Die Raumflotte von Axarabor #30: Der Verbrecher-Planet

Axarabor, Volume 30

Wilfried A. Hary and Marten Munsonius

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Der Verbrecher-Planet

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About the Publisher

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Der Verbrecher-Planet

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 30

von Wilfried A. Hary

Nach einer Idee von Marten Munsonius

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Niemand kann dem Auftragskiller mit dem Tarnnamen Kay Kane etwas nachweisen. Zumal er sozusagen im staatlichen Auftrag seine Morde begeht. Und dann wird er dennoch verurteilt zu einer Höchststrafe der ganz besonderen Art: Deportation nach NO MANS LAND, einem Planeten in kosmischer Nähe des Sterns Altar. Den alle, die davon wissen, als die eigentliche Hölle ansehen. Aber KK, wie ihn seine Auftraggeber nennen, hat nur mal wieder einen Auftrag: Exekution der Höllenfürstin höchstpersönlich!

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER 3000AD 123rf mit Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Kapitalverbrecher verloren jegliche Rechte, sogar das Recht auf ihren eigenen Namen. Man machte sie zur Nummer. Bis zum Ende des Strafvollzugs oder bis zu ihrem Tod. Mit einer Ausnahme: Deportation nach NO MANS LAND!

Kay Kane war das allerdings ziemlich egal. An seinen richtigen Namen konnte er sich nach all den Jahren sowieso nicht mehr erinnern. Und der Name, unter dem er verurteilt worden war, eben Kay Kane, hatte ihm in all diesen Jahren sowieso nur als Tarnname gedient.

Obwohl seine Auftraggeber ihn eigentlich niemals Kay Kane nannten, sondern immer nur abgekürzt KK.

Wobei er selber nie erfahren hatte, wer denn nun eigentlich seine Auftraggeber waren, die ihn zum erfolgreichsten und gefürchtetsten Auftragskiller des bekannten Universums gemacht hatten. Er kannte sie lediglich unter dem Decknamen GOLD-DUST-WOMAN.

Angeblich eine Art staatliches Geheimorgan, wenn man so wollte. Allerdings eins, von dem – ebenfalls angeblich – noch nicht einmal der Gewählte Hochadmiral von Axarabor etwas wusste.

Aber wieso hatte man ihn jetzt verurteilt zur mehr als fragwürdigen „Freiheit“ in der Hölle von NO MANS LAND?

Er wusste es und hatte es zu akzeptieren: Anders wäre er nicht dorthin gelangt, um seinen nächsten Auftrag zu erledigen.

Zwar war noch niemals zuvor jemandem die Flucht aus dieser Hölle gelungen. Das wurde jedenfalls behauptet. Allerdings hatte man ihm einen winzigen bioaktiven Sender im Nacken eingebaut, der gegen jeglichen Scanversuch gefeit war und ihm gewährleistete, nach Beendigung des Auftrags den Höllenplaneten wieder verlassen zu können.

Das hatte man ihm immerhin so erklärt: Das Aktivieren des Signals genügte. Einmal linken Daumen auf die Stelle drücken, eine Minute lang. Das war wichtig, damit sich das Signal nicht von selbst auslösen konnte. Man würde ihn finden und mit einer automatischen Sonde abholen.

Außerhalb des Sonnensystems wartete dann ein Raumschiff aus der Raumflotte von Axarabor, um ihn aufzunehmen. Das Raumschiff nahm jetzt schon dort Stellung, während er sich noch an Bord des Gefangenenraumers mit dem bezeichnenden Namen EXEKUTION befand, unterwegs zum Zielplaneten, dessen Koordinaten nicht öffentlich bekannt waren, zumal innerhalb des Sternenreichs von Axarabor sogar die Existenz von NO MANS LAND hartnäckig geleugnet wurde.

KK befand sich allein in seiner Einzelzelle. Ein völlig kahler Raum ohne erkennbare Tür, mit einer matt glühenden Decke, die permanentes Dämmerlicht abgab.

Der Boden war variabel. Wenn der Gefangene stand, fühlte er sich hart und warm an. Wenn der Gefangene sich nieder kauerte, wurde er an dieser Stelle weicher. Legte er sich flach hin, zum Beispiel zum Schlafen, verstärkte sich dieser Effekt noch.

Essen und Trinken bekam er rationiert über eine Wandklappe, die extra dafür jedes Mal aufs Neue entstand. Die eine Ecke war besonders gekennzeichnet. Er musste sich dort nieder kauern, um seine Notdurft zu verrichten.

Was außerhalb vor sich ging, entzog sich zu hundert Prozent seiner Kenntnis. Er musste einfach nur abwarten, bis sich das Gefängnis für ihn endlich wieder öffnete, ohne jeglichen Zeitbegriff allerdings.

Abwarten? Das fiel dem hoch aufgeschossenen hageren Mann mehr als schwer. Die innere Unruhe wurde mit jeder Minute, die verstrich, immer unerträglicher.

Nicht dass er unter ausgesprochener Klaustrophobie litt, denn die hätte ihn in dieser Situation wahrscheinlich längst umgebracht, aber die absolute Eintönigkeit und vor allem Zeitlosigkeit nagte gehörig an seiner Seele.

Obwohl ja behauptet wurde, er hätte gar keine. Immerhin als eiskalter Auftragskiller, der von sich behauptete, dass kein Mord ihm jemals etwas ausmachen konnte. Das sei für ihn nicht schlimmer als das Aufschlagen eines Frühstückseies.

KK war splitternackt. Bis auf die Bänder um die Fuß- und Handgelenke natürlich. Aus diesen Bändern entstanden bei Bedarf Fesselfelder, die jegliche Bewegung verhindern konnten. Oder aber die komplette Bewegungsfreiheit erlaubten, wie innerhalb dieser Zelle.

KK hatte sehr helle Haut, beinahe schneeweiß. Die markante Hakennase stand in einem krassen Widerspruch zu den irgendwie gutmütig wirkenden Augen, aber auch zu den struppigen, halblangen und beinahe pechschwarzen Haaren, die seine Hellhäutigkeit sogar noch unterstrichen.

Sein schmallippiger Mund bildete nur einen Strich, was ihm einen ziemlich verkniffenen Ausdruck verlieh. Und genauso fühlte er sich: Ziemlich verkniffen!

Wer außer ihm sich auf diesem Transport befand, hatte er genauso wenig herausfinden können wie die Identität der zweifelsohne vorhandenen Besatzung. Man hatte ihn blind hier herein geführt und sich selbst überlassen.

Derzeit wusste er noch nicht einmal, ob er sich überhaupt noch unterwegs befand. Es machte keinen Unterschied, ob er nun der künstlichen Schwerkraft an Bord ausgesetzt war oder der Schwerkraft eines Planeten.

War die  EXEKUTION etwa bereits gelandet? Ja, landete sie überhaupt? Wie sonst gelangte er letztlich auf den Planeten?

Er neigte zu der Ansicht, dass der Gefangenentransporter gar nicht auf NO MANS LAND landete, weil es dort überhaupt keinen Raumhafen gab. So jedenfalls sein Kenntnisstand. Obwohl er zugeben musste, nicht gerade viel über seine Zielwelt zu wissen. Alles, was zu seinem Auftrag gehörte, würde er erst noch vor Ort herausfinden müssen.

Ja, er wusste noch nicht einmal, was denn überhaupt neue Gefangene vor Ort erwartete. Sie wurden in eine trügerische Freiheit entlassen. Soviel jedenfalls stand fest. Eine echte Freiheit konnte es ja wohl nicht sein, da diese Art der Bestrafung zum Höchstmaß gehörte, neben der Deportation auf einen echten Strafplaneten, wie es sie offiziell ebenfalls gar nicht geben durfte, oder gar der Exekution. Einmal abgesehen von der Persönlichkeitslöschung, die allerdings nur freiwillig erfolgen durfte und deshalb so gut wie niemals erfolgte.

KK hatte noch nicht einmal ein Bild seiner Zielperson, geschweige denn deren Namen. Er wusste eigentlich nur eines: Sie war die wahre Höllenfürstin. Was der Teufel in der Hölle, das war sie auf diesem Höllenplaneten. Obwohl sie gleichzeitig als die schönste Frau aller Zeiten galt, nicht nur des bekannten Universums.

Irgendwie passte das eine nicht zum anderen. Überhaupt, eine solch abstruse Höchststrafe... Klar, das gab es ebenfalls offiziell nicht. Und was es offiziell nicht gab, das musste offiziell auch nicht erklärt werden. Zumal die meisten Prozesse in diesem Quadranten, bei denen Kapitalverbrecher abgeurteilt wurden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. Damit man offiziell erklären konnte, in diesem Teil des Imperium würde es schon lange gar keine Kapitalverbrechen mehr geben. Weil die Raumflotte von Axarabor einfach zu erfolgreich war, um Kapitalverbrechen überhaupt noch zuzulassen.

In Gedanken daran schüttelte er automatisch den Kopf.

Er, der Auftragskiller. Ausgerechnet im Auftrag der Obrigkeit. Ohne jemals zu wissen, wieso er eigentlich seine Opfer hinrichten sollte.

Nun sogar die Höllenfürstin höchstpersönlich. Mit Sicherheit hatte sie den Tod tausendfach verdient. Immerhin als Königin des größten menschlichen Abschaums, das es jemals auf einer einzelnen Welt gegeben haben sollte. Als ein Engel hätte sie diesen Job wohl nie bekommen. Aber wodurch war sie eigentlich bei der GOLD-DUST-WOMAN letzten Endes in Ungnade gefallen? Versah sie denn nicht als Höllenfürstin einen wichtigen Job? Damit das Chaos auf dieser Welt nicht so groß wurde, dass es niemand mehr überlebte?

Er hatte keine Ahnung. Noch nicht. Trotzdem würde er natürlich nicht zögern, seinen Auftrag durchzuführen. Wie er es von sich selber gewöhnt war. Obwohl dieser Auftrag ungewöhnlicher erschien als jeglicher vorangegangene Auftrag. Zumal er noch niemals solche Torturen im Vorfeld hatte über sich ergehen lassen müssen.

Er betrachtete die Metallbänder um seine Fußgelenke.

Irgendwie hatte er die Befürchtung, dass ihm diese niemals jemand wieder abnehmen wollte. Höchstens nach Erledigung des Auftrags und vor allem nach der darauf folgenden Flucht.

Falls man ihn nicht in Wirklichkeit hereinlegte und eine solche Flucht überhaupt nicht vorgesehen war, hieß das...

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Ein kaum merkliches Ruckeln ging durch die Zelle. Oder durch das ganze Schiff?

Wie das? Die Neutralisatoren sollten ja genau dieses zu hundert Prozent verhindern.

Vielleicht nahm er es ja auch nur deshalb überhaupt wahr, weil seine Sinne ganz besonders geschärft waren? Schließlich hätte er als gewöhnlicher Mann wohl kaum zum derzeit erfolgreichsten Auftragskiller zumindest im Raumquadranten PEX-29 werden können. Dort zumindest war er am bekanntesten. Für seine Taten, nicht für sein Aussehen. Das war auch jetzt noch ein bestgehütetes Geheimnis.

Zumal eben sein Prozess eigentlich nur eine Farce gewesen war – eine höchst inoffizielle Farce außerdem, um ihn hierher zu schicken.

Das Ruckeln ebbte ab.

Er glaubte zu begreifen: Wurde die Zelle irgendwie abgekoppelt vom Schiff? War sie nur angeflanscht gewesen und nicht Bestandteil des Innern?

Er wusste es nicht, konnte es halt nur ahnen.

Er setzte sich vorsichtshalber auf den Boden, der sich ihm sofort anpasste.

Seine Haltung versteifte sich dennoch. Er war eigentlich auf alles gefasst.

Es passierte allerdings... gar nichts. Zumindest nichts, was er hätte mitbekommen können. Eine ganze Weile lang.