stimme.

Hätte es einer dieser Piraten gehört, wäre er wohl in schallendes Gelächter ausgebrochen. Was sollte schon so ein kleiner Junge, vielleicht gerade mal fünf Jahre alt, gegen das mächtigste Kartell außerhalb des Imperiums von Axarabor unternehmen?

Axarabor und seine Raumflotte... Erik wusste nicht, was das war. Obwohl Vater versucht hatte, es ihm zu erzählen. Aber er hatte es nicht verstehen können. Er war hier, auf dieser Welt, geboren worden. Das hier war seine Heimat, und er war inzwischen noch der einzige Mensch auf einer ganzen Welt, nachdem die Raumpiraten alle getötet hatten und wieder auf und davon waren. Irgendwohin, wo es anscheinend noch mehr Welten gab. Wie die Sterne nachts am Himmel?

Klar hatte Vater ihm das immer wieder zu erklären versucht, aber wenn er es nun einmal nicht verstehen konnte!

Ja, er als der einzige Mensch hier auf der ganzen weiten Welt!

Nicht eingerechnet natürlich seine Eltern: Mama und Papa!

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PAPA KAM VON DER JAGD zurück, mit einem erlegten Kleinwild, das eigentlich viel zu wenig Fleisch bot für eine dreiköpfige Familie, aber sie mussten sich damit begnügen. Wie immer.

Überhaupt auch nur diese kleinen Biester zu kriegen, nur bewaffnet mit einem selbstgebastelten Speer, war schon eine ganz besondere Herausforderung. Nicht nur, weil diese Biester  sehr schnell waren und bei jeder Annäherung sofort die Flucht ergriffen, sie gehörten auch noch auf den Speisezettel so einiger Fleischfresser, mit denen sich niemand anlegen sollte, vor allem nicht als Nahrungskonkurrent.

Und vor allem nicht mit den Gorlos, eine Raubsaurierart, vergleichbar vielleicht mit Raptoren, von denen Erik natürlich noch nie etwas gehört hatte. Einen Gorlo mit diesem Speer abwehren zu wollen, das wäre wie ein Zwerg, nur bewaffnet mit einem Zahnstocher, gegen einen übermächtigen Riesen.

Doch Eriks Vater war nicht nur tapfer, er war auch geschickt genug, um wenigstens einen kleinen Braten zu sichern.

Erik sprang auf und eilte seinem Vater entgegen. Er klammerte sich ganz fest an ihn, weil er sich so sehr freute, ihn heil wiederzusehen.

Papa streichelte ihm liebevoll über die blonde Haarpracht, lächelte erfreut und wartete, bis sein Sohn ihn wieder los ließ, damit er alles für den Braten vorbereiten konnte.

Erik sah ihm dabei aufmerksam zu. Es entging ihm nicht die geringste Kleinigkeit.

Ebenfalls so wie immer.

Am Ende drehte sich der kleine Braten am Spieß über dem lodernden Lagerfeuer. Mutter trug das Ihrige dazu bei, indem sie zwischendurch neues Holz auflegte. Es qualmte jedes Mal fürchterlich, bis die Hitze die Feuchtigkeit aus dem Holz getrieben hatte.

Erik hielt tapfer aus, auch wenn ihm der beizende Rauch hin und wieder mitten ins Gesicht blies. Er freute sich schon auf das Essen.

Vater hatte ihm erzählt, dass Fleisch in ihrer Situation besonders wichtig sei. Aber es gab nicht nur Fleisch. Mutter hatte einiges sammeln können, von dem sie wusste, dass Menschen es gut vertrugen.

Vater sagte dazu stets, dass nicht nur das Protein im Fleisch schließlich wichtig sei, damit ein Junge wie Erik sich entwickeln konnte, sondern natürlich auch die Vitamine der Pflanzenkost.

Erik nahm das lediglich zur Kenntnis. Es interessierte ihn nicht wirklich.

Dann durfte er sich als Erster sattessen. Weil seine Eltern der Meinung waren, er würde es am ehesten brauchen. Weil er sich ja noch entwickeln musste.

Erik hatte keine Hemmungen dabei, fast alles aufzuessen und nur noch einen verhältnismäßig kümmerlichen Rest für seine Eltern übrig zu lassen.

Sie freuten sich sogar darüber und lobten ihn ob seines gesunden Appetites.

Kaum war das Mahl dann beendet, brach die Nacht herein, in der gewohnten Schnelligkeit. Also verzogen sich alle drei in die viel zu kleine Hütte, um dort die Nacht zu verbringen.