Die Raumflotte von Axarabor #32: Das Geheimnis von Paradies II

Axarabor, Volume 32

Bernd Teuber

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Das Geheimnis von Paradies II

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Das Geheimnis von Paradies II

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 32

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Was geschah mit den Siedlern, die vor vierhundert Jahren von Axarabor aufbrachen, um auf einem Planeten im Delar-System eine neue Heimat zu finden? Auf der Suche nach Antworten gerät das Einsatzteam der STARFIRE in tödliche Gefahr ...

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de

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Der Angriff kam völlig überraschend.

Laut schreiend sprang die Kreatur aus der Dunkelheit hervor und zerschmetterte mit einer Metallstange den Schädel des am nächsten stehenden Menschen. Major Miguel Yacoban riss den Energiestrahler aus dem Holster und schoss. Das Wesen stieß einen dumpfen Laut aus und brach zusammen. Eine rosafarbene Flüssigkeit lief aus der Wunde.

„Er ist tot“, sagte Leutnant Oliver Branlo.

„Sie sind beide tot“, erwiderte Major Yacoban und deutete auf Leutnant Amon Tellar.

Dann wandte er sich der fremden Kreatur zu. Der gedungene Körper war etwa 1,50 Meter groß und hatte eine hellbraune, lederne Haut. Die Arme waren sehr schlank und endeten in Händen mit fünf dünnen Fingern. Der flache Kopf mit den großen dunklen Augen und dem breiten Mund ruhte dicht auf den Schultern. Das Wesen hatte einen sehr breiten Mund mit rasiermesserscharfen Zähnen. Die Kleidung bestand aus einem primitiven Lendenschurz.

Schweigend blickte die Besatzung der Landefähre auf die fremde Kreatur herab. Es war bereits das zweite Mal, dass sie während ihrer Erkundungsmission auf diese Lebewesen getroffen waren. Aber es waren keine Menschen. Und genau diese Tatsache beunruhigte Major Yacoban. Wo waren die Siedler?

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DIE ERSTEN MENSCHEN, die zu fernen Sternen flogen, unterlagen der Einsamkeit unendlicher Leere. Sie quälte die unausgesprochene, tief verborgene Befürchtung, dass ihre Mühen vergebens sein könnten. Jeder von ihnen begriff, dass ein Mensch, selbst wenn er mit Lichtgeschwindigkeit fliegen würde, niemals weiter, als bis zu den nächsten Sonnen gelänge. Flüge zu fernen Sternen schienen ein utopischer Traum zu sein. Die schwarzen Abgründe, für deren Überwindung selbst das Licht Millionen Jahre benötigte, versperrten ihnen den Weg.

Doch die Menschen setzten alles daran, um diese Abgründe zu überwinden. Allmählich verschwanden die weißen Flecke auf den Sternenkarten. Kühne Astronauten unternahmen lange, mühselige und gefahrvolle Forschungsreisen in zerbrechlichen Schiffen. Aber der Weltraum war und blieb riesengroß und voller Geheimnisse. Um sie zu ergründen, genügte nicht einmal ein Menschenleben. Mancher, der eine solche Reise ins Unbekannte wagte, kehrte nicht zurück.

Erst durch die Entwicklung des Überlichtantriebs wurden die Entfernungen kleiner. Nun zeigte es sich, dass der Mensch mit der Erringung der Herrschaft über den Raum das, was Jahrhunderte für ihn unerschütterlich festzustehen schien, in Bewegung gebracht hatte: Die Zeit. Die Entfernungen zwischen den Planeten schrumpften immer mehr zusammen, der Zeitbegriff geriet ins Wanken.

Die Entwicklung des überlichtschnellen Reisen veränderte das Empfinden für Zeit und Entfernungen erneut radikal.

Seither legten die Siedlerschiffe immer weitere Entfernungen zurück – zu Welten, die noch nie zuvor das Auge eines Menschen entdeckt hatte. Doch die Gesetze des Kosmos und die gnadenlose Unerbittlichkeit des Alls wurden unzähligen Schiffen zum Verhängnis. Viele Expeditionen, die unter dem Jubel der Massen begonnen hatten, wurden zu einer Reise ohne Wiederkehr. Einige der Schiffe tauchten Jahrhunderte später wieder in der Nähe Axarabors oder eines anderen Planeten auf. Andere blieben verschwunden.

Der Forscherdrang der Menschheit bildete die Grundlage für unzählige Expansionswellen. Siedlerschiffe brachten die Pioniere zwecks Gründung neuer Kolonien auf Planeten, die zuvor von Sonden untersucht worden waren. Sehr schnell wurde aus dem Menschen ein interstellares Lebewesen. Er breitete sich zwischen den Sternen aus und füllte das schwarze Vakuum mit seinen Schiffen.

Doch manchmal wurden sogar jene Expeditionen, die sehr gut vorbereitet waren, vor Probleme gestellt, auf die sie keine Antwort wussten. Beim heutigen Stand der Erforschung und Besiedlung fremder Welten kann auch ein weit entfernter Außenposten auf die Hilfe und Unterstützung der Regierung des gewählten Hochadmirals von Axarabor zählen.

Die Siedler in früheren Zeiten besaßen diese Möglichkeit nicht. Allzu oft gerieten sie, beflügelt vom Entdeckerdrang, soweit außerhalb der befahrenen Routen in Schwierigkeiten, dass nicht einmal mehr irgendeine Form von Verbindung bestand. Viele kehrten nie zurück. Möglicherweise fristen einige dieser Siedler ihr Dasein auf weit entfernten und unbekannten Welten.

Ziel der STARFIRE war das Delar-System. Vor mehr als vierhundert Jahren startete ein Schiff von Axarabor, um dreihundert Siedler hierher zu bringen. Der Kontakt riss bereits vor der Ankunft ab. Zudem waren die Aufzeichnungen in den Archiven nur noch bruchstückhaft erhalten geblieben, sodass nie einwandfrei geklärt werden konnte, auf welchem Planeten die Siedler landen sollten. Drei kugelförmige Gebilde umkreisten die Sonne.

„Eine nette Auswahl“, bemerkte Commander Gavon Overdic, während er auf den Panoramabildschirm in der Kommandozentrale blickte. „Welchen fliegen wir an?“

„Welcher käme für menschliches Leben infrage?“, erwiderte Captain Simon Hackett.

„Wir müssen erst noch die Auswertung abwarten. Der Erste ist wahrscheinlich zu heiß, der Dritte möglicherweise zu kalt.“

„Also bleibt nur der mittlere Planet“, murmelte Hackett und betrachtete immer noch den Bildschirm. „Trotzdem sollten wir allen Planeten einen Besuch abstatten. Nur um sicher zu gehen. Der Innere liegt genau in unserer Bahn.“

„In Ordnung. Dann werden wir dort eine genaue Analyse durchführen.“

Mit halber Geschwindigkeit näherte sich die STARFIRE dem Planeten. Er hatte einen Durchmesser von 57,807 Millionen Kilometern und kreiste in einer elliptischen Bahn, die dicht an der Sonnenoberfläche vorbeiführte. In den Archiven von Axarabor trug er die Bezeichnung „Paradies I“ Seine Oberfläche schimmerte bräunlich. Die Atmosphäre enthielt nur etwa drei Prozent Sauerstoff, also viel zu wenig für die verwöhnten Lungen von Menschenarten wie denen von Axarabor. Der Rest bestand aus Wasserstoff, Stickstoff, Kohlensäure und anderen Gasen. Für den Aufbau einer Kolonie war dieser Planet somit vollkommen ungeeignet.

Natürlich bestand die Möglichkeit, dass die Atmosphäre vor vierhundert Jahren eine andere Zusammensetzung besaß und die Siedler sich im Laufe der Verwandlung ebenfalls umstellten. Die Gravitation betrug weniger als ein g – also durchaus geeignet für Menschen. Trotzdem konnten die ursprünglichen Siedler den Planeten nur mit Atemmaske betreten.

„Sollen wir ein Team hinunterschicken?“, fragte Overdic.

Der Captain zögerte. Hatte es Sinn, auf einer Welt zu landen, die nicht für Menschen geschaffen war? Sollte man nicht gleich zum mittleren Planeten fliegen, der bessere Lebensbedingungen versprach?

„Wir gehen in eine Umlaufbahn und nehmen eine Abtastung vor“, entschied Hackett. „Vielleicht finden wir etwas Interessantes.“

Die braune Welt kam näher und füllte schließlich den gesamten Bildschirm aus. Spitze Felsen ragten empor, und gewaltige Schluchten durchzogen Plateaus, deren Ende kaum abzusehen war. Einst musste es auf diesem Planeten Wasser gegeben haben. Die Flüsse hatten tiefe Canyons in die Felsplatten gegraben. Von irgendwelchen Behausungen intelligenter Lebewesen war keine Spur zu entdecken. Die STARFIRE umrundete den Planeten einmal, doch das Bild der Landschaft veränderte sich kaum.

Gewaltige Schluchten durchzogen das braune Felsgestein. Überhaupt schien die ganze Welt nur aus einer einzigen Hochebene zu bestehen, in die Wasser und sonstige Witterungseinflüsse tiefe Täler gegraben hatten, um das sonst eintönige Aussehen dieses Planeten ein wenig zu mildern. In den Felswänden befanden sich vereinzelte schwarze Öffnungen. Doch diese Höhlen waren auf natürliche Art entstanden. Dafür sprach ihre unregelmäßige Anordnung. Als Nächstes wandte man sich dem äußeren Planeten zu. „Paradies III“ wies eine dichte Kohlendioxyd-Atmosphäre und eine Oberflächentemperatur von minus 500 Grad Celsius auf.

Nur der mittlere Planet bot offenbar die nötigen Voraussetzungen für eine Besiedlung. Er befand sich in einer sogenannten habitablen Zone, also jenem Parameterbereich, in dem ein Himmelskörper sehr wahrscheinlich Leben hervorbringen konnte. Während die STARFIRE auf „Paradies II“ zuflog, erschien auf dem Panoramabildschirm plötzlich ein ungewöhnliches Phänomen. Das Raumschiff wurde von einem seltsamen roten Licht umgeben.

„Was ist das?“, fragte Overdic verblüfft.

„Kosmischer Staub“, vermutete Hackett.

An den Außenwänden der STARFIRE flimmerte ein blasses, zitterndes Leuchten, das in Streifen zerflatterte und weit hinter dem Heck erlosch. Das Schiff raste, von einer Wolke gespensterhafter Lichterblitze umgeben, dahin. Bald darauf war die STARFIRE wieder im leeren Raum.

„Wir werden noch einmal hindurchfliegen und eine genaue Analyse vornehmen“, entschied Hackett.

Die STARFIRE hob den Bug und verringerte die Geschwindigkeit so stark, dass sie auf der Stelle zu schweben schien. Wie gewöhnlich rief dieses Manöver den Eindruck hervor, das die unbewegten Gestirne kreisten und sich drehten. Die STARFIRE tauchte erneut in die Wolke des unsichtbaren Gases. Als das Raumschiff langsam weiterflog, flammte es nicht auf, aber sobald die Geschwindigkeit eintausend Kilometer in der Sekunde erreichte, begannen die ionisierten Atome infolge der Reibung an der Außenseite zu glühen. Von Neuem leckten blasse Lichtzungen am Schiffsrumpf entlang.

Hackett wandte sich an den Mann am Ortungsbildschirm. „Gibt es schon ein Ergebnis?“

„Ja“, antwortete Leutnant Chris Barrows. „Die Analyse hat ergeben, dass es sich um molekularen Sauerstoff handelt.“

„Und woher stammt er?“, wollte Overdic wissen.

„Die Computerauswertung besagt, dass wir wahrscheinlich in den Schweif von etwas geraten sind. Vielleicht eines Kometen? Den Berechnungen zufolge bildet der Gasstreifen eine Bogenlinie.“

„Dann werden wir ihr folgen“, entschied Hackett.

Die STARFIRE beschleunigte wieder. Wenige Minuten später meldete Barrows, dass die Instrumente in einer Entfernung von achtzehn Millionen Kilometern ein Objekt registriert hätten.

„Legen Sie das Bild auf den Hauptschirm.“

„Ja, Captain.“

Hackett und Overdic richteten ihre Aufmerksamkeit auf den Panoramabildschirm. Dort war der Komet als schwach leuchtender Punkt zu erkennen.

„Durchmesser?“, fragte der Captain.

„Einen Kilometer.

„Kein sehr großer Brocken“, meinte Overdic. „Aber wieso zieht er eine Spur molekularen Sauerstoff hinter sich her? In so einer Reinheit....“

„Stellen Sie fest, welche Zusammensetzung der Komet hat“, befahl Hackett.

Sekunden später kam die Antwort des Ortungsoffiziers. „Der angebliche Himmelskörper ist kein Komet, sondern ein Raumschiff.“

„Ein Raumschiff?“

„Das erklärt vielleicht den Sauerstoff“, sagte Overdic. „Vielleicht hat es ein Leck.“

„Können Sie feststellen, ob es in den Datenbanken registriert ist?“, wollte der Captain wissen.

Barrows ließ seine Finger über die Tastatur gleiten. Sekunden später kam die Antwort. „Das Schiff ist vollkommen unbekannt. Die Scanner empfangen keine Partikelsignatur. Der Antrieb ist ausgeschaltet.“

„Führen Sie eine Infrarotabtastung durch“, befahl Hackett.