Die Raumflotte von Axarabor #20: Die Menschenjäger von Zacanda

Bernd Teuber

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2018.

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Die Menschenjäger von Zacanda

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Die Menschenjäger von Zacanda

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 20

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Der Planet Zacanda bietet aufgrund seiner Beschaffenheit ideale Bedingungen für eine Besiedlung. Zunächst verläuft die Kolonisierung ohne Probleme, doch dann reißt plötzlich der Kontakt zu den Siedlern ab.

Die Besatzung des Raumschiffs STARFIRE erhält den Auftrag, nach Zacanda zu fliegen, und das Rätsel zu lösen. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem spurlosen Verschwinden der Männer und Frauen?

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Wir sind verloren.“

Lennard Carboca hatte nur halblaut gesprochen. Trotzdem waren seine Worte den anderen Siedlern nicht entgangen. Die Echsenwesen waren überall und schwangen drohend ihre Schwerter und Speere. Sie waren mindestens 2,50 Meter groß. Carboca konnte dieser Übermacht nicht mehr als vierzig Männer und Frauen gegenüberstellen. Er fragte sich, wie es überhaupt möglich war, dass auf diesem Planeten noch andere intelligente Wesen lebten, ohne von den Forscherteams entdeckt worden zu sein.

Vielleicht besaßen sie magische Kräfte ...

Mit Gewalt unterdrückte Carboca diesen Gedanken. Er zog seinen Blaster aus dem Holster und erschoss einen der Angreifer. Dieser erwies sich als normales Lebewesen. Jedenfalls war es nicht gegen Energiestrahlen gefeit und stürzte zu Boden.

„Rückzug!“, brüllte er. „Verteilen und feuern!“

Die Wesen stürmten von allen Seiten auf die Siedler zu. Es blieb nur ein Ausweg. Sie mussten zurückweichen. Die Luft zitterte von dem grauenvollen Kriegsgeschrei der Angreifer und dem Zischen der Blaster. Die modernen Energiewaffen waren der einzige Vorteil gegen die Übermacht, die offenbar den eigenen Tod nicht fürchtete.

Genau wie die anderen Siedler stolperte auch Carboca rückwärts und schoss dabei in die Menge der Angreifer. Es war fast unmöglich, sie zu verfehlen. Dazu waren es einfach zu viele. Doch für jeden Gefallenen schienen zwei neue aus dem Boden zu wachsen. Das war natürlich Unsinn. Doch Carboca packte allmählich das Grauen. Obwohl die Auseinandersetzung noch nicht länger als drei Minuten gedauert haben konnte, kam es ihm wie Stunden vor.

Plötzlich gab sein Blaster nur noch ein Klicken von sich. Das Energiemagazin war leergeschossen. Schon stürzte ein Angreifer heran, um ihn mit seinem Speer zu töten. Im letzten Moment kam ihm Dustin Moffett zu Hilfe. Er schoss dem Gegner in den Kopf. Dieser brach zusammen. Sein Gesicht, erkannte Carboca schaudernd, zeigte nicht einmal Erschrecken oder Todesangst. Diese Wesen hatten sich mit dem eigenen Tod längst arrangiert. Deshalb waren sie auch so furchtlose Kämpfer.

„Danke“, keuchte Carboca und blickte in das ernste Gesicht seines Lebensretters. Mit fliegenden Fingern schob er ein neues Magazin in den Blaster und rastete es ein. Abermals stürmte eine Echse auf ihn zu. Er zielte und drückte ab. Nichts geschah. Er drückte noch einmal ab, fluchte und sah sich gehetzt um.

„Das Ding hat eine Ladehemmung“, keuchte er.

Sein Lebensretter kam ihm erneut zur Hilfe. Er riss ihm die Waffe aus den Händen, fummelte ungelenk daran herum und stieß Carboca beiseite, um auf die Echse zu zielen. Eine riesige, grüngeschuppte Hand legte sich auf seine Schulter, wirbelte ihn wie ein Spielzeug herum und stieß ihn zurück. Moffett schrie, taumelte und fiel hintenüber. Die Waffe flog aus seiner Hand und polterte zu Boden.

Carboca sprang nach dem Blaster und bekam ihn zu fassen. Mit einer verzweifelten Anstrengung stemmte er sich hoch, zielte – und erstarrte mitten in der Bewegung, als die gigantische, grüngeschuppte Gestalt mit ausgestreckten Armen auf ihn zukam. Mit einer tödlichen Umarmung legte die Echse ihre mächtigen Pranken um Carbocas Brustkorb. Er schrie auf, als die Kreatur zudrückte. Schmerzen, unerträgliche grauenhafte Schmerzen tobten durch seinen Körper.

Sein Schrei brach ab, als er keine Luft mehr bekam. Er spürte, wie seine Rippen unter dem ungeheuren Druck dieser starken Hände zu knacken begannen. Ein Blasterschuss traf die Echse. Sie zuckte zusammen. Die Hände lösten sich. Das Wesen zitterte, trat einen Schritt zurück und wandte sich schwerfällig um. Wieder zischte ein Energiestrahl auf die Echse zu. Carboca sah, wie die Kreatur unter dem Treffer zurücktaumelte. Aber sie stürzte nicht.

Sein Blick glitt an dem Monster vorbei. Er sah den Mann, der ihm schon einmal das Leben gerettet hatte. Moffett stand breitbeinig und zielte mit seinem Blaster auf die Echse. Das grüngeschuppte Wesen knurrte, duckte sich ein wenig und bewegte sich mit wiegenden Schritten auf den Gegner zu. Schwarzes Blut floss aus einer Wunde an der linken Seite. Kurz hintereinander zuckten drei Schüsse aus dem Blaster, gefolgt von einem dumpfen, klatschenden Geräusch, als der Kopf der Echse zerplatzte. Der  Körper blieb noch einen Augenblick stehen, dann kippte er nach hinten und prallte hart auf den Boden.

Bevor Carboca seinem Retter danken konnte, wurde dieser von einem Speer durchbohrt. Die Spitze drang in seinen Rücken und trat an der Vorderseite wieder aus. Moffett hielt sich noch einen Moment aufrecht. Unglauben spiegelte sich in seinen Augen, als er auf die Speerspitze starrte, die aus seiner Brust ragte. Der Blaster entglitt seiner kraftlos gewordenen Hand. Er fiel auf die Knie, blieb einige Sekunden in dieser Haltung, dann kippte er nach vorn und blieb im Staub liegen. Blut floss aus der Wunde, verzweigte sich mehrfach und bildete große Pfützen.

Es fiel Carboca schwer, sich von diesem furchtbaren Anblick loszureißen. Er musste sich wieder auf den Kampf konzentrieren, ob wohl er genau wusste, dass es sinnlos war. Langsam aber sicher wurden die Siedler aufgerieben. Gegen die Übermacht hatten sie keine Chance. Erst fiel einer von ihnen, dann ein zweiter und ein dritter. Zu allem Überfluss wurde es auch allmählich dunkel.

Da ertönte ein verzweifelter Jubelschrei.

„Eine Höhle!“

Carboca warf den Kopf herum. Zwischen einigen aufgewölbten Steinplatten tat sich ein Spalt auf. Das konnte man trotz der hereinbrechenden Dunkelheit erkennen. Der erste Siedler sprang dort hinein. Ein zweiter folgte. Die Angreifer schienen aus irgendeinem Grund zurückzubleiben. Carboca dachte nicht lange darüber nach. Warum die Gegner ihnen nicht folgten, war irrelevant. Wichtig war nur, dass sie zurückblieben. Er und der alte Arteem Golowin bildeten die Nachhut. Sie feuerten auf die Angreifer, bis alle überlebenden Siedler in der Felsspalte verschwunden waren. Schließlich quetschten sich auch Carboca und Golowin durch den Riss.

Unmittelbar hinter dem Eingang führte der Weg schräg nach unten. Golowin holte eine kleine Akkulampe aus der Tasche und schaltete sie ein. Der Lichtstrahl glitt über schroffe Felswände.

„Los, weiter“, sagte Carboca.

Die beiden Männer drangen in das Innere der Höhle vor. Nach einigen Schritten führte der Weg ebenerdig weiter.

„Wo sind denn die anderen?“, fragte Golowin.

„Vermutlich sind sie weiter nach hinten gegangen“, erwiderte Carboca.

Mehrmals wandte er sich um und blickte nach hinten, um festzustellen, ob sie verfolgt wurden. Doch seine Sorge erwies sich als unbegründet. Die Echsen hatten die Verfolgung offenbar aufgegeben. Vielleicht gelang es ihnen auch nicht, sich durch den schmalen Eingang zu quetschen. Golowin blieb plötzlich stehen.

„Verdammt!“

„Was ist los?“

Golowin ließ den Strahl der Lampe über die Felswand gleiten, die ihnen den Weg versperrte.

„Wie ist das möglich?“, fragte Carboca. „Wo sind die Männer und Frauen geblieben?“

„Ich weiß es nicht.“

„Aber das ist doch vollkommen unmöglich. Sie können nicht einfach verschwunden sein.“

„Vielleicht gibt irgendwo noch eine Abzweigung, die wir übersehen haben“, vermutete Golowin.

Carboca schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe genau aufgepasst. Zu beiden Seiten des Gangs befindet sich nur massiver Fels.“

„Und wie erklärst du dir das?“

Carboca zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich ... ich ... keine Ahnung ...“

Er trat näher an die Wand heran und streckte die Hand nach vorn, um sie zu berühren. Mühelos drangen seine Finger durch den Fels hindurch. Ruckartig zog er den Arm zurück. Golowin blickte ihn ungläubig an. Dann streckte auch er den Arm aus. Seine Hand glitt ebenfalls durch die Steinwand.

„Was ist das?“, fragte er verblüfft.

„Vielleicht eine Projektion“, vermutete Carboca.

„Eine Projektion?“

„Hast du vielleicht eine andere Erklärung?“

„Aber weshalb sollte jemand so etwas hier errichten? Und vor allem, wozu?“

„Ich weiß es nicht. Aber die Sache ist sehr merkwürdig.“

„Vielleicht stecken diese Echsen dahinter“, sagte Golowin.

„Also, ich glaube nicht, dass diese Kreaturen so etwas hochtechnisiertes wie eine Projektion erschaffen können.“

„Warum nicht? Nur weil sie mit Speeren bewaffnet sind? Das besagt gar nichts.“

„Trotzdem halte ich es für sehr unwahrscheinlich“, beharrte Carboca.

„Etwa genauso unwahrscheinlich, wie die Tatsache, das es auf diesem Planeten überhaupt solche Lebewesen gibt?“

„Was hat das denn damit zu tun?“

„Eine ganze Menge“, antwortete Golowin gereizt. „Als wir uns für dieses Projekt meldeten, hat man uns versichert, dass es auf Zacanda nur niedere Lebensformen gibt. Von bewaffneten Echsen war nicht die Rede.“

Carboca zuckte nur hilflos mit den Schultern. Was sollte er auch darauf antworten? Ihm war die ganze Angelegenheit ebenso rätselhaft wie Golowin. Abermals streckte er seine Hand nach der Felswand aus. Abermals durchdrang sie das Hindernis. Golowin folgte seinem Beispiel. Im selben Moment wurden die beiden Männer von einem starken Sog erfasst. Schwärze umgab sie.

Carboca stieß einen lauten Schrei aus. Zumindest glaubte er, dass er schrie. Er hatte den Mund weit aufgerissen, doch kein Ton schien daraus hervorzukommen. Die Lampe entglitt Golowins Fingern. Sie trudelte hinab in die Dunkelheit und war gleich darauf verschwunden. Die beiden Männer wussten nicht, wie lange der Sturz in die Tiefe mittlerweile andauerte. Sie verloren jegliches Zeitgefühl. Vielleicht waren es mehrere Stunden, aber es konnte sich auch nur um wenige Minuten handeln.

Aus der Dunkelheit tauchten plötzlich Sterne auf. Planeten zogen an den Männern vorbei. In der Ferne leuchtete eine gigantische Galaxie. Carboca hatte Mühe, diese Eindrücke zu verarbeiten, die auf ihn einstürmten. Wo befanden sie sich? Im Weltraum? Auf den ersten Blick sah es zumindest so aus, doch gleichzeitig wusste er, dass es vollkommen unmöglich war. Im All gab es keinen Sauerstoff. Sie wären unweigerlich erstickt und erfroren. So sehr er auch darüber nachgrübelte, er fand keine logische Erklärung für dieses Phänomen.

Sie schwebten in einer Unendlichkeit, in der offenbar eigene Naturgesetze herrschten. Während Carboca noch darüber nachdachte, erschien ein grelles Licht und hüllte die beiden Männer vollständig ein. Sie wurden fortgerissen und stolperten ins Freie. Carboca prallte hart auf den Boden. Golowin gelang es im letzten Moment, sich abzufangen. Er wollte schon erleichtert aufatmen, weil er glaubte, in Sicherheit zu sein. Doch das war ein Trugschluss. Er befand sich in einer anderen Welt. Erschrocken riss er die Augen weit auf und griff nach seinem Blaster. Doch gleichzeitig spürte er, dass seine Waffe gegen die Gefahren dieser Welt machtlos war.

Dieser Welt?

Auf den ersten Blick unterschied sich die Umgebung nicht von der Landschaft außerhalb der Höhle. Carboca und die anderen Siedler waren unweit einer Baumgruppe durch die Felswand hierher gekommen. Doch gleich darauf bemerkten sie, was hier nicht stimmte. Die Bäume waren riesengroß. Jeder von ihnen ragte weit in den Himmel hinauf. So hoch, dass die Kronen im leichten Morgennebel verschwanden.

Morgennebel?

Carboca stutzte, während er langsam auf die Füße kam. Als sie gerade eben vor den Echsenwesen geflohen waren, dämmerte die Nacht herauf. Es konnte nicht länger als eine oder zwei Minuten gedauert haben, die schmale Felsspalte zu durchqueren und in die Höhle vorzudringen. Irritiert hob er den linken Arm und blickte auf die Uhr an seinem Handgelenk. Die Ziffern der Digitalanzeige flackerten. Dann wurde das Display plötzlich schwarz. Die Uhr war kaputt.