Die Raumflotte von Axarabor #27: Die Falle auf Iridano

Axarabor, Volume 27

Wilfried A. Hary

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Die Falle auf Iridano

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About the Publisher

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Die Falle auf Iridano

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 27

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 69 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Vor Jahrtausenden haben sich hier Siedler ohne erkennbaren Grund gegenseitig umgebracht. Keiner hat überlebt. Und jetzt ist die Crew der Psychonauten hier ansässig. Bis jetzt ist noch nichts geschehen. Bis heute...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /Cover 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Es war eine ziemlich illustre Gesellschaft, bestehend aus sieben Wesen:

Ein Cyborg, nur noch knapp zur Hälfte so etwas wie ein Mensch, eine noch jung erscheinende, ziemlich archaisch wirkende Frau in einem viel zu knappen Lederkostüm, ein Schuppenmann, der mehr an eine Echse als an einen Menschen erinnerte, eine lebende Mumie – jedenfalls sah er so aus -, ein schmächtiges, zerbrechlich wirkendes Männlein, ein Muskelprotz wie er im Buche stand und nicht zuletzt eine atemberaubende Schönheit. So schön, dass sie nicht nur Menschen gefiel.

Und einer hatte das Wort, während er sich in der Runde aufmerksam umschaute – der Echsenmann:

„Auch Grüni hat gewisse Bedürfnisse, wie wir wissen. Diese sollten wir nicht ignorieren. Und ihr wisst selber, welche Bedürfnisse es sind bei einem Schimmelpilz. Er ist unser Kamerad, also müssen wir für ihn sorgen, weil wir für ihn verantwortlich sind. Es ist eine Kameradschaft auf Gegenseitigkeit: Er hilft uns, also werden wir auch ihm helfen.“

„Und in welcher Weise?“, erkundigte sich Kanot Borglin, der Cyborg, der nur noch knapp zur Hälfte ein lebendes Wesen mit menschlicher Gestalt war.

„Na, wie wohl?“, meinte Derwinia Tuamor anzüglich. Sie war einmal mit Kanot Borglin verheiratet gewesen, aber aus Liebe wurde schließlich Hass. Nur weil es schon rund hundert Jahre her war und Kanot Borglin inzwischen begriffen hatte, dass sich die schöne Derwinia inzwischen tatsächlich zum Guten gebessert hatte, bestand dieser Hass nicht mehr.

„Richtig!“, hielt Phillis von den Sternen ihr bei, was nicht so oft vorkam. Sie zupfte an ihrem viel zu knappen Lederkostüm. „Und Xirr wird wohl wissen, wovon er spricht. Weil Grüni von seinem Heimatplaneten Kssorr stammt.“

Sie sah sich beifallheischend um.

Xirr Prromman, der Echsenmensch, nickte dazu.

„Und ich weiß auch schon, wie wir Grüni helfen können: Es gibt tief im Süden ein riesiges Sumpfgebiet. Groß wie ein mittlerer Kontinent. Ich war schon öfter dort, weil mich dieses Gebiet sehr an meine Heimatwelt erinnert. Wir müssen unser Raumschiff dorthin bringen.“

„Du warst schon öfter dort?“, wunderte sich jetzt Forsan Kumir, der überaus muskulöse Schönling. Nach Meinung von Phillis von den Sternen eindeutig homosexuell veranlagt, weil er noch niemals Anstalten gemacht hatte, sie zu erobern. „Wie denn?“

„Überwiegend mit dem Beiboot, wenn ihr alle anderweitig euch beschäftigt habt. Leider nie mit dem Raumschiff, was mir Grüni hoffentlich nachsieht. Aber auch ein paarmal hat mich unser Teleporter Baldyr hin teleportiert.“

Er deutete auf Baldyr Sholan, der eher aussah wie eine Mumie als ein Mensch.

Baldyr wand sich unbehaglich.

„Ja, ich habe es gewagt, mehr als einmal sogar, aber ehrlich, ich kann keinem von euch empfehlen, sich das vor Ort anzutun oder auch nur anzusehen. Höchstens mit Raumanzug. Ich sage dazu nämlich nur ein Wort: Stechmücken!“

„Moskitos?“, rief Phillis erschrocken.

„Ja, Moskitos, nicht Millionen und nicht Milliarden. Eigentlich noch viel mehr!“

„Ein Wunder, dass sie sogar Appetit haben auf dich“, meinte dazu Forsan Kumir.

„Was soll das denn wieder heißen?“, regte sich Baldyr prompt auf. „Kann ja nicht jeder so ein unerträglicher Schönling sein wie du.“

Forsan lachte nur, wie über einen Witz. Und entschuldigte sich sogar:

„Sorry, mein Freund, ich wollte dir wirklich nicht zu nahe treten. Ich meine ja nur, du siehst nicht gerade so aus, als könntest du die Biester überreichlich mit Blut versorgen.“

„Dann kannst du dir sicherlich vorstellen, was sie mit einem wie dir anstellen würden!“

Jetzt wurde Forsan Kumir schlagartig blass.

Xirr Prromman winkte beschwichtigend ab.

„Alles klar. Es kommt eigentlich nur einer in Frage, der das Raumschiff hinfliegen kann, und das bin ich allein. Ich fühle mich dort natürlich besonders wohl, wie ihr euch denken könnt, und Baldyr hat durchaus recht: Für jeden, der kein Echsenmensch ist, entpuppt sich diese Sumpflandschaft als grausame Falle. Ich wollte es nur deshalb zur Sprache bringen, weil ich euer Einverständnis erhoffe.“

„Nun, bist du nicht unser Boss?“, fragte Kanot Borglin.

„Ja und nein. Ich bin zwar euer Kommandant, aber eine solche Entscheidung kann und darf ich nicht allein fällen. Ich kann doch nicht einfach unser Raumschiff entführen, ohne das mit euch abzusprechen.“

„Also gut, Xirr, mein Einverständnis hast du auf jeden Fall.“

Jetzt hoben alle die Hand.

Xirr schaute in die Runde.

„Also alle einverstanden?“

Sie nickten nur.

Vor allem Solan Pronn sagte kein Wort dazu. Alles andere hätte sie auch sehr gewundert. Solan Pronn sagte so gut wie nie etwas. Der zerbrechlich wirkende Mann war nicht nur ein begabter Techniker, sondern vor allem ein überaus fähiger Suggestor.

Er hatte viele Jahre diese Fähigkeit vor aller Welt verstecken müssen, um nicht aufzufallen. Niemand sollte wissen, dass er ein Psioniker war. Weil bei ihm praktisch jedes Wort ein hypnotischer Befehl sein konnte, hatte er gelernt, lieber den Mund zu halten.

Zwar wirkten seine Fähigkeiten nicht auf seine psionischen Freunde hier im Kreis, aber er konnte seine alte Gewohnheit nicht so einfach ablegen und blieb nach wie vor äußerst wortkarg.

Es war jedenfalls beschlossene Sache. Xirr konnte zufrieden die Runde verlassen und an Bord gehen, um allein mit dem Raumschiff ohne Namen in die Sumpfregion zu fliegen.

Grüni, der leuchtende Schimmelpilz, der an Bord wirklich jede Decke und jede Wand bedeckte, außer einer einzigen Wand in der Zentrale, dort, wo die Kontrollen sich befanden... Er würde sich über diesen Ausflug sehr freuen. Der Aufenthalt in der geliebten Umgebung würde ihn für einige Zeit von Grund auf erfrischen.

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Das Adakoni-Kartell bestand aus einhundert Syndikaten, die nicht nur einhundert Planeten terrorisierten, auf denen sie sich stationiert hatten, sondern auch den gesamten Weltraum im Umkreis von vielen Lichtjahren. Zum Beispiel als Piraten.

Nicht nur deshalb war das Adakoni-Kartell der Raumflotte von Axarabor ein lebender Dorn im Auge. Ständig bemühte sich die Flotte, jene hundert Zentralwelten der Syndikate ausfindig zu machen, um sie vom Terror zu befreien. Bislang vergeblich.

Nur einmal, in einer beispiellosen Aktion, hatten sie herausgefunden, wo sich Welten des Adakoni-Kartells befanden. Alle diese Welten waren befreit worden, immerhin die Hälfte des gesamten Kartells der Syndikate. Aus vorher nämlich zweihundert Welten waren somit eben einhundert geworden.

Der bislang größte Sieg über das Adakoni-Kartell.

Alles Dinge, an die der oberste Führer des Kartells, derjenige, dem sogar die mächtigen Syndikatsbosse Tribut zollten, während er geheimnisvoll und unangreifbar erschien, in diesem Augenblick denken musste.

Großmogul Tscholu Fandamino, wie sich dieser geheimnisvolle Führer nannte, hatte von seinen Informanten schon vor längerer Zeit erfahren, dass es Welten gab ganz besonderer Art. Axarabor hatte diese Welten zu verbotenen Welten erklärt. Aus gutem Grund, wie gemunkelt wurde.

Ein paar wenige dieser Welten erschienen dem Großmogul jedoch interessant genug, dass er beschloss, sich einmal näher damit zu beschäftigen. Natürlich mit der gebotenen Vorsicht.

Überhaupt war er ein äußerst vorsichtiger Geselle. Sonst hätte er sich in der Führung des Kartells nicht so lange halten können. Immerhin einhundert Syndikatsbosse, von denen jeder einzelne überhaupt nicht gewöhnt war, allein nur auf Gegenrede zu stoßen, geschweige denn, dass auch nur einer von ihnen gewillt war, jemanden über sich anzuerkennen.

Mit der einzigen Ausnahme eben namens Großmogul Tscholu Fandamino, von dem niemand so genau wusste, wie er überhaupt aussah, geschweige denn, wie man an ihn herankommen könnte. Als wäre er nicht nur unangreifbar, sondern würde sich verändern können wie ein sprichwörtliches Chamäleon.

Fandamino selbst wusste natürlich, warum das so war. Er litt unter einer äußerst ausgeprägten Paranoia, die ihn ständig zu extrem überhöhter Vorsicht zwang. In seinem speziellen Fall sicherlich ein Glück und kein Fehler. Die meiste Zeit trat er nicht persönlich in Erscheinung, sondern schickte einen seiner zahlreichen Doppelgänger.

Logisch, dass niemand sagen konnte, wie er in Wirklichkeit aussah, denn er wählte seine Doppelgänger nur nach ihren Eigenschaften aus, niemals nach ihrem Aussehen. Deshalb ähnelte kaum einer dem anderen, und am wenigsten ähnelten sie ihm. Obwohl sie seine Rolle spielen sollten, sobald es darauf ankam.

Einige seiner Doppelgänger waren im Laufe der Zeit bereits regelrecht verschlissen worden. Genauer: Man hatte sie umgebracht. Also zwar das einerseits ein äußerst begehrter Job, weil hoch dotiert, andererseits allerdings auch so etwas wie eine tödliche Falle für jeden, der ihn übernahm.

Auch daran musste er jetzt denken, während er sich unterwegs befand zu einer jener rätselhaften Welten, die sein Interesse geweckt hatten.