Die Raumflotte von Axarabor #26: Planet des Puppenspielers

Wilfried A. Hary

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Planet des Puppenspielers

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Planet des Puppenspielers

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 26

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 70 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Der Planet Alpha Epsilon liegt inmitten des Machtbereichs des Adakoni-Kartells, das über rund einhundert Welten gnadenlos herrscht.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Wer bist du denn, Kleiner?“, fragte die freundliche ältere Dame den kleinen Jungen. Wie eine liebende Oma zu ihrem Enkel sprechen würde.

Der kleine Junge, offenbar fünf Jahre alt, mit blondem Lockenschopf und strahlend blauen Augen, lächelte zurück.

„Ich bin der Erik!“

„Und wieso bist du hier ganz allein unterwegs, in der übelsten Gegend von Alpha Epsilon Stadt?“

„Vielleicht habe ich mich verlaufen?“

„Aha? Also verlaufen hast du dich? Aber wieso vielleicht?“

„Ich bin mit meinem Papa hier.“

„Und wo ist dein Papa? Ich sehe ihn nirgendwo.“

„Ich weiß es nicht.“

„Nun, dann hast du wahrlich Glück gehabt, kleiner Erik, dass du mich gefunden hast. Ich werde mich um dich kümmern. Und glaube mir, ich habe darin viel Erfahrung. Ich kümmere mich gern um kleine Jungs, die sich verlaufen haben.“

Erik zeigte keinen Argwohn, als er an der Hand der lieben, netten alten Dame davon ging.

Ahnte er denn gar nicht, dass er das neueste Opfer sein sollte der berüchtigten Menschenfresserin?

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Alpha Epsilon. Mitten im Machtbereich des Adakoni-Kartells, das über rund einhundert Welten gnadenlos herrschte.

Milliarden von Menschen waren die permanenten Opfer dieses Kartells, das an Unmenschlichkeit seinesgleichen suchte.

Die Raumflotte von Axarabor hatte zwar in einem beispiellosen Feldzug die Hälfte des Machtbereiches vom Joch der Tyrannei befreit, aber es blieben eben noch diese rund einhundert Welten, die man in den Weiten der Galaxis erst einmal finden musste.

Recht und Ordnung waren hier Fremdwörter. Es galt ausschließlich das, was die örtlichen Vertreter des Kartells bestimmten. In diesem Fall, im Fall von Alpha Epsilon eben, das Recht von König Feisal Allamon.

Er war natürlich kein richtiger König, weil er sich selbst dazu ernannt hatte. Obwohl sein gewaltiger Palast eines echten Königs durchaus würdig gewesen wäre.

Feisal Allamon. Ein Mafioso reinsten Wassers. Zwar sprach er immer von Familie und von Familienehre, aber jeder wusste schließlich, dass er mit Familie lediglich seine Mafiabande meinte und mit Ehre ausschließlich grenzenlose Loyalität seiner Person gegenüber.

Es gab nur einen einzigen Menschen im gesamten Universum, den er respektierte, außer sich selbst – und das war Großmogul Tscholu Fandamino, der geheimnisvolle oberste Führer des verabscheuungswürdigen Adakoni-Kartells.

Allerdings war es bisher noch nie passiert, dass sich Fandamino persönlich um König Feisal Allamon gekümmert hätte. Es war nicht nötig geworden.

Überhaupt ließ er gern seine Führer frei gewähren, solange es nicht seinen persönlichen Interessen widersprach. Und so lange König Feisal Allamon regelmäßig dem Kartell seinen Tribut zollte, behielt er auch noch weiterhin völlig freie Hand.

Nach Großmogul Tscholu Fandamino hätte er sich getrost auch Kaiser nennen dürfen. Es interessierte den Großmogul nicht. Genauso wenig wie die Art seiner Herrschaft über Alpha Epsilon, die von Terror, grausamer Folter und gnadenlosem Massenmord geprägt war.

Alles dies wusste natürlich Erik, der kleine Junge mit dem blonden Lockenschopf, der nur so aussah, als sei er erst fünf Jahre alt. Und er wusste außerdem auch sehr genau, an wessen Hand er da ging:

Großmutter Schira!

Niemand wusste, wie sie wirklich hieß. Sicher war nur, dass sie unter dem besonderen Schutz von König Feisal Allamon stand, angeblich weil sie ihm einmal vor Jahrzehnten das Leben gerettet hatte.

Damals war sie natürlich noch nicht wie eine Großmutter erschienen. Als Schira hatte sie sich einen üblen Ruf als gnadenlose Killerin innerhalb des Kartells verschafft. Man schickte sie stets dorthin, wo es besonders blutig werden sollte.

Jetzt, alt und grau geworden, war von der einstigen Elitekämpferin nicht mehr viel übrig geblieben. Aber ihr Blutdurst blieb nach wie vor unstillbar.

Man erzählte sich heute noch, dass sie gern mit blanken Zähnen ihren Opfern die Kehle aufgerissen hatte. Das Trinken des Blutes ihrer sterbenden Opfer hatte ihr offenbar einen ganz besonderen Kick verschafft.

Inzwischen, in ihren alten Tagen, hatte sie keine Kraft und vor allem kein Gebiss mehr, das dazu in der Lage gewesen wäre. Aber sie hatte längst eine für sie annehmbare Alternative gefunden: Sie fing kleine Jungs ein, ganz bevorzugt eben Jungs, die sie erst mit ihrer Oma-Tour einlullte, um sie dann genüsslich auf das Schlachten vorzubereiten.

Gerüchten innerhalb des Kartells zufolge ernährte sie sich fast ausschließlich nur noch vom Fleisch ihrer armen, bedauernswerten Opfer.

Und jetzt hatte sie Erik als nächstes Opfer ausersehen. Ausgerechnet Erik. Weil der Name ihr nichts sagte. Noch nicht.

Erik lächelte still vor sich hin. Er hatte vor vielen Jahren seine Eltern verloren, in einem beispiellosen Massaker, als Piraten des Kartells seine Siedlerwelt überfallen hatten. Niemand war lebend diesem Massaker entkommen, das die Kartell-Piraten aus schierer Langweile verübt hatten.

Außer ihm natürlich. Weil er ganz besondere Fähigkeiten besaß.

Die Geschehnisse hatten ihn maßgeblich geprägt. Als Jahre nach dem Massaker erneut ein Raumschiff des Kartells auf seiner Welt gelandet war, hatte er gnadenlos seine Rache durchgeführt. An jedem Einzelnen.

Nicht persönlich natürlich. Weil er eben nach wie vor wie ein kleiner, fünfjähriger Junge aussah, obwohl er sehr viel älter war. Aber er konnte beliebig Avatare erschaffen. Vorzugsweise zwei, nicht mehr. Denn nur bis zu zwei gleichzeitig hatte er vollkommen unter Kontrolle. Wurden es mehr, schaffte er das nur noch eingeschränkt.

Und so marschierte er an der Hand der Menschenfresserin einem grausigen Schicksal entgegen.

Nicht unbedingt grausig für ihn selber...

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3

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König Feisal Allamon genoss den Abend auf seine Weise: Mit einem halben Dutzend besonders leichter Frauen, ganz nach seinem Geschmack, die ihm außerdem vollkommen hörig waren. Zumindest verstanden sie es perfekt, so zu tun. Und wenn er etwas ganz besonders hasste, dann war es, wenn man ihn dabei störte. Egal, wer das war und egal aus welchem Grund. Und sei dieser Grund noch so überzeugend.

Der Störer war sein persönlicher Adjutant Prolem Zumal. Jeden anderen hätte er auf der Stelle töten lassen, aber immerhin war Prolem Zumal nicht nur sein persönlicher Adjutant, sondern eigentlich sogar seine rechte Hand, und als solche war er einfach zu wertvoll, um ihn einfach so töten zu lassen.

Der Grund war durchaus triftig:

„Tut mir leid, Eure Majestät, aber man hat mir soeben überzeugende Beweise vorgelegt, dass Ihr in tödlicher Gefahr schwebt.“

„Ich in tödlicher Gefahr?“ Das konnte und wollte König Feisal nicht glauben.

„Ja, es gibt so eine Art Mordserie innerhalb des Kartells. Es scheint so, als würde sich der geheimnisvolle und noch völlig unbekannte Mörder allmählich immer höher morden. Dabei hinterlässt er Hinweise darauf, dass Ihr sein eigentliches Ziel seid.“

König Feisal hatte jegliche Lust verloren, es weiter mit seinen Gespielinnen zu treiben. Er schickte sie mit einer herrischen Handbewegung weg.

Sie gehorchten stumm. Wie er es gewöhnt war.

König Feisal verzichtete darauf, sich anzuziehen. Er ließ sich schwer in einen der Sessel fallen.

Prolem Zumal ließ sich unaufgefordert ihm gegenüber nieder.

Er beugte seinen dürren Körper nach vorn, was sein Gesicht nur noch mehr an einen Geier erinnern ließ.

„Wünscht Ihr eine Liste der bisherigen Opfer zu sehen?“

„Nein, verzichte!“, murrte Feisal verstimmt. „Aber wie soll dieser Mörder hier hereinkommen, in den Palast? Es ist das am schwersten bewachte Gebäude auf dem ganzen Planeten.“

„Das weiß niemand, aber immerhin müssen wir die Möglichkeit in Betracht ziehen. Wir haben ja noch nicht einmal die geringste Ahnung davon, wie der Mörder überhaupt aussieht und wieso er überhaupt so vorgeht. Er mordet anscheinend ganz gezielt, und jedes seiner Opfer wurde vor seinem Tod gefoltert. Offenbar wollte der Mörder dadurch mehr über die genauen Strukturen Eurer Macht erfahren.“

„Er mordet sich also immer näher an mich heran?“, vergewisserte sich der König.

„Ja, Eure Majestät. Alles spricht dafür.“

„Dann wird er wohl über sein nächstes Opfer versuchen, hier einzudringen? Es kommt also nur jemand infrage, der hier ein und aus gehen kann? Vielleicht um von diesem zu erfahren, wie man es anstellt?“

„Das wäre durchaus möglich, Eure Majestät!“

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Großmutter Schira hatte im Alter nicht nur ihre Kampfkraft verloren, sondern damit auch ihre Wehrfähigkeit. Hätte sie nicht unter dem besonderen Schutz des Königs gestanden, wäre sie möglicherweise schon länger nicht mehr am Leben gewesen, denn im Laufe der Zeit war sie natürlich einigen Leuten auch innerhalb des Kartells in die Quere gekommen. Aus diesem Grund wohnte sie nicht irgendwo in der weitläufigen Hauptstadt von Alpha Epsilon, sondern natürlich direkt im Herrscherpalast.

Die Wachen kannten sie zur Genüge. Und sie wussten um ihre grausigen Gelüste. Also fiel es ihnen nicht sonderlich auf, als sie an einem der Nebeneingänge mit dem kleinen Jungen an der Hand auftauchte.

„Oh, der Palast!“, freute sich der kleine Erik. Seine Augen strahlten förmlich.

Die scheinbar gütige Oma lächelte milde.

„Ja, mein kleiner Erik. Das ist der Palast des Herrschers. Ich stehe nämlich unter seinem besonderen Schutz und darf ebenfalls hier wohnen. So wie er.“

„Bist du denn die Großmutter des Königs?“