Die Raumflotte von Axarabor #33: Jungfernflug in das Grauen

Axarabor, Volume 33

Stefan Hensch

Published by Alfred Bekker, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Jungfernflug in das Grauen

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About the Publisher

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Jungfernflug in das Grauen

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 33

von Stefan Hensch

Der Umfang dieses Buchs entspricht 71 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Die NAKAMURA, ein Schlachtschiff der Yamato-Klasse, steht kurz vor ihrem Jungfernflug. Vorher jedoch müssen Schiff und Besatzung eine letzte Feuerprobe bestehen. Doch die Realität ist härter und grausamer als jede Übung! 

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER 3000AD 123rf Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Wayland System, Planet Nilosa in der Nähe des Raumhafens

Die Bar Blackpearl war wie an jedem Ende einer Arbeitswoche voll und weiterhin hatte sich vor dem Eingang eine nicht gerade kurze Menschentraube gebildet. Auch heute würde nicht jeder eingelassen werden.

Cole Walsh war das egal, denn er saß auf seinem Stammplatz an der Bar. Vor ihm stand ein vollsynthetisierter Whiskey in einem voluminösen Glas, hinter ihm tobten sich die anderen Mitglieder der Alpha Group auf der Tanzfläche aus. Die Musik war hier in der Nähe der Bar deutlich leiser als sonst wo im Club. Musik interessierte Walsh nicht, denn er war nur aus zwei Gründen hier. Grund Nummer eins stand vor dem Lieutenant auf dem Tresen, Grund Nummer zwei ließ noch auf sich warten.

In diesem Moment drängte sich ein breitschultriger Gast auf den freien Barhocker neben Walsh.

„Abschiedsdrink?“

Cole Walsh drehte den Kopf und sah Kolja Fomin, seinem Sergeant und besten Freund, ins grinsende Gesicht.

„Wer weiß, ob wir dort draußen je wieder so guten Whiskey bekommen?“

Walsh setzte das Glas an seinen Mund und leerte es in einem Zug.

Fomin nickte und klopfte dem Offizier auf die Schulter. „Wir sehen uns später, ich will mich erst noch was bewegen!“

Walsh blieb allein auf seinem Platz an der Bar sitzen und signalisierte dem Barkeeper, dass er Nachschub wollte.

Der durchtrainierte junge Mann nickte und gleichzeitig schoss die Zunge der tätowierten Schlange auf dessen Hals heraus. Walsh schüttelte unmerklich den Kopf. Mit diesen animierten Tattoos konnte er sich einfach nicht anfreunden.

Da spürte er einen kurzen Luftzug und ein extrem süßliches Parfüm stieg ihm in die Nase.

Als Walsh den Kopf drehte, sah er die Quelle des Geruchs. Der Platz neben ihm war von einer schlanken Blondine in der Ausgehuniform der Flotte von Axarabor besetzt worden. Am Kragenspiegel erkannte er, dass es sich bei der Frau ebenfalls um einen Lieutenant handelte. An der gut gefüllten Bluse unter der Uniformjacke und dem definitiv nicht uninteressierten Lächeln erkannte er, dass sich vielleicht auch der zweite Grund seines Besuchs im Blackpearl vielleicht soeben eingestellt hatte.

Der Barkeeper brachte seinen Whiskey und stellte ihn vor Walsh ab.

„Bringen sie mir auch so einen!“

Der Barkeeper nickte und Walsh war vom angenehm dunklen Timbre ihrer Stimme überrascht.

„Auf die Flotte!“, sagte Walsh und prostete ihr zu.

Die Offizierin lächelte und schob sich eine Strähne ihres weißblonden Haares hinter ihr Ohr.

„Sie sind beim selben Arbeitgeber?“

Walsh grinste und streckte seine Hand aus. „Lieutenant Cole Walsh von der NAKAMURA.“

Sie griff zu und erwiderte den Händedruck. „Tracy Chadwick, John Young.“ 

Der Barkeeper brachte den Drink und beide erhoben sie die Gläser zum Anstoßen.

„Ich habe gehört, morgen findet die letzte Gefechtsübung der NAKAMURA statt?“

Cole schluckte den Whiskey herunter, den er im Mund gekostet hatte. „Danach geht es schnurstracks zum Krieg im Citoyen System. Ich denke, wir werden Azaroth angreifen.“

Tracy sah ihn mit ihren hellgrünen Augen durchdringend an.

„Was machst du auf der NAKAMURA?“

„Mich langweilen und auf Landurlaub hoffen!“

Walsh lachte. „Ich kommandiere das Alpha Team der Raumlandeinfanterie.“

Der Blick von Tracy weitete sich für Sekundenbruchteile ankerkennend. „Ein Ledernacken also“, kommentierte sie und zwinkerte ihm verheißungsvoll zu.

„Und was macht Miss Chadwick auf der John Young?“

Ein siegessicheres Grinsen erschien auf dem Gesicht der Blondine. „Och nichts Besonderes, ich bin nur Pilotin!“

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Die Musik von der Tanzfläche der Blackpearl war in deren Keller nur noch als fernes Wummern zu hören. Das war auch völlig egal, denn hier unten ging es den Anwesenden um etwas völlig anderes als um Musik, tanzen oder gute Laune. Hier ging es um Leben, Tod und sehr viel Geld!

Der verdreckte Keller war vollbesetzt. Menschen drängelten sich um die zwei Personen, die auf zwei Stühlen unter einer primitiven Lampe platzgenommen hatten. Zwischen den Männern stand ein abgenutzter Holztisch auf dem nur zwei Gegenstände lagen. Zwei altmodische Trommelrevolver!

Die Menschen die sich in der Dunkelheit um die zwei Männer an dem Tisch versammelt hatten, waren sensationslüstern. Allein der Eintritt in den Keller kostete eine stolze Summe. Wer aber hierher kam, wollte noch mehr Geld ausgeben und im Idealfall auch gewinnen. Deshalb lief ein Buchmacher durch die Menge und nahm Geld an, während die Besucher lautstark ihre Wetten platzierten. Wetten! Um nichts anderes ging es hier. Menschen hatten schon immer gewettet: Poker, Aktienmarkt, Sportereignisse. Doch seit Menschen Gedenken gab es eine Sache, die durch nichts getoppt werden konnte. Die Wette auf Leben und Tod!

Kolja Fomin saß auf einem der Stühle an dem Holztisch, während ein ihm Unbekannter an der anderen Seite des Tischs platzgenommen hatte.

Für Fomin hatte diese Sache aber nichts mit Geld zu tun. Er hatte genug Geld, und machte sich auch nichts daraus. Anstelle dessen war es ein Ritual für ihn. Er machte es schon jahrelang, bevor er in einen neuen Einsatz ging. Wenn er irgendwann nicht mehr für das Ritual bereit war, dann würde er seinen Dienst in der Raumflotte quittieren. Denn dieses Ritual war genau wie sein Job. Wenn er plötzlich Angst vor dem Tod bekam, dann war es an der Zeit aufzuhören.

Im Keller wurde eine Druckluftfanfare betätigt. Das Tröten war das Zeichen dafür, dass nun keine Wetten mehr angenommen wurden.

Kolja sah zu seinem Gegenüber. Der Mann war jünger als er. Der Kerl schwitzte sehr stark und atmete stoßweise.

„Dein erstes Mal?“, sagte Kolja.

Der Fremde nickte. „Hoffentlich nicht auch mein Letztes!“

Dann ertönte die Fanfare zum zweiten Mal. Das Spiel hatte begonnen!

Fast gleichzeitig nahmen sich die beiden Männer die bereitgelegten Revolver und setzten die Trommeln geräuschvoll in Gang. Der Fremde starrte den Revolver panisch an. Kolja setzte sich den Lauf der Waffe an die rechte Schläfe und betätigte den Abzug.

Klick!

Dann legte der Sergeant den Revolver wieder auf den Tisch und betrachtete seinen Mitspieler. Wie das Kaninchen die Schlange starrte der Jüngere den Revolver an. Kolja Fomin erkannte das Problem. Der andere war nicht bereit zu sterben, sondern wollte gewinnen.

Sekunden vergingen, das Publikum wurde lauter. Dann endlich setzte der Mann die Waffe an seine Schläfe und drückte ab.

Klick!

Schluchzend vor Freude nahm er die Waffe herunter und legte sie ebenfalls wieder auf den Tisch.

Erneut lief der Buchmacher durch die versammelte Meute und kassierte Geld. Menschen schrien frenetisch ihre Tipps.

Dann ertönte wieder die Fanfare. Dieses Mal griff nur Fomin zur Waffe und setzte sie ohne Rotation der Kammer an seine Schläfe. Die Regeln waren einfach und immer gleich. Einmal Rotation der Kammer, dreimal Abzug betätigen. Jede Runde wurde somit gefährlicher – aber auch lukrativer.

Kolja legte den Finger auf den Stecher und zog durch. Klick!

Gelassen legte er den Revolver wieder auf den Tisch.

Sein Gegenüber setzte die Waffe an die Schläfe. Ihre Blicke trafen sich. Tränen verschleierten den Blick des anderen. Kolja hatte wenig Mitgefühl. Niemand musste sich auf ein Risiko einlassen, dass er nicht eingehen wollte.

Der Mitspieler atmete immer hektischer und Kolja wusste, dass er diese Art zu atmen nicht mehr lange aushalten würde. In Kürze würde er hyperventilieren, oder ganz zusammenklappen und dann gnade ihm Gott, denn der Veranstalter würde keine Nachsicht zeigen!

Der Schuss bellte auf und der Kopf des Mitspielers ruckte nach links, als das Projektil einschlug. Dann sackte der Oberkörper des Mannes auf dem Tisch zusammen und Blut trat aus der Wunde an der Schläfe aus, tropfte auf den Boden.

„Wollen sie ihr Geld oder verdoppeln sie die Summe?“

Zwei Männer schafften die Leiche des Mitspielers weg. Fomin nickte, nahm den Revolver und setzte ihn sich zum dritten Mal an die Schläfe.

Klick!

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Schon nach relativ kurzer Zeit hatte sich die Blackpearl als ungeeignete Lokation erweisen. Anstelle dessen hatten Walsh und Tracey sich für seine Wohnung entschieden, denn die befand sich in direkter Nähe der Bar.

Doch wie sich herausstellte, war der Weg in den zweiten Stock des eigens für die Offiziere der NAKAMURA angemieteten Gebäudes fast noch zu weit.

Voller Leidenschaft riss die Pilotin Walsh zu sich heran und presste ihre Lippen auf seinen Mund. Gleichzeitig lehnte sie ihren Rücken an die Wand des Treppenhauses und schlang ihr linkes Bein um seinen Rücken, presste ihren Unterleib an seine Lenden.

Walsh schmeckte ihre begierige Zunge und erwiderte den Kuss, zog Tracey dabei näher an sich. Dabei glaubte er ihre Wirbelsäule leicht knacken zu hören, was aber durch ein lustvolles Stöhnen goutiert wurde.

Dann hatten sie es aber doch noch in die Wohnung von Walsh geschafft. Doch kaum hatte er die Tür hinter sich zu gestoßen, nestelte Tracy mit einem teuflischen Grinsen an seinem Gürtel herum und zog seine Hose herunter.