Die Raumflotte von Axarabor #35: Tödlicher Schlaf

Axarabor, Volume 35

Bernd Teuber

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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Tödlicher Schlaf

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Tödlicher Schlaf

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Die Raumflotte von Axarabor -  Band 35

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Mehrere Besatzungsmitglieder der STARFIRE fallen ohne ersichtlichen Grund in einen komatösen Zustand. Was ist der Auslöser? Gab es einen Strahlenunfall oder wurden die Betroffenen vergiftet?

Für die Ärzte beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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postmaster@alfredbekker.de

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Ein bizarrer Anblick bot sich der Besatzung der Landefähre, während sie sich dem Raumschiff näherten, das antriebslos im Weltall schwebte. Ein stummer Zeuge einer längst vergangenen Zeit. In den letzten Wochen hatte keine Peilstation im Theta-Sektor ungewöhnliche Flugbewegungen registriert. Abgesehen von einigen Passagierschiffen und Transportern gab es keinen nennenswerten Betrieb.

Doch plötzlich tauchte auf den Ortungsschirmen ein Schiff auf. Die Peilstationen sandten ein Routine-Checksignal, bekamen jedoch keine Antwort. Sämtliche automatischen und bemannten Stationen wurden alarmiert. Es gehörte durchaus zur Routine, denn es war nicht ungewöhnlich, dass Frachtschiffe trotz hoher Geldstrafen unangemeldet von den äußeren Welten eintrafen. Raumschiffe dieser Größenordnung gehörten jedoch meistens zu den wichtigsten Transportfirmen und verstießen nur selten gegen diese Vorschriften. Trotzdem war die Angelegenheit mysteriös.

Die Regierung des gewählten Hochadmirals von Axarabor beauftragte Captain Simon Hackett, sich mit der STARFIRE dem fremden Schiff zu nähern und herauszufinden, weshalb niemand auf die Funksprüche reagierte. Nach einem Flug von sechshundertsiebzig Lichtjahren beendete die STARFIRE ihren Überlichtflug. Die konturlosen Schatten des Überlichtfluges, verschwanden vom Panoramabildschirm. Stattdessen wurden auf der Fläche Milliarden verschiedenfarbiger Sterne erkennbar.

Die STARFIRE, ausgerüstet mit den modernsten Triebwerken axaraborischer Wissenschaft und den besten Waffen der Gegenwart, verringerte die Geschwindigkeit. Im Theta-Sektor wurde der Raumflug problematisch. Selbst einfache Lichtgeschwindigkeit im Bereich des Normaluniversums brachte Gefahren mit sich, die nur noch von exakt arbeitenden Computern gesteuert werden konnten. Überlichtflüge waren nur auf kurze Distanz möglich.

Flammende Gasnebel, physikalisch seltsame Erscheinungen und zahlreiche Planeten mit extremen Umlaufbahnen behinderten den Flug noch zusätzlich. Eine Reise durch den Theta-Sektor wurde grundsätzlich zu einem Hindurchwinden ohne Aussichten auf weitreichende Distanzüberbrückungen. Doch die Besatzung war daran gewöhnt. Man flog in erster Linie nach einem System, das auf Erfahrungswerten basierte. Nirgendwo sahen sich die Sterne so ähnlich wie in diesem Sektor. Nirgendwo waren ihre physikalischen Eigenschaften so artverwandt. Irrtümer in der Ortsbestimmung gehörten zum Alltag.

Doch dann führte ein findiger Wissenschaftler namens Kadavo Weex das Weex-Verfahren ein. Bei dieser Methode wurden die Positionen nach Flugzeit, zurückgelegter Wahrscheinlichkeitsentfernung und annähernd berechenbaren Abdriftungen durch kosmische Magnetstürme und anderweitige Energiegattungen ermittelt. Alle Werte waren und blieben jedoch Weex-Werte. Unter den Besatzungen der Schiffe, die in den Theta-Sektor vordringen mussten, sagte man schlicht „Viel-Glück-Verfahren“.

Funkfeuer, sogar solche auf hyperenergetischer Überlagerungsbasis, waren hier unzuverlässig. Es hatte sich als wenig zweckmäßig erwiesen, auf Planeten mit kosmischen Positionen Peilsender zu installieren, nach deren Impulsen man sich normalerweise exakt richten konnte. Die Hyperwellen wurden durch Überlagerungen und Zerreinflüsse so gestört, dass ein Kreuzpeilverfahren nicht mehr anwendbar war.

Die letzte Möglichkeit bot sich mit der Weex-Peilung. Auch sie hatte ihre Tücken, aber man konnte wenigstens einigermaßen genau sagen, wo man sich gerade befand. Die unbekannten Faktoren, die sich aus den energetischen Wechselfeldern zwischen den Sternen und den damit verbundenen Geschwindigkeitsdifferenzen und Abdriften ergaben, beschäftigten einige Computer während der gesamten Reise. Es war und blieb ein Hindurchschlängeln.

Auf dem Panoramabildschirm der STARFIRE erschien ein silberfarbenes Gebilde von der Größe eines Langstreckenfrachters. Die Abtastung ergab, dass es sich um die ARGOSYS handelte, ein Schiff, das vor mehr als zweihundert Jahren von Axarabor gestartet war, um für die einhundertzwanzig an Bord befindlichen Siedler eine neue Heimat zwischen den Sternen zu finden. Nur das Fragment einer filmischen Berichterstattung war aus den alten Tagen erhalten geblieben.

Die Aufnahmen zeigten die Konstruktion und den Start des Schiffes. Aber seltsamerweise enthielten sie keine Informationen über das Ziel der Siedler. So etwas war nicht ungewöhnlich. In den Archiven von Axarabor gaben es viele lückenhafte Daten über die alten Tage der Kolonisierung des Weltraums. Weshalb die Informationen verloren gegangen waren, ließ sich nicht mehr so eindeutig feststellen. In einigen Fällen spielte vermutlich menschliches Unvermögen eine Rolle, manchmal war der Verlust aber auch auf schadhafte Datenträger zurückzuführen. Ein Heer von Informatikern versuchte, die Lücken zu schließen, doch sehr oft blieb ihre Arbeit ergebnislos.

Dem Film-Fragment zufolge war die ARGOSYS das letzte Schiff, das in der Orbital-Werft von Tasuma von der Firma „Omega Enterprises“ gebaut wurde. „Omega Enterprises“ war eine Tochtergesellschaft von „Consolidated Skymaster“, einem Konzern, der sich auf den verschiedensten Gebieten – Erzabbau, Elektronik, Handel mit Rohprotein, Unterhaltungsindustrie – betätigte. Vor allem der Handel war seinerzeit der Anlass für den Erwerb des in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Herstellers „Omega Enterprises“

„Consolidated Skymaster“ unterhielt eine Reihe von Handelsposten im näheren Umfeld von Axarabor und beabsichtigte, weitere auf entfernt gelegenen Planeten zu gründen. Um diese Handelsposten mit Rohstoffen zu beliefern, benötigte man Siedler für die Herstellung. Deshalb war es nur logisch, das sich der Aufsichtsrat entschloss, die Raumschiffe, mit denen die Männer und Frauen auf diese entfernten Welten gebracht werden sollten, in eigener Verantwortung zu bauen. Auf diese Weise hofften sie, eine engere Bindung zwischen den Siedlern und der Firma herstellen zu können.

Zudem mussten die Kolonisten für den Transport kein Geld bezahlen. Die entstandenen Kosten wurden ihnen später von ihren Prozenten am Verkauf der Handelsgüter abgezogen. Auf diese Weise konnten sich auch ärmere Leute eine Kabine auf den Schiffen leisten. Und das Konzept schien aufzugehen. Fast zehn Jahre brachten die Schiffe von „Omega Enterprises“ die Kolonisten zu fernen Welten und bauten dort Handelsstützpunkte auf. Der Andrang war enorm. Es gab Wartelisten von bis zu zehn Monaten. Viele Männer und Frauen hofften, auf den neuen Planeten reich zu werden, andere trieb die Abenteuerlust. Manch einer war aber auch auf der Suche nach Freiheit.

Die ARGOSYS stellte die Krönung dieser Entwicklung dar. Sie erreichte mehr als einfache Lichtgeschwindigkeit. Nachdem das Beladen mit Ausrüstung und Proviant abgeschlossen war, nahmen die Siedler und die Besatzung Abschied von ihren Angehörigen und bestiegen die Zubringer-Fähren. Der Countdown lief ab und das riesige Raumschiff entfernte sich langsam in den Hyperraum. Dutzende von kleinen Kreuzern wirbelten um den Flugkörper der ARGOSYS. Sie wollten alle das Ereignis, diesen Triumph der Raumfahrttechnik, gebührend würdigen.

Innerhalb weniger Minuten schrumpfte das Schiff zu einem winzigen Lichtpunkt. Ihre mächtigen Triebwerke katapultierten sie auf Reisegeschwindigkeit. Dann war sie verschwunden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die ARGOSYS erreichte niemals ihr Ziel. „Omega Enterprises“ startete umfangreiche Suchmaßnahmen, jedoch ohne Erfolg. Es gelang den Experten nicht, das Schicksal der ARGOSYS zu klären.

Natürlich gab es etliche Vermutungen. Einige waren davon überzeugt, dass das Schiff von Piraten geentert und anschließend vernichtet wurde. Andere hielten einen Triebwerksschaden für wahrscheinlicher. Diese Katastrophe wirkte sich nachhaltig auf „Omega Enterprises“ aus. Die Passagierzahlen gingen rasch zurück und die Aktien sackten ins Bodenlose. Hinzu kamen Schadensersatzforderungen der Hinterbliebenen. Ein Jahr nach dem Verschwinden der ARGOSYS musste die Firma Konkurs anmelden.

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Captain Hackett ließ eine Landefähre startklar machen. Das Einsatzteam Alpha unter dem Kommando von Major Miguel Yacoban sollte sich an Bord der ARGOSYS begeben und feststellen, was mit dem Schiff passiert war. Außer ihm befanden sich noch der Pilot Josh Cully und die Leutnants Benda, Asgar und Reynolds in der Fähre. Von der Kommandozentrale kam der Startbefehl. Die Hangarschleuse öffnete sich und das kleine Schiff flog in den Weltraum hinaus. Bei der Konstruktion hatte man keine Zugeständnisse an das Äußere gemacht. Die Landefähren operierten hauptsächlich außerhalb der Atmosphäre und konnten deshalb auf einen aerodynamischen Schnitt verzichten. Man beschränkte sich auf ein Gerüst, dem je nach Bedarf die benötigten Teile angepasst wurden.

Die ARGOSYS nahm rasch an Größe zu, als würde sie aufgeblasen – eine für den leeren Raum typische Täuschung. Der Pilot verlangsamte den Flug und umkreiste das unförmige Gebilde. Die Bordwand glitt an der Fähre vorbei. Man konnte ganz deutlich die Verdickungen an den Nahtstellen der einzelnen Platten erkennen. Das, was von Weitem wie ein dunkler Fleck ausgesehen hatte, erwies sich als eine große Öffnung in der Hülle, die zweifellos durch den Einschlag eines Meteors entstanden war.

Geschickt steuerte der Pilot die Fähre neben das Schiff. Magnettrossen verankerten sie an der Hülle. Die Männer hatten sich in der Schleuse versammelt. Jeder trug einen Schutzanzug. Die Helme waren geschlossen. Die Anzüge besaßen Schwerkraftgeneratoren zur Erzeugung künstlicher Gravitation. Zudem verfügte jeder Mann über ein Jetpack, mit dem der Träger in der Lage war, sich fliegend vorwärts zu bewegen.

Über Helmfunk gab Major Yacoban den Befehl zum Ausstieg. Da es nirgendwo einen offenen Hangar gab, wollte er durch das Loch in die ARGOSYS eindringen. Über dem Schott leuchtete eine rote Lampe auf. Die Schleusenwand glitt zur Seite. Nacheinander schalteten die Männer ihre Jetpacks ein, schwebten hinaus in den Weltraum, näherten sich der Öffnung und flogen hinein. Die Wände in der Nähe des Lochs waren stark beschädigt, die Stahlbleche der Hülle zerfetzt, die Verstrebungsrippen verbogen, gerissen und zusammengedreht. Der Einschlag des Meteors musste ziemlich heftig gewesen sein.