Die Raumflotte von Axarabor #28: Planet der Ausbeuter

Wilfried A. Hary

Published by Uksak Sonder-Edition, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Planet der Ausbeuter

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About the Publisher

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Planet der Ausbeuter

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 28

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 69 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Gorgon war eine Welt wie sie friedlicher gar nicht mehr sein könnte. Bis das Syndikat kam und ausgerechnet diese Welt zu einer Hölle machte, in der die einheimische Spezies der Gorgonen vor allem eines tun müssen: Leiden bis in den Tod! Sie sind zu friedfertig, um sich zu wehren. Doch sie sind nicht allein...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Ein kleiner Mensch?“, wunderte sich der Gorgone.

Erik wirkte wie ein Fünfjähriger. Er hatte strahlend blaue Augen, einen lockigen Blondschopf und wirkte gerade so, als müsste man ihn unbedingt beschützen.

Jetzt lächelte er gewinnend. Dabei belauschte er allerdings die Gedanken des Gorgonen und wusste von daher, dass ein solches Lächeln überhaupt keine Wirkung auf diesen hatte. Also stellte er es wieder ein.

„Ja, ein kleiner Mensch. Schon richtig erkannt!“, pflichtete er dem Gorgonen bei.

Er betrachtete ihn von Kopf bis Fuß, die unförmige Gestalt, groß wie ein Mensch, aber absolut fremdartig wirkend. Der Gorgone war fleckig gelb, völlig haarlos, hatte große Augen ohne Brauen, anstelle einer Nase zwei Luftlöcher, einen eigentlich viel zu großen Mund, der bis zu den Ohren gereicht hätte, ja, hätte es überhaupt Ohren gegeben. Wenn man genau hinsah, erkannte man kleine Löcher, die sich öffnen und schließen konnten. Darüber hörten die Gorgonen.

Erik wusste es nur deshalb, weil er eben heimlich die Gedanken belauschte. Nur die oberflächlichen. Eigentlich konnte er bis in die tiefsten Tiefen der Erinnerungen vordringen, aber an den Gorgonen war etwas, was ihn bisher davon abgehalten hatte. Obwohl er sich bereits seit drei Wochen auf dem Planeten Gorgon befand.

„Ihr seid alle nackt!“, stellte Erik jetzt überflüssigerweise fest.

Der Gorgone lachte.

„Natürlich sind wir das, denn unsere Körper sind die Kleidung!“

Erik wusste außerdem auch noch, dass kein Mensch solche gorgonischen Aussagen verstand. Nicht nur, dass niemand die Gorgonen auch nur im Geringsten ernst nahm. Die Menschen hier auf Gorgon taten den Einheimischen sogar schlimme Dinge an.

Die Gorgonen waren selbst absolut friedfertig, um nicht zu sagen gemütlich. Erik kannte sie als ausgesprochen fröhlich. Es sei denn, ein Mensch war in ihrer Nähe.

Aus den Gedanken von Menschen wusste er, dass man mit den Gorgonen etliche Experimente angestellt hatte. Immer zu Ungunsten der Gorgonen natürlich.

Überhaupt hatten die Menschen diese Welt hier Gorgon genannt und ihre Ureinwohner Gorgonen. Sie selbst hatten nämlich weder für ihre Welt noch für ihre Art einen Namen. Weil auch kein einzelner Gorgone namentlich benannt wurde.

Eine mehr als seltsame Welt, wenngleich friedlich – hätte es hier keine Menschen gegeben.

Als die Menschen hierhergekommen waren, hatte es weltweit nur ein paar Millionen Gorgonen gegeben, weit verteilt. Inzwischen war ihre Zahl auf weniger als eine Million geschrumpft.

Erik taten die Gorgonen unendlich leid, doch das hätte er ihnen niemals gezeigt. Sie brauchten kein Mitleid. Was sie brauchten, das war tätige Hilfe. Aber wie sollte er ihnen überhaupt helfen können? Ein Gorgone würde niemals eine Waffe auch nur anfassen geschweige denn benutzen.

Die Menschen hier hatten sie deshalb Gorgonen genannt, weil sie anfangs der Meinung gewesen waren, diese Wesen würden sich von Steinen ernähren. Angeblich hatte es in fernster Vergangenheit einmal einen Mythos gegeben von Steinfressern, die anscheinend so ähnlich aussahen wie hier die Ureinwohner. Wovon sich die Gorgonen tatsächlich ernährten, hatte niemand herausbekommen, und die Gorgonen schwiegen sich darüber aus.

Erik hätte es erfahren können. Ganz leicht. Indem er einfach in ihrer Erinnerung gewühlt hätte. Und wieso brachte er das nicht fertig? Nur weil sie ihm leid taten?

Nein, es musste etwas anderes sein. Erik wusste nur nicht was. Die Gorgonen jedenfalls waren für alle Menschen ein bleibendes Rätsel, sogar für ihn, Erik. Trotz seiner Möglichkeiten, die er eben nur nicht gegen sie einsetzen konnte.

Er dachte an die Formulierung zurück, ihre Körper wären ihre Kleidung. Diese unförmigen, geschlechtslosen Gestalten? Es gab weder eine Öffnung für flüssige Ausscheidungen noch eine Öffnung für feste Ausscheidungen. Weil sie überhaupt keine Ausscheidungen hatten? Aber jedwedes lebendes Wesen hatte das.

Nur die Gorgonen nicht!

„Du kleiner Mensch, was willst du?“

„Du hast anscheinend keine Erfahrung mit kleinen Menschen, wie?“

„Ich habe kleine Menschen bisher nur aus der Ferne gesehen. Wir dürfen uns ihnen nicht nähern. Es scheint, als würden sich die Menschen irgendwie fortpflanzen. Sagt man nicht so? Wenn dann die Frucht aus dem Leib kriecht des Weibchens, ist sie noch ziemlich klein und hilflos. Sie braucht viel Zuwendung, bis sie auch nur so groß wird wie du jetzt bist.“

„Das siehst du schon richtig“, gab Erik ihm recht.

„Aber wieso hast du die Menschenstadt verlassen und kamst hierher, in die Enklave?“

„Weil dies hier eben eine Enklave ist, und ich finde das schrecklich.“

„Aber was ist denn daran schrecklich? Die Menschen haben sie uns überlassen. Das war doch ein anständiger Zug von ihnen.“

„Anständiger Zug?“, entrüstete sich Erik und hatte Mühe, sich wieder zu beruhigen. „Die Menschen haben euch den ganzen Planeten weggenommen, spielen sich hier als die Herren auf, machen euch zu Sklaven und teilweise sogar zu Spielzeug bis in den Tod, völlig ohne die geringste Rücksicht. Ja, selbst wenn es einen von euch das Leben kostet.“

„Das ist schon in Ordnung“, behauptete der Gorgone gutmütig. „Früher haben sie sehr viele von uns einfach so umgebracht. Heute ist es nicht mehr so schlimm.“

„Und das nennst du in Ordnung?“

„Nun, viele wurden früher so lange gequält, bis sie tot waren. Die Menschen nannten das dann Experimente. Sie wollten unser Geheimnis ergründen. Jetzt tun sie das nicht mehr.“

„Euer Geheimnis ergründen? Ohne Erfolg jedenfalls!“ Erik nickte heftig. „Das ist der einzige Sieg, den ihr jemals errungen habt: Ihr habt euer Geheimnis bewahrt. Und das ist in Ordnung?“, wiederholte er.

„Selbstverständlich ist es das, kleiner Mensch. Irgendwie bist du völlig anders als die anderen Menschen. Kommt mir das nur so vor, weil ich noch niemals Gelegenheit hatte, mit einem kleinen Menschen zu sprechen?“

„Du weiß allerdings schon, warum das so ist? Warum kein Gorgone jemals mit einem kleinen Menschen gesprochen hat? Übrigens nennt man solche kleine Menschen Kinder.“

„Nein, ich weiß es nicht.“

„Dann lass es mich dir sagen: Weil sie den Kindern einreden, ihr würdet sie fressen!“

„Aber wir fressen doch niemanden!“

„Natürlich nicht, aber die Menschen reden ihren Kindern das so ein, und selbst wenn diese Kinder irgendwann erwachsen sind, hassen sie euch. Es würde auf dieser Welt überhaupt kein Gorgone mehr existieren, würdet ihr nicht als nützlich gelten. Zwar sehr eingeschränkt nützlich, aber immerhin hat es eure Art erhalten.“

„Du redest gerade so, als würdest du die Menschen nicht leiden können“, stellte der Gorgone ungerührt fest.

„Nicht leiden können? Die Menschen? Das ist richtig und falsch zugleich. Ich habe nämlich nichts gegen Menschen, aber nur so lange sie sich auch wie Menschen zu benehmen wissen.“

„Aber sie benehmen sich doch wie Menschen!“, widersprach der Gorgone lahm.

Erik lachte humorlos, obwohl der Gorgone das nicht einschätzen konnte. Seine Art kannte nur lockere Fröhlichkeit oder die totale, gutmütige Zurückhaltung. Dieses Gespräch, das er gerade mit einem der ihren führte, war in dieser Ausführlichkeit wahrscheinlich das erste seiner Art seit Menschen vor Jahrzehnten überhaupt hier gelandet waren.

„Wie kannst du das wissen? Du kennst ja nur diejenigen von Gorgon. Aber es wird dich vielleicht überraschen, dass es außer dieser Welt hier noch viele, viele andere gibt. Ich weiß, ein Gorgone kann sich das nicht vorstellen, weil ihr nur zweidimensional denkt. Ihr haltet eure Welt für das ganze Universum und versteht nicht, woher die Menschen überhaupt kommen konnten. Ich sage es dir trotzdem: Von anderen Welten eben. Und dort gibt es solche Menschen, wie ihr sie kennt, aber es gibt auch völlig andere Menschen, überwiegend sogar.“

„Die so sind wie... du?“

„Oh, jetzt wird es sogar noch komplizierter für dich, tut mir leid: Sie sind auch nicht wie ich. Sie sind das, was man als normal bezeichnen könnte. Und sie würden euch das niemals antun, was die Menschen hier euch antun.“

„Das verstehe ich nicht“, gab der Gorgone tatsächlich zu.

„Ich weiß. Nicht weil du dumm bist, sondern weil es nicht in euer Weltbild passt. Aber vielleicht bin ich nur deshalb hierhergekommen, um genau dieses Weltbild zu korrigieren?“

„Korrigieren? Aber wieso?“