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Konrad Carisi

Die Raumflotte von Axarabor #60: Das Syndikat der Weißen Königin

Das Syndikat der Weißen Königin

Die Raumflotte von Axarabor - Band 60

von Konrad Carisi


Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.


Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Eigentlich klang es nach einem einfachen Auftrag. Ich, Kartek Tezal, sollte nur eine Ladung Waffen zu einer Welt bringen, die von Verbrechern beherrscht wird. Deren Aufstand, ist nicht meiner. Ich sollte sogar bezahlt werden dafür, mich dort noch ein wenig umzusehen. Wenn es doch so leicht ginge…



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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

„Du sagtest, du hättest ein Problem, bei dem ich dir helfen müsse. Es ginge um Leben und Tod. Hier bin ich“, sage ich, lehne mich in der halbrunden Sitzgelegenheit zurück und mustere die Frau vor mir. Wir sitzen an einem kleinen Tisch in einer Bar etwas abseits von den anderen Piloten. Die Bar ist gerammelt voll. Mehrere Schiffsmannschaften feiern, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Die Frau vor mir ist eine weißblonde unoptimierte Menschenfrau, also eine Angehörige eines Menschenschlags, den man überall im Sternenreich von Axarabor antrifft. Sie mustert mich.

„Kartek Tezal“, murmelt sie meinen Namen. „Ich dachte, du bist aus der Raumflotte ausgestiegen, weil du all das nicht mehr willst.“

„Ich habe nie gesagt, dass ich keine Aufregung mehr will“, erwidere ich ausweichend. „Komm schon, Sophitia, du willst etwas. Du hast es echt dringend gemacht. Ich musste mit der ASHOKA direkt herkommen. Also bitte, was ist?“

Ich mache eine offene Geste mit meinen Händen. Sophitias Blick mustert auch diese, da sie offenkundig von den ihren abweichen. Sie sind blau wie meine Haut und feingliedriger als die Finger anderer Menschenarten. Ich bin ein Belkarianer und nicht nur größer als ein Axarabor-Mensch, sondern habe auch irislose Augen – jedenfalls für sie sieht es so aus.

„Ich will dich anheuern. Du sollst ein guter Schmuggler sein.“ Sie beugt sich ein wenig lasziv vor. Sie hat ein silbernes Oberteil an, das ihren Bauch freilässt und einen tiefen Ausschnitt hat. Ihre dunkle Hose ist staubbedeckt, was auf dieser schwülheißen, sandigen Kugel von einem Planeten kein Wunder ist. Ihre schulterlangen Haare fallen ihr ins Gesicht, während sie spricht.

„Wenn ich bekannt bin, mache ich meinen Job nicht gut“, erwidere ich. „Wer hat dir gesagt, ich täte so was?“

„Kolopai.“

„Hmm“, brumme ich. Für den habe ich eine ganze Weile gearbeitet. Er ist kein schlechter Händler, nur ohne jedes Gewissen. Damit muss man zurechtkommen. Allerdings bin ich dann abberufen worden. „Also?“

„Sagt dir die Weiße Königin was?“

„Ist ein Syndikat, oder? Herrscht von Trento bis nach Pelo II. Manche sagen, der Königsmord auf Antari ist die Entscheidung von den Leuten des Syndikats gewesen“, sage ich wahrheitsgemäß, was ich weiß.

„Ich will, dass du Waffen für uns nach Gunis schaffst.“

„Wer ist ‚uns‘? Was ist Gunis?“ Ich lehne mich zurück.

„Na ja, du weißt, es gab diverse Besiedlungsmissionen von der Zentralwelt Axarabor aus.“

„Sicher, ein Ergebnis dieser unzufriedenen Kolonisten sitzt vor dir“, sage ich, hebe beiläufig meine blaue, feingliedrige Hand und spreize die Finger. „Gunis ist auch so eine Welt?“

„Eine, von der die Raumflotte noch nichts weiß. Seit einiger Zeit schicken sie Schiffe, um solche Welten zu finden, zu denen der Kontakt abbrach, um die alten Kolonisten ausfindig zu machen und mit ihnen Kontakt aufzubauen. So etwas.“

„Habe ich von gehört“, gestehe ich. Tatsächlich bin ich selber im Rahmen einer solchen Mission wieder Mitglied der Streitkräfte geworden. Ich sitze hier als Agent der Raumflotte von Axarabor, nicht nur als Schmuggler.

Allerdings muss sie das nicht wissen.

„Machst du es?“

„Wieso sollte ich?“

„Nun, die Kolonisten werden vom Syndikat bekämpft und du wirst gut bezahlt. Zudem tust du etwas Gutes, sie werden frei sein.“

Ich schmunzle. Natürlich weiß ich jetzt schon, dass ich den Job annehmen werde. Die Raumflotte von Axarabor will offiziell nicht gegen das Syndikat der Weißen Königin vorgehen. Inoffiziell aber wird diese Waffenlieferung natürlich dem Widerstand helfen und die Flotte kann dann gegebenenfalls später eingreifen und den Rebellen anbieten, reguläres Mitglied des Reiches zu werden.

„Ich meine die Bezahlung, Sophitia.“

Sie lächelt und beugt sich etwas vor, um eine Zahl zu flüstern – eine obszön hohe Zahl.

Ich lächle und nicke. „Gut. Wo bekomme ich die Ware?“

Im Hintergrund der Bar, in der wir sitzen, beginnt eine Reihe Piloten einen Shanty zu Singen. „Verlass sie, verlass sie rechtzeitig“, grölt der Refrain. Ich kenne das Lied, es ist populär in diesem Quadranten. Es geht, glaube ich, um ein Frachtschiff, auf dem man nur einmal anheuert wegen des Geldes und dann sein Leben verbringt und nie wieder einen Planeten betritt. Ich ignoriere es geflissentlich. Dieser Job ist was anderes.

„Hinter dem dritten Planeten dieses Systems. Auf der abgewandten Seite zu dieser Welt werden wir uns treffen und ich übergebe dir die Fracht für Gunis.“

Sie reicht mir die Hand und ich schlage ein. „Abgemacht“, sage ich.

Nachdem ich den Tisch verlassen habe, bemerke ich aus den Augenwinkeln, wie mir jemand folgt. Ruhigen Schrittes gehe ich zurück zum Frachthangar, wo mein Schiff, die ASHOKA, liegt.

Auf halbem Weg holt mein Verfolger auf und schließt sich mir an. Es ist V3-RA, von mir immer nur Vera genannt. Sie ist eine Androidenfrau und meine Partnerin.

„Was für ein Flittchen“, sagt sie zur Begrüßung.

Ich erwidere lediglich die Summe, die sie mir genannt hat.

„Ein teures Flittchen“, sagt Vera und ich muss lachen.

„Sicherlich“, stimme ich zu. „Ist dir was aufgefallen, als du uns beobachtet hast?“

„Nein, du warst nie in Gefahr. Sie kam wirklich allein und hat niemanden in der Hinterhand gehabt. Ich glaube auch nicht, dass sie verfolgt wird. Es scheint alles sauber zu laufen.“

Wir erreichen unser Schiff und betreten die Frachtrampe der ASHOKA.

„So sauber, wie ein Schmuggelauftrag eben ist“, stimme ich zu.

„Erstattest du Bericht?“, fragt sie.

Ich nicke und seufze. „Muss ich ja wohl.“

Ich setze mich in den Sitz des Piloten und starte den Antrieb. Während er warmläuft, starte ich eine kodierte Verbindung zu unserem Kontaktmann in der Flotte von Axarabor.

„Hier ist Kartek Tezal. Wir bekommen die Fracht und die Koordinaten von Gunis.“ Es ist eine reine Tonübertragung ohne Bild. Ich habe meinen Kontaktmann bisher nie gesehen, nur gehört.

„Hier Leutnant Ezarad. Ihre Mission bleibt bestehen. Wir wissen nicht, was aus den Siedlern von Gunis wurde und haben nur durch abgefangene Transmissionen des Kartells der Weißen Königin davon erfahren, dass die Kolonistenmission EXCALIBUR tatsächlich einen bewohnbaren Planeten vorfand und besiedeln konnte. Sie werden so viele Informationen sammeln, wie es ihnen möglich ist und die Einheimischen gegen das Kartell unterstützen. Sie sind weder als Bevollmächtigter der Raumflotte dort, noch sind Sie berechtigt, Verhandlungen für das Sternenreich von Axarabor zu führen. Haben Sie das verstanden?“

„Und wenn ich in einer Notlage bin?“, hake ich ein wenig spitzfindig nach.

Leutnant Ezarad seufzt hörbar. „Ich wiederhole, Sie sind grundsätzlich weder berechtigt, im Namen des Sternenreiches von Axarabor Verhandlungen aufzunehmen noch unsere Rolle zu offenbaren. Wie Sie im Einzelnen verfahren, müssen Sie selbst entscheiden. Ihre primäre Aufgabe ist und bleibt die Erkundung. Wir wissen nicht, was aus der EXCALIBUR geworden ist. Wir wussten bis vor Kurzem nicht einmal, dass Sie Ihr Ziel erreicht hat.“

„Gut. Tezal Ende“, beende ich die Transmission und starte den Antrieb mit der rechten Hand. Mit der linken Hand gebe ich grob eine Position auf der von uns abgewandten Seite des dritten Planeten des Systems ein.