Die Raumflotte von Axarabor #29: Verrat auf Montross

Bernd Teuber

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Verrat auf Montross

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Verrat auf Montross

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 29

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

In einer spektakulären Aktion befreit der Rote Orden den Mörder Cyrus Crane aus einem Hochsicherheitsgefängnis. Als Gegenleistung soll der Verbrecher die Staatskasse von Montross stehlen. Doch Crane hat eigene Pläne ...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Im ersten Licht der Dämmerung erinnerte das Gefängnis auf dem Planeten Dacorish in grotesker Weise an eine Handvoll Blöcke, die eine Kinderhand wahllos auf dem Wüstenboden ausgestreut hatte. Während der ersten Bauphase war es nur ein großer, ungeschlachter Würfel aus Metall gewesen, dessen Mauern von massiv vergitterten Türen und Fenstern durchbrochen wurden. Je höher die Zahl der Insassen stieg, desto mehr Würfel hatte man hinzugefügt.

Da sie sich beträchtlich in Höhe und Größe unterschieden, hätte ein Mann bei dem Versuch, die flachen Dächer zu überqueren, sehr wendig sein müssen. Ständig befand sich ein schwerbewaffneter Robotwächter auf jedem einzelnen Dach. Noch mehr Wächter hielten sich auf den äußeren Treppen und in den inneren Gängen auf. Das Gefängnis war als das härteste und ausbruchsicherste des ganzen Quadranten bekannt. Zu Recht. Die Gitter waren mit einer speziellen Legierung versehen, die dem leistungsstärksten Blasterbeschuss widerstand.

Auf den Mauerkronen und Wachtürmen befanden sich schwere Geschütze, die jeden Ausbrecher gnadenlos unter Feuer nahmen. Jeder Zellentrakt wurde mit hochauflösenden wärmeempfindlichen Kameras überwacht. Alles funktionierte vollautomatisch.

Die Gefangenen waren die einzigen humanoiden Lebensformen in diesem Gefängnis. Das Personal bestand aus Robotern. Sie waren für die Bewachung und die Versorgung der Gefangenen verantwortlich.

Die Mauern, zwei Meter breit und mehr, konnten die Wucht einer Thermorit-Bombe absorbieren, ohne einen Zentimeter nachzugeben. Durch all die Jahre war die Sicherheit des Gefängnisses nie angetastet, geschweige denn bedroht worden, und vielleicht waren die Verantwortlichen deshalb etwas zu sorglos. Sorglosigkeit hätte hier böse ins Auge gehen können, denn das Gefängnis beherbergte die ungezähmtesten Verbrecher, die ein ungezähmtes Universum hervorgebracht hatte.

Aber der Übelste von ihnen war nicht mehr als ein ungezogenes Kind im Vergleich zu Cyrus Crane, den man in der stärksten Zelle im obersten Stockwerk eingesperrt hatte. Dreiundzwanzig unendlich lange Monate hatte er dort wie ein wildes Tier gewütet, während die Behörden über sein weiteres Schicksal debattierten. Es ging das Gerücht, an dem vieles stimmte, dass sich die Gesetzesvertreter fürchteten, das Todesurteil über ihn zu verhängen, das er sich so sehr verdient hatte.

Während der Himmel in rosigen Farben aufflammte und die Sonne hinter dem Horizont versank, näherten sich zwei Landspeeder mit rasender Geschwindigkeit. Wenige Meter vor dem Gefängnistor stoppten die Fahrzeuge. Das Seitenfenster des ersten Speeders wurde heruntergelassen. Als die beiden Robotwächter die schwarze Kapuze mit den Augenschlitzen sahen, hoben sie sofort ihre Waffen.

Eine Gestalt mit einem Blaster riss die Tür auf, sprang aus dem Speeder und feuerte im selben Moment, wie einer der Roboter. Die Energiestrahlen des Wächters schnitten den maskierten Mann förmlich in zwei Teile. Aber er hatte keine Gelegenheit mehr, das Ergebnis seiner Treffsicherheit zu sehen. Aus dem zweiten Speeder sprang ein weiterer Maskierter. Er zielte kurz und drückte ab. Mehrere Blasterschüsse trafen den Roboter und rissen ihn zu Boden. Dunkler Rauch stieg aus der Maschine empor.

Der Maskierte griff in den Speeder und holte eine Thermorit-Bombe heraus. Sofort warf er sie dem zweiten Roboter genau vor die Füße. Eine gigantische Explosion verwandelte die Maschine in einen rauchenden Metallklumpen. Neben dem Eingangstor öffneten sich zwei Luken. Die Läufe von zwei Schnellfeuerwaffen kamen zum Vorschein. Energieblitze zuckten. Der Kopf des Maskierten verwandelte sich in eine formlose, blutige Masse. Er hielt seinen Blaster noch ein oder zwei Sekunden hoch, ließ ihn dann fast sanft auf den Boden fallen, torkelte wie betrunken und stürzte. Seine Hände waren auf der Brust gefaltet, als läge er bereits im Sarg.

„Wir sind erledigt!“, rief der Fahrer des ersten Speeders.

In wenigen Sekunden würden sie eine ganze Roboterarmee vor sich haben. Schon jetzt gab es keine Möglichkeit für einen Rückzug. Wenn sie den Schutz des Speeders verließen, würden sie sofort unter Dauerfeuer genommen.

„Nur die Ruhe!“, entgegnete zweite Fahrer über Sprechfunk. „Es läuft alles wie geplant.“

In der Ferne tauchte eine Staubwolke auf. Mit rasender Geschwindigkeit kam ein dritter Landspeeder auf die zu. Sofort traten die beiden Schnellfeuerwaffen wieder in Aktion. Der Speeder flog unaufhörlich weiter. Kurz bevor er gegen das Gefängnistor krachte, wurde eine Tür aufgestoßen und ein weiterer Maskierter sprang heraus. Dann erfolgte der Aufprall. Eine gewaltige Explosion schüttelte alles mit Staub und Trümmern zu.

Der Fahrer war zu spät gesprungen. Er wurde von der Druckwelle erfasst und auseinandergerissen. Der Speeder krachte durch das gesprengte Gefängnistor. Dann wurde es still, absolut still nach diesem ohrenbetäubenden Knall. Eine große Wolke aus schwarzem und weißem Rauch hing wie ein Atompilz über dem Platz. Der Speeder hatte sich in winzige Einzelteile aufgelöst. Das große Gefängnistor war nahezu pulverisiert worden. Auch die beiden kleinen dahinterliegenden Tore bildeten kein Hindernis mehr. Weit offen lag der Weg vor den vier maskierten Gestalten, die aus den Speedern heraussprangen und in das Gefängnis hineinrannten.

Im selben Moment schwenkten die Geschütze auf den Mauern herum. Ihre Mündungen richteten sich auf die Eindringlinge. Die Männer hoben ihre Blaster und feuerten. Eine Stichflamme schoss in den mittlerweile dunklen Himmel empor, als das erste Geschütz explodierte. Mehrere Energiestrahlen zuckten aus der Mündung des Zweiten. Aber die Schüsse verfehlten ihr Ziel. Die Maskierten wichen aus und erwiderten das Feuer. Das Geschütz explodierte in einer grellen Detonation. Dunkler Qualm stieg empor.

„Los, vorwärts!“

Die Stimme des Anführers dröhnte über den Gefängnishof und trieb die anderen Männer an, ihm zu folgen. Weit von rechts blitzten Energiestrahlen auf.

„Das gilt uns“, sagte einer der Eindringlinge.

„Witzbold“, erwiderte sein Nebenmann.

In geduckter Haltung liefen sie über den Hof, direkt auf das Hauptgebäude zu. Die Energiestrahlen zischten über sie hinweg, stoben in die Dunkelheit, wo sie fern erloschen. Die Maskierten verteilten sich. Einige suchten Schutz in schmalen Nischen, andere benutzten das Hauptgebäude als Deckung. Überall zuckten Energiestrahlen über den Hof, vereinigten sich, kreuzten sich und fanden ihre Ziele. Eine gewaltige Feuersäule schoss in die Höhe. Gleichzeitig ertönte die Detonation. Einer der Wachtürme glühte in phosphoreszierendem Licht auf und stand plötzlich in Flammen.

Auf dem Gefängnishof wurde es lebendig. Roboter liefen umher. Eine Sirene begann zu heulen. Eine Zweite fiel ein und mit einem Mal wurde die hereinbrechende Nacht von einem halben Dutzend Strahlenfingern zerrissen. Scheinwerfer fuhren suchend über den Himmel, erloschen und flammten wieder auf. Gleichzeitig zuckten Energiestrahlen. Eine Sekunde später schoss eine weitere Detonationssäule in den Himmel. Flammen geisterten empor. Ein weiterer Wachturm brannte.

Scheinwerfer suchten den Innenhof ab. Sie erfassten die Eindringlinge. Sofort begannen die herbeigeeilten Roboterwachen zu feuern. Mit Höchstfahrt kam ein kleiner Panzer herangerast. Auch er schoss aus allen Rohren. Energiestrahlen zischten über den Hof. Die Bahnen verflochten sich miteinander zu einem Gewirr blendender Streifen, die in der Dunkelheit erloschen oder in den Asphaltboden des Innenhofs drangen und tiefe Krater hinterließen.

Plötzlich ertönte ein neuer ohrenbetäubender Krach. Das Tor zum Hauptgebäude verwandelte sich durch eine Thermorit-Bombe in unzählige Einzelteile, die nach allen Seiten davonflogen. Nun hatte auch der letzte Wachroboter begriffen, dass jemand von außen in das Gefängnis eingedrungen war. Und vermutlich würde es auch nicht mehr lange dauern, bis ein Funkspruch den nächstgelegenen Militärstützpunkt erreichte, und dann wimmelte es hier von Kampfjägern.

Unablässig feuerten die Geschütze auf den Gefängnismauern ihre glühenden Todesschnüre aus ihren Mündungen. Einschläge rissen tiefe Löcher in den Asphalt. Gesteinsbrocken spritzten empor. Einer der Maskierten wurde getroffen und fiel blutüberströmt zu Boden. Doch seine Komplizen ließen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Sie hatten einen Auftrag, und den wollte sie unter allen Umständen erfüllen. In wildem Stakkato wühlten die Geschütze den Boden auf. Es sah so aus, als wollten sie den Eindringlingen den Weg versperren. Die Maskierten erwiderten das Feuer.

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In dem schwachen Dämmerlicht der Deckenbeleuchtung lag Cyrus Crane in seinem Bett auf dem Rücken und hatte seine mächtigen Hände über dem Bauch gefaltet. Seine Brust hob und senkte sich mit der Regelmäßigkeit eines Mannes, der fest schläft. Aber er war hellwach. Plötzlich vernahm er draußen vor dem Fenster das Donnern einer Explosion. Gleich darauf ertönte das unverkennbare Zischen von Strahlenwaffen.

Dann erfolgten zwei weitere Detonationen. Die Geräusche vermischten sich mit dem Scheppern von Metall. Stimmen wurden laut. Wieder ertönten Schüsse. Für einige Zeit wurde es still, dann glitt die Zellentür zur Seite. Zwei maskierte Gestalten traten ein.

„Los, mitkommen!“, befahl der Größere.

„Warum sollte ich?“, fragte Crane.

„Willst du frei sein, oder lieber hier drinnen verrecken?“

Langsam erhob sich der Mann vom Bett. Sein Gesicht verzog sich zu einem humorlosen Grinsen und seine dunklen, klaren Augen leuchteten auf. Er verließ seine Zelle und folgten den Maskierten zu einer breiten Treppe. Von unten erklang das Stampfen von Metallfüßen. Drei Robotwächter stürmten mit vorgehaltenen Waffen in ihr Gesichtsfeld. Sie liefen in die aufblitzenden Blaster der Maskierten und fielen zusammen.

Die Flüchtenden sprangen über die Metallklumpen hinweg und liefen zu einem langen Korridor. Ein halbes Dutzend Roboter war damit beschäftigt, ein großes vergittertes Tor zu schließen und elektronisch zu verriegeln, um die Flucht durch den Korridor zu verhindern. Energiestrahlen stoben den Wächtern entgegen. Sie stürzten zu Boden, ohne dass sie ihren Auftrag hätten vollenden können.

Die Flüchtenden schlüpften durch die kleine Öffnung, gelangten durch Flure und Türen auf den Gefängnishof. Crane sah mehr als ein Dutzend Roboterwachen auf dem Boden liegen. Dunkle Rauchsäulen stiegen aus ihren Metallkörpern. Der gesamte Gefängniskomplex war in gleißende Helligkeit getaucht. Geschütze spien ihre todbringenden Energiestrahlen aus. Drei Wachroboter erschienen auf der linken Seite. Sie kamen schnell näher.