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T. Stern

A Devil's Toy 1

Rikki & Ashra





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Titel

Anmerkung

 

Die Hölle ist nach traditionellen Vorstellungen des Christentums ein Ort der Qual, an welchen Übeltäter nach dem Tod gelangen, bevölkert von Dämonen und dem Teufel. In modernen christlichen Glaubenslehren ist diese Vorstellung allerdings in verschiedener Weise modifiziert oder auch ganz fallen gelassen worden. Andere Religionen und Kulturen hatten bzw. haben teilweise ähnliche Vorstellungen eines jenseitigen unwirtlichen Ortes der Verdammnis.

 

 

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Hölle)

 

Handlung

 

Eigentlich will ich nur das Ende meiner x-ten Beziehung zelebrieren, ergo, mich besaufen und alles vergessen. Aber wie man weiß, lassen sich manche Probleme einfach nicht ertränken. Seltsamerweise wirken sie aber manchmal wie ein Magnet für komische Kerle. Aus heiterem Himmel spricht mich einer der Marke „Zu schön für diese Welt“ an und kurz danach erleide ich auf dem Heimweg den ersten Einblick in die verdammte Hölle.

Und wer denkt, das klingt schon verrückt, der kennt den Rest noch nicht.

Nicht nur, dass in mir plötzlich höllische Gier entflammt, nein, ich werde noch dazu von einer Halluzination verfolgt, verführt und rangenommen wie noch nie zuvor.

Unglaublich?

Tja, ihr habt ja keine Ahnung, was meine schattenhafte Erscheinung wirklich ist, warum eine kleine dicke Frau in meinem Bücherregal sitzt und wieso ich machtlos gegen meinen eigenen Wahnsinn bin.

Vorwort

 

Mit „A Devil’s Toy 1: Rikki & Ashra“ startet eine neue kleine Reihe aus meinen chaoskaterlichen Pfötchen. Momentan bin ich dem Genre der Fantasy sehr zugetan, ist es schließlich jenes, welches mein halbes Leben beherrscht. In diesem Fall geht es um die Hölle und deren Bewohner. Ein für mich wahrlich sehr interessantes Thema, in welchem ich mich zu gerne in so manchem kleinen Tagtraum verliere.

Hauptfokus liegt auf Lustdämonen – ein großer Bestandteil der Handlung ist also: Sex. Ich würde glatt behaupten, gut 70% des Buches geht es schon zur Sache. Es sind Dämonen. Die dürfen das. Nein. Sie müssen das!

Zumindest in meiner Fantasie.

In meiner Hölle herrschen meine Regeln und ebenso verhält es sich bei der Welt, in der A Devil's Toy spielt.

Die mir eigenen Macken wird es auch wieder geben. Mein schräger Humor, diverse Ausschweifungen der gedanklichen Tiefe und ganz gewiss auch den ein oder anderen zig wiederholten Gedankengang.

Aber auch wenn Logik und Realität hier vielleicht zu kurz kommen … weder der Sex, noch Gefühle werden es.

Es ist Fantasy … man möge also ein wenig den Drang nach Realität beiseiteschieben und zur Kenntnis nehmen: Ich möchte hiermit weder eine Religion noch ihre gläubigen Anhänger diskreditieren.

 

Ich wünsche euch ein höllisch heißes Lesevergnügen, Spaß und Freude mit Rikki & Ashra.

Danksagung

 

Tausend Dank an meinen Mann, ebenso an treue Freunde, meine Katzen & meine Kaffeemaschine. ^^

 

Zutiefst herzlicher Dank an die TS Gruppe, die ich mit einigen Teasern beehren durfte. Habt vielen Dank für eure Zeit, euer Engagement, für Worte, Lob und anregende Kritik, viele Lacher und noch mehr wunderschöne Momente.

Wieder gilt mein aufrichtiger Dank der wunderbaren, liebevoll verrückten „Traude Promont“, die sich erneut meiner Vergechaoskaterisierung der deutschen Sprache stellte, Sätze entwirrte, Fehler dezimierte und Kommas verprügelte. (← und mich für meine Unfähigkeit in Mathemathik :D )

Sollten es dennoch Fehler ins Buch geschafft haben, so sind diese mein Verschulden.

 

Und wie eh und je – lieber Leser – natürlich dir, für deine Unterstützung. <3

1

 

„Rückschläge verdaut man am besten, wenn man versucht, darüber hinwegzukommen!“, äffe ich die Worte nach, mit welchen eine Freundin mich vorhin doch tatsächlich davon überzeugen konnte, mit ihr und einigen ihrer Kollegen noch einen trinken zu gehen. Genervt verdrehe ich die Augen, denn mittlerweile bereue ich es, dass sie mich breitschlagen konnte.

Ihre Absichten waren sicherlich nicht böser Natur, dafür hat sie ein viel zu freundliches Wesen. Dennoch ändert es gerade nichts an der Tatsache, dass ich nach gerade mal zwei Stunden schon alleine hier sitze.

Wir kamen hier zu sechst an. Drei gingen schon nach einer Stunde. Der vierte folgte vor einer halben Stunde. Und meine Freundin – die ich dafür vielleicht entfreunden sollte, verließ mich vor zehn Minuten, da sie jemanden aufgerissen hatte.

Wer bleibt also noch übrig? Richtig.

Ich.

Zurückgelassen. Auf mich alleine gestellt. Mit der monströsen Aufgabe konfrontiert, einen Weg zu finden, darüber hinwegzukommen. Man kann sich wohl denken, dass genau das nicht klappt.

Seufzend ziehe ich die Luft ein, rutsche kurz auf meinem Barhocker in eine bequemere Position und versuche, mein Umfeld auszublenden.

Es ist ja nicht so, dass ich anderen ihren Spaß und den Genuss ihres Lebens nicht gönnen würde ... aber könnten die mich damit nicht einfach mal in Ruhe lassen?

Also, sie könnten doch echt so gnädig sein und sich ein Zimmer nehmen, statt direkt in meiner unmittelbaren Nähe einen verdammten Porno drehen zu wollen.

Es ist nicht so, dass ich prüde bin oder es mich wirklich stört. Viel mehr nagt es gerade einfach an meinem allgemeinen Gemütszustand, denn ich habe davon erst einmal die Schnauze voll.

Dieses ganze Liebesgesülze, Händchen halten, während man sich gegenseitig heuchlerische Worte der Zuneigung in die Ohren flüstert, macht mich gerade einfach krank.

Die Luft ist geschwängert von Testosteron und der Hormonausschüttung mancher Frauen.

Faszinierend ist, wie überzeugt beide Fraktionen sind, nach einem Saufgelage im Bett noch großartige Leistung bringen zu können. Ich kann euch sagen, da geht nix mehr, wenn die erst einmal ein Bett erreicht haben. Viele hier werden zusammen schlafen, ja. Aber sie werden definitiv keinen befriedigenden Sex haben. Wenn sie überhaupt noch welchen haben werden. Wahrscheinlich fallen die meisten wirklich einfach nur tot ins Bett und schlafen ihren Rausch aus, um am Morgen zu erschrecken, weil da jemand neben ihnen liegt, an den sie sich nicht mehr erinnern können. So viel dann also auch zur großen Liebe des Lebens, zur Person, auf die das Leben lang gewartet wurde.

Herrgott, macht mich dieser ganze Scheiß krank.

Warum ich so genervt bin, hat natürlich einen Grund.

Neid trübt mein Denken und Wut über meine eigene Unfähigkeit dominiert mein Empfinden.

Die wievielte Beziehung war es noch gleich, Rickard?

Eine wirklich angebrachte Frage, die ich mir selbst gerade stelle. Ja, die Wievielte war es denn?

Das Bittere an dieser Frage ist, dass ich nach der vierten aufgehört hatte zu zählen, weswegen ich mir nicht mal eine Antwort darauf geben könnte, egal, wie sehr ich es wollen würde. Wobei ich es auch nicht will, wenn ich ehrlich bin.

Noch bitterer als die Tatsache, dass meine letzte Beziehung vor drei Tagen den Bach runterging, wäre wohl jene, sich einzugestehen, dass es bereits über fünfzehn sein müssten, die ebenso ...

Genervt, nun doch darüber nachzudenken, greife ich meine Bierflasche und genehmige mir einen kräftigen Schluck.

Als der Flaschenboden etwas lauter auf dem Tresen aufkommt, erweckt das natürlich die Aufmerksamkeit des Barkeepers. Sein skeptischer Blick prüft mich einen Augenblick, bis ich die Hand hebe und er nickt. Ich tu einfach so, als wolle ich etwas bestellen. Gut, will ich auch, denn mein Bier ist gleich leer und mir ist absolut nicht danach, nach Hause zu gehen.

„Ein Bier und einen Jack“, ordere ich und er nickt mir zu, lässt flinke Handgriffe walten und schon schiebt er mir meine Bestellung rüber. Den letzten Schluck aus der Flasche in meiner Hand genommen, schiebe ich sie ihm zu. Er nimmt sie nickend entgegen und lässt mich wieder alleine. Wobei, alleine bin ich nicht mal. Ich habe meine besten Freunde bei mir. Wut, Neid und Selbstmitleid. Treue Gefährten, das kann ich euch sagen.

Wieder verdrehe ich über meine eigenen Gedanken die Augen, legen sich meine Finger um das eckige Whiskeyglas, welches sofort seinen Weg an meine Lippen findet.

Allerdings trinke ich nicht, sondern schnuppere an dem Hochprozentigen. Riecht scheiße. Schmeckt scheiße. Aber erfüllt seinen Zweck.

Ich will vergessen und nichts mehr fühlen müssen. Einfach nur mal ein paar Stunden ohne all diese Gedanken in meinem Kopf sein können.

Nur an meinen Ex zu denken, sorgt dafür, dass sich mir der Magen dreimal umdreht. Anbei geht es mir bei jedem meiner Verflossenen so. Das macht die Sache nicht gerade leichter zu ertragen, denn natürlich wirft es (wie immer) die Frage auf, ob es an mir liegt oder an ihnen.

Woran sind alle meine bisherigen Beziehungen gescheitert?

Angeblich an zu wenig Sex.

Das ist doch mal ein richtig geiler Grund, nicht wahr?

Alleine diese Gedanken flüchtig zu dulden, ärgert mich wie die Pest.

Ich war wirklich immer bemüht, Familie, Freunde, Arbeit und Beziehung irgendwie unter einen Hut zu bringen.

Gestaltet sich alles halt etwas schwerer, wenn alles ein bisschen komplizierter ist. Ich will nicht jammern oder mich beschweren, denn eigentlich führe ich ein stabiles und gutes Leben.

Meine Familie wohnt weiter weg und den Kontakt zu halten ist nicht immer leicht. Freunde brauchen ab und an Aufmerksamkeit, sonst verliert man sie. Ich habe meine privaten Vergnügen auf ein Minimum reduziert, da ich beruflich oftmals den halben Tag eingespannt bin. Dann noch einen Partner zu haben, der unfähig ist, sich fünf Minuten mit sich selbst zu beschäftigen, dem man hinterher räumen muss, das Essen am besten noch vorgekaut serviert und dann auch noch als lebende Gummipuppe dienen soll, wenn der Herr Lust hat ... Danke! Ich bin bedient!

Irgendwas bleibt irgendwann halt immer auf der Strecke. In dem Fall dann eben mein Liebesleben. Wobei, eher mein Sexleben. Denn geht es nach meinem Ex, so muss ich dankbar dafür sein, dass er mich überhaupt in den Genuss seiner Person kommen ließ. Gott, wenn ich nur daran denke, wird mir kotzübel.

Wieso hatte ich mich noch mal auf ihn eingelassen? War ich wirklich in diesen dummen Wichser verliebt?

Ich weiß es nicht. Höchstwahrscheinlich war ich verliebt, ja. Sonst wäre ich nicht mit ihm zusammen gewesen.

Wie mit allen anderen davor.

Anscheinend verliebe ich mich schneller, als ich wirklich denken kann. Hätte ich mit meiner Verliebtheit einfach mal länger als vier Tage gewartet, dann wäre mir vielleicht echt eine Menge Ärger erspart geblieben. Immer wieder aufs Neue, wohlgemerkt. Da ich eh schon dabei bin, mir selbst in die Eier zu treten ... es waren so um die fünfzehn Mal.

Die immer wiederkehrende Enttäuschung, nicht den Partner fürs Leben gefunden zu haben, ist mittlerweile auch mein treuer Gefährte. Bisher hatte ich immer versucht, sie in Alkohol zu ertränken. Ebenso wie die bittere Erkenntnis, dass ich einfach ein dummer Idiot bin, der von seinem Wunsch nach dem einen Mann so geblendet ist, dass er einfach zu leichtgläubig durch die Welt geht. Ich musste mehrfach lernen, dass weder Enttäuschung noch Ärger in Alkohol ertränkt werden kann. Beide sind einfach zu gute Schwimmer. Mistviecher!

Vorsichtig nippe ich an meinem Glas und spüre den leicht brennenden Whiskey meine Geschmacksnerven ärgern. Eigentlich mag ich Whiskey nicht mal, bin eher der Typ für Cocktails. Aber heute ist mir eher danach, mich in Grund und Boden zu saufen. Obwohl ich weiß, dass es nichts besser macht.

Es geht hierbei nicht um Vernunft, sondern schlichtweg um ... egal, um was es geht, ich will mich besaufen. Jawohl.

Also kippe ich mir den Inhalt des Glases in den Mund, schlucke einfach und verziehe dann doch angewidert das Gesicht. Nein. Whiskey und ich werden keine besten Freunde.

Aus den Augenwinkeln nehme ich etwas wahr, was meine Aufmerksamkeit erweckt. Schon drehe ich den Kopf und werfe einen prüfenden Blick auf das Objekt, welches binnen einer Nanosekunde meine Neugier auf sich lenkt.

Heilige Scheiße! Das nenne ich mal einen verdammt heißen Kerl! War der vorhin schon da? Definitiv könnte ich mich an so eine geile Sahneschnitte erinnern! Verdammt will ich sein, so ein heißes Kerlchen habe ich hier wahrlich noch nie angetroffen.

Gut, definitiv nicht meine Kragenweite. An so einem Exemplar würde ich mir nur die Finger verbrennen. Zu Feuer habe ich allerdings eine sehr gestörte Verbindung, weswegen ich es nicht mal in Gedanken versuchen würde.

Außerdem, er sieht zweifelsohne gut aus, aber ist echt nicht mein Geschmack. Also, ansprechend ist er schon, aber ich könnte ... ach, keine Ahnung. Vielleicht versuche ich gerade einfach nur mal wieder, mir etwas madig zu reden, was mir zusagen könnte. Aber bei solchen Kerlen hat jemand wie ich keine Chance. Auf den ersten Blick vielleicht schon, aber wenn ich mich ihnen wirklich offenbare, dann definitiv nicht mehr.

Das Kerlchen ist beliebt, heiß umworben und hat ohnehin gerade genügend Männer und Frauen um sich herum geschart, die ihm den Hof machen. Da kann er auf mich Sexbombe ganz gewiss verzichten.

Mein Blick richtet sich wieder nach vorne und ich inspiziere die Bierflasche. Das leere Whiskeyglas schiebe ich daneben und ertappe mich dann doch schon wieder dabei, in Gedanken zu versinken. Neben dem mangelnden Sex nannte mein Ex einen Grund, der mir wirklich wehgetan hat. Es tut mir jetzt noch weh, nur daran zu denken. Er sagte, ich hätte die erotische Ausstrahlung eines Toastbrots. Sicher, das klingt witzig, wenn in diesem fiesen Kommentar nicht irgendwo ein Funke Wahrheit stecken würde. Geknickt sinke ich mich zusammen, ertappe mich dabei, wie meine linke Hand an meinen rechten Oberarm greift. Durch den Stoff meines Sweaters spüre ich die Unebenheiten auf meiner Haut. Stetige Begleiter. Sie waren schon immer da, seit ich klar und deutlich denken kann.

Dabei zähle ich mich selbst eigentlich zu den Männern, die halbwegs passabel aussehen. Ab und an erwecke ich das Interesse von Männern, flirten sie mit mir, zeigen Interesse. Aber alles verpufft, sobald ich mich ausziehen muss.

Da hilft mir weder mein süßes Gesicht noch mein trainierter Körper. Es liegt leider nicht in meiner Macht, die Narben abzulegen. Sie gehören zu mir, sind ein Teil meines Lebens. Ich kenne mich nicht anders, als mit diesem Makel. Ausgesucht habe ich mir das auch nicht. Es war ein Unfall. Ein verdammter Unfall! Wahrscheinlich muss ich noch dankbar sein, dass meine ganze Ex-Gruppe sich überhaupt mit jemandem wie mir abgegeben hat. Quasi noch einen Kniefall dafür machen muss, dass sie meinen entstellten Körper angefasst haben. Wobei ich auch gestehen muss, dass dieser mich manchmal wirklich selbst hemmt. Ich habe einfach zu viele negative Reaktionen erlebt. Entweder ich wurde ausgelacht oder wie die Pest behandelt. Widerlich, ekelhaft, hässlich. So nannten die meisten meine Narben. Dass ich sie mir nicht selbst zugefügt, geschweige denn mir ausgesucht habe, sie zu tragen, scheint dabei egal zu sein.

Natürlich habe ich immer wieder ein ungutes Gefühl, wenn ich mich vor einem potenziellen Partner – ob nun nur für eine Nacht oder in einer Beziehung – ausziehen soll. Da ist immer diese Angst vor Ablehnung oder Ekel.

Es sind Narben! Keine ansteckende Krankheit!

Sie hemmen mich, aber ich bin deswegen noch lange nicht verkrampft. Oder?

Wehklagend stöhne ich und grummle undefinierbare Worte vor mich hin, als etwas meine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Ein Glas schiebt sich in mein Sichtfeld, wird von einer Hand direkt zu mir bugsiert. Irritiert ziehe ich beide Augenbrauen hoch. Ein Cocktail?

Ich kann gar nicht anders, als diesen langen, schlanken Fingern zu verfallen, folge der Hand, dem Unterarm und will natürlich wissen, wer ...

Öhm? Kann mich mal jemand kneifen?

2

 

Fassungslos starre ich zu meiner Rechten, kann nicht glauben, was meine Augen sehen. Ich glaube mich ja eher im Vollrausch, als ich verwundert wahrnehmen kann, dass ausgerechnet ER sich gerade neben mich setzt. Anbei sei erwähnt, dass der Cocktail von ihm stammt.

Dieser Schönling, der verdammt gut aussieht, auch wenn er nicht wirklich mein Typ ist, lächelt einfach und hält meinem verwunderten Blick, ohne mit der Wimper zu zucken, stand.

So aus der Nähe betrachtet ist der Kerl noch heißer. Wahrlich, ein Schönheitsideal, welches vor Perfektion nur so trieft.

Schwer schlucke ich und sammle meine Sinne, versuche nicht länger, dieser die Sinne vernebelnden Aura zu verfallen.

„Kein Mann ist es wert, dass man ihm nachtrauert, solange es noch unzählige andere Männer gibt.“ Diese Stimme bereitet mir eine Gänsehaut. In Verbindung mit dem Aufrechterhalten des Augenkontakts sorgt es übrigens dafür, dass mir die Hitze durch den Leib flammt, ich glaube, mich im Fegefeuer zu befinden.

Gebannt beobachte ich ihn, wie er sein Glas hebt und einen Schluck trinkt, kann ich gar nicht anders, als wenigstens motorisch zu funktionieren. Mit einem eher schwachen Nicken zum Dank, greife ich den Cocktail und richte mein Augenmerk auf den bunten Inhalt im Glas. Der Strohhalm ist schnell zwischen meine Lippen geklemmt und ich genieße den Rausch von Früchten und Alkohol, in einer angenehmen Kombination. Frisch und lieblich. Nicht wie der Whisky, die Geschmacksnerven verätzend.

Da sitze ich nun, grüble intensiv, warum dieser Kerl sich ausgerechnet neben mich gesetzt hat, was er von mir will, ob er überhaupt was will, oder ob ich einfach nur sein Mitleid erweckt habe.

Seine Worte aber geben mir ebenso zu denken.

Kein Mann ist es wert, dass man ihm nachtrauert, solange es noch unzählige andere Männer gibt.

Sicher, er hat bestimmt keine Probleme damit, einen Neuen zu finden. Wobei, er hat sicherlich auch nicht das Problem, ständig verlassen zu werden. Mag jetzt oberflächlich gedacht sein, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass er meine Problematik teilt.

„Du hast leicht reden. Dir liegen sie ja auch alle zu Füßen, hm?“ Wieso diese Worte meine Lippen verlassen ist mir ein Rätsel. Vielleicht lockert der Alkohol die Zunge, macht mutig und zugleich das logische Denken unmöglich. Eigentlich hätte ich so etwas nicht einfach ausgesprochen, es ist gar nicht meine Art. In meinen Gedanken bin ich sarkastisch, ironisch und manchmal auch wirklich gehässig. Nach außen hin allerdings das komplette Gegenteil.

Vielleicht zeigt das Bier in Kombination mit dem Whiskey seine Wirkung. Wundern würde es mich nicht. Wobei ... so viel habe ich noch gar nicht getrunken. Mein Vorhaben, mich besaufen zu wollen, stand noch ganz am Anfang.

Es waren doch nur drei oder vier Flaschen Bier und zwei Whiskey. Noch lange nicht genug, um von einem Vollsuff zu sprechen.

Ein leichtes Angetrunkensein trifft es da dann doch schon eher.

Mein wirres Grübeln endet jäh, als ich erneut in den Genuss seiner reizenden Stimme komme: „Das könnten sie dir auch, wenn du es zulassen würdest.“

Nun kann ich nicht anders, als beide Augenbrauen hochziehen, ihn verwundert ansehen und die Stirn in Falten zu legen.

Okay. Klugscheißer. Niemand mag Klugscheißer!

Fassen wir auf die Schnelle zusammen: Er sieht gut aus, ist charmant, macht gerne Komplimente, verzaubert mit seinem Lächeln und ist spendabel. Aber er ist auch ein Klugscheißer par excellence.

Was noch? Womit will er das denn noch toppen? Mit dem Gemächt eines Hengstes?

Ich seufze und suche Zuflucht vor meinem eigenen Kopfkino, indem ich mir den Strohhalm wieder zwischen die Lippen klemme und am Inhalt des Longdrinks sauge. Energischer als gewollt, wie mir scheint. Ein bisschen kribbelig fühle ich mich dann ja doch schon, als ich bemerke, dass die Hälfte des Cocktails schon ihren Weg in mich gefunden hat.

„Was verschafft mir die Ehre?“, frage ich frei heraus und wage dann doch einen übermütigen Blick in seine Richtung. Binnen weniger Sekunden überschlagen sich meine Gedankengänge und wahrscheinlich ist mein Verstand gerade im Alkoholspiegel abgesoffen. Zumindest könnte ich mir so gerade noch erklären, weshalb ich sage ... was ich halt sage. „Hast du nichts Besseres zu tun? Wenn ich mir deine Fanbase so ansehe, könntest du dir den Schwanz wundvögeln.“

Upsi. Das kommt heraus, wenn das Mundwerk schneller ist, als der verflüchtigte Verstand. Da helfen auch keine Schwimmflügelchen mehr, so viel steht fest.

Das meine - doch leicht von Neid dominierten - Worte ihn relativ wenig beeindrucken, wird ersichtlich, als ich beobachten kann, wie er eine für sich wohl bequeme Position einnimmt.

Sein Ellbogen findet Platz auf der Theke und sein hübsches Gesicht stützt er auf seine Handinnenfläche, während sein Blick an mir haftet, als hätte ihn jemand mit Pattex festgeklebt.

Wäre ich vorher dank meiner Worte nicht schon ein Musterbeispiel für Unverschämtheit, dann würde ich es ihm anlasten. Ich halte mal lieber den Ball flach, auch wenn ich mich so fühle, als würden mich seine feurigen Augen mit Blicken ausziehen. Wobei mein Anblick eh nicht viel bieten könnte, was dem Schönling zusagen würde.

„Ficken kann ich immer“, lässt er mich wissen und ich bin geneigt, innerlich die Augen zu verdrehen. Angeber ist er also auch noch. Wird ja immer besser.

„Aber eine interessante Person kennenlernen, eher selten.“

Dieser kleine Anhang sorgt dafür, dass ich beide Augenbrauen hochziehe und ihm einen eher skeptischen Blick entgegenwerfe. Warum er dann ausgerechnet bei mir sitzt, ist mir gerade das größte Rätsel.

„Wenn du eine interessante Person gefunden hast, sag mir Bescheid. Die will ich auch sehen.“ Ich finde meinen Kommentar gar nicht mal schlecht. Angesichts der Tatsache, dass ich mich ein bisschen veräppelt fühle, ist ja wohl klar, dass ich deutlich mache, dass ich dazu keinen anderen brauche. Schon gar nicht heute. Mein Plan ist schließlich immer noch: Frustsaufen und dann natürlich das Vergessen meines beschissenen Ex-Freundes samt den unzähligen Idioten davor. Ach, die alte Kamelle eben.

„Deine Ironie ist amüsant“, belächelt er mich und meine Worte, worauf ich geneigt bin, mit den Zähnen zu knirschen. Noch etwas füge ich der Liste hinzu, was er so allem Anschein nach ist: Großkotzig! Finde ich.

Amüsant also. Na, wenigstens bin ich gut genug, dass man sich über mich lustig machen kann. Wenn er deswegen einen Kniefall erwartet ... mir ist heute nicht nach einem Blowjob.

„Ich habe diese Person bereits gefunden. Sie sitzt genau neben mir und ich frage mich, ob sie genauso gut Schwänze blasen kann, wie sie Trübsal bläst.“

Ich finde diese Anmache jetzt nicht mal mehr annähernd amüsant. Sie ist schlichtweg armselig. Junge, egal wie notgeil ich wäre, dir würd ich niemals einen blasen. Schon gar nicht heute. So! Hat er jetzt davon! Wo ist der Dislike-Button wenn man ihn braucht?

Dem kleinen Goldstück werde ich jetzt mal den Wind aus den Segeln nehmen. Wenn er nämlich denkt, er kann bei mir in den Hafen einfahren, hat er sich geschnitten. Auf diese Art, schon gleich dreimal nicht.

„Laut meinem Ex: Nein. Ich kann es nicht. Ich kann gar nichts. Ich bin nämlich verklemmt und verkrampft. Also, schlechte Karten, Sunnyboy!“, motze ich ihm scharf entgegen und bin sogar geneigt, den Cocktail nicht weiter zu trinken. Aber das arme Getränk kann ja auch nichts dafür, dass sein Käufer ein Idiot ist.

Ein bisschen fühle ich mich gerade auf der Siegertreppe, dem Triumph so nahe, erfüllt mich ein aufkommendes Gefühl von Stärke und Macht, bis ...

„Wenn der Partner nicht genug Reiz bietet, kommt eben keine Stimmung auf.“

Ich erschrecke mich beinahe zu Tode! Wühlt der Kerl in meinen Gedanken oder woher hat er den Impuls, ausgerechnet so etwas zu sagen? Okay, blöd. War es doch ich selbst, der von seinem Ex gesprochen hat. Damit habe ich ihm eine Steilvorlage gegeben, die man für solche Spielchen durchaus nutzen kann.

Woher will er eigentlich wissen, dass mein Ex nicht genug Reize bieten konnte? Ich meine, ungeachtet der Tatsache, dass da was Wahres dran sein könnte, vielleicht sogar auch wirklich dran ist. Wenn ich so überlege, dann war der Sex am Anfang richtig geil, bis sich eben der Alltag eingeschlichen hatte und alles an Bedeutung verlor.

Zu Beginn war er noch gut gestylt, sah schick aus, bemühte sich, mir zu gefallen. Doch kaum waren wir ein paar Tage zusammen, ließ er Stück für Stück nach. Kurz und knapp: Er hatte sich echt gehen lassen.

Irgendwann war mir dann einfach auch nicht mehr nach Sex. Es regte sich gar nichts bei mir. Egal was er machte, ich bekam keinen mehr hoch. Darauf basierend, war ich auch sonst zu kaum was zu gebrauchen. Teilweise ekelte es mich vor ihm. Und das sage ich ... mit den ach so ekelhaften Entstellungen.

Für meinen Ex, diesen dummen Idioten, war es einfacher, jegliche Schuld auf mich zu schieben. Er hätte stattdessen halt Eier in der Hose haben müssen, um zuzugeben, dass er sich selbst ein bisschen vernachlässigt hat.

So im Nachhinein regt es mich auf. Ich hätte es nicht einfach hinnehmen, sondern mich zur Wehr setzen sollen.

Es war nicht meine Schuld, dass seine mangelnde Körperhygiene mich zum Würgen brachte, geschweige denn, dass seine Wichse nach faulen Eiern roch – vom Geschmack will ich erst gar nicht anfangen. Meine Damen und Herren – ein Haufen Scheiße wäre delikater gewesen!

Das hinderte diesen elenden Penner aber nicht daran, mir seinen Lümmel in die Kehle zu pressen, mich dabei schier kotzen zu lassen und dann alles mit einer Ladung lauwarmer Schlabberkotze zu krönen, deren Geschmack jede verfluchte Mistmade hätte flüchten lassen!

Erotik? Am Arsch!

Wobei, nein! Nicht mal da!

Ich habe es gehasst, wenn er an meinem Hintern zugange war und jedes zweite Wort schlicht und ergreifend Scheiße war. Diese dummen Anmerkungen waren wirklich alles andere als erregend. Man sollte meinen, dass jeder, der ein gewisses Alter erreicht hat, weiß, wozu das menschliche Rektum von Natur aus dient. Es jedes Mal zu erwähnen, wenn man da hinten etwas macht, ist absolut unnötig. Außerdem war mein Arschloch sauberer, als der ganze Kerl an sich – nur, um das mal erwähnt zu haben!

Okay. Ich halte fest: Mein Ex ist definitiv nicht unschuldig daran, dass ich sexuell die Schotten dicht gemacht habe!

Dass ich mit ihm zusammen war und mit ihm Sex hatte – ein Akt reinen Mitleids! Irgendwie muss ich mir das Elend ja schön reden, sonst würde ich mich auf der Stelle vor mir selbst ekeln!

Gut. Sehen wir den bitteren Fakten ins Auge. Ich sitze hier, neben mir ein heißer Kerl, der mir mit Komplimenten schmeichelt, nicht unbedingt wörtlich, aber aufmerksamkeitstechnisch. Nun die gute Frage: Warum regt sich nichts?

Hallo? Schwanz? Das da ist nicht mein Ex ... Gott bewahre, der Kerl neben mir ist eine höllische Versuchung und dennoch ... mein Schwanz bleibt schlaff und regt sich nicht. Es ist verstörend, aber ich verspüre keinerlei Lust. Ob da irgendwas kaputt gegangen ist? Lebt mein Schwanz eigentlich noch?

Wann habe ich mir das letzte Mal einen runtergeholt?

Das ist auch schon eine halbe Ewigkeit her. So wirklich erinnern kann ich mich gerade nicht. Allerdings möchte ich mich jetzt nicht festlegen, ob es daran liegt, dass es so lange her ist, dass ich mich nicht mehr erinnern kann, oder einfach der Grund meines leichten Betrunkenseins dazu beiträgt, dass ich mich gerade nicht daran erinnere.

Fakt ist, dass ich diesen mir noch immer Unbekannten gerade mit meinen Blicken ficke und dennoch vergebens auf eine Reaktion meines Körpers warte. Da steht nichts mehr. Es regt sich überhaupt nichts. Mir wird nicht mal wirklich warm. Wobei, das könnte schon sein. Nur, bedingt durch den Pegel in meinem Blut, der mir immer mehr einheizt, könnte diese Wärme untergehen.

„Da steht nichts mehr“, seufze ich mehr zu mir selbst, als für seine Ohren bestimmt und grapsche gefrustet nach dem Cocktail, leere ihn mit hastigen Zügen.

„Oh, ich glaube, da steht sehr wohl noch was. Du musst dich nur fallen lassen und deine Manneskraft wieder entfalten.“

Merklich fährt mein Körper zusammen und ich ahne, dass ich A laut gedacht habe und B mein Gesprächspartner gute Ohren hat und mich mittels weniger Worte anscheinend viel zu gut versteht. Der Kerl macht mir Angst!

Anstatt auf meine aufkommende Scheu Rücksicht zu nehmen, lächelt er mir nur verschmitzt entgegen: „Keine Sorge. Es gibt viele Männer, die so eine Phase haben. Sexuelle Übermüdung, weil immer dasselbe lahme, langweilige Spiel. Rein, raus – fertig. Dabei bietet Sex so viel mehr, als nur die Nummer an sich. Ich wette, dein Körper hat mehr erogene Zonen, als den Schwanz und deinen Hintern. Kennst du sie alle?“

Ähm – also. Nicht nur, dass ich schwer schlucke, nein, ich fange wirklich an zu überlegen. Kenne ich sie? Meine erogenen Zonen? Hat sich je ein Mann der Aufgabe gestellt, sie alle zu finden? Habe ich selbst mir je die Mühe gemacht, sie ausfindig zu machen? Nein. In allen Fällen kann ich nur verneinen. Zu meiner eigenen Schande.

Aus meinen Gedanken werde ich gerissen, als ich heißen Atem an meinem Ohr spüre. Ich wage nicht, mich zu bewegen. Spüre schlagartig die unerwartete Nähe meines Nebenmannes.

„Ich wette, ich würde sie alle finden. Und ich wette ebenso, du würdest mehr als einmal kommen und um Gnade winseln, weil du nicht genug von mir, von dir selbst und dem wahren Ausmaß deiner eigenen Lust bekommen könntest.“

Ich kann gar nicht verhindern, eine Gänsehaut zu bekommen. Seine Stimme klingt so tief, reizend und geil. Die Art wie er spricht, ist verlockend und macht mich echt neugierig. Ob er das wirklich könnte? Mir das wahre Ausmaß meiner eigenen Lust zeigen?

Auf der anderen Seite hat mich die Erfahrung gelehrt, dass Männer, die zu sehr von sich selbst überzeugt sind, oftmals absolute Luschen im Bett sind. Sie spucken große Töne und kommen nach fünf Minuten, hecheln dir ins Ohr – obwohl sie nichts geleistet haben.

„Hochmut kommt vor dem Fall“, setze ich überzeugt und ungewöhnlich ruhig an, fahre mit fester Stimme fort. „Du sprichst mit einem frustrierten, männlichen Individuum, welches mal wieder eine Beziehung in den Sand gesetzt hat. Und immer ist Sex der Grund. Tja, ich scheine einfach scheiße im Bett zu sein. Das wirst du innerhalb einer Nummer nicht ausbügeln können.“

Aus den Augenwinkeln kann ich erkennen, wie er nach seinem Glas greift und dieses leert. Seine Finger greifen mein Kinn und er dreht meinen Kopf zu sich, bin ich gezwungen, seinem Blick standzuhalten. Er leckt sich angetan über die Lippen und nimmt mich mittels seiner Augen gefangen. Wegsehen: Unmöglich!

„Du bist gut. Ich dachte, du wärst leichter zu haben. Aber das ist reizvoll. Ich glaube, mein älterer Bruder würde dir alleine dafür zu Füßen liegen.“

Schau mal einer guck! Da macht er doch glatt einen Rückzieher! Wusste ich es doch. Hochmut ist nicht immer angebracht. Nur weil man aussieht, als könne man sich ihn erlauben, bedeutet es nicht, dass man nicht zu Fall gebracht werden kann.

Dennoch verdrehe ich darüber nur die Augen und entwinde mein Kinn aus seinem Griff: „Hmhm. Wenn du ihn siehst, sag ihm, ich bin noch gut zwei Stunden hier. Danach wird es schwer, mich zu finden.“

Wenn er denkt, ich gebe was auf diesen älterer-Bruder-Scheiß, hat er sich geschnitten.

Eigentlich will ich gerade genervt und angepisst sein, aber mir sollte nicht mal das vergönnt werden. Eine Hand legt sich bestimmt auf meinen Rücken, streichelt hoch zu meinem Nacken. Diese simple Berührung verursacht mir ein urplötzliches Schwindelgefühl. Schon im nächsten Moment erstarre ich mit weit aufgerissenen Augen. Was ich nun spüre, glaube ich nicht zu spüren – kann es nicht fassen.

Nur weil ich mich seinem Griff entwunden habe, ist das für ihn kein Hindernis ... mich zu küssen!

Nicht einfach nur so ein bisschen schmatzischmatzi. Nein!

Dieser kleine Scheißkerl schiebt mir die Zunge in den Hals!

Im ersten Moment bin ich zu perplex, um es zu verhindern, im zweiten nicht mehr dazu fähig.

Sein Speichel schmeckt verboten gut. Es ist, als würde mich das flinke Spiel dieser geschmeidigen Zunge lähmen, mir die Sinne rauben und mich in eine gänzlich neue Welt zerren.

Fast schon erfasst mich Wehmut, als er den Kuss beendet. Absurd!

„Er wird dich finden. Wo auch immer du bist. Glaub mir.“

Diese Worte brennen sich in meinen Kopf und ich schlucke schwer, spüre, wie die Wärme weicht und eine ungewöhnliche Kälte mich erfasst. Für einige Herzschläge fühle ich mich alleine. Ich blende alles um mich herum aus und verharre regungslos, bis ich endlich schaffe, einen klaren Gedanken zu fassen.

Vorsichtig schaue ich mich um, aber mein ominöser Freund ist weg.

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Was war das denn?

Ein leichtes Ziehen in meinem Nacken sorgt dafür, dass ich die Hand hebe und an die Stelle greife, sie befühle und abtaste, aber keinerlei Schmerzzentrum lokalisieren kann, geschweige denn, irgendwas anderes.

Woher kam dieser plötzliche Schwindel?

Eine gute Frage. Vielleicht durch die Berührung dieses Kerls. An dem Kuss kann es nicht gelegen haben, denn der fand erst danach statt. Es könnte natürlich auch sein, dass der Alkohol mir doch mehr zu Kopf gestiegen ist, als ich wahrgenommen habe.

Vielleicht wäre es besser, wenn ich mich auf den Heimweg mache. Ich habe wohl wirklich genug verrückte Dinge für einen Abend erlebt. Und allem Anschein nach auch genug getrunken!

Dieses Treffen mit diesem mysteriösen Kerl ist definitiv ein guter Grund, in Zukunft auf Alkohol zu verzichten. Anscheinend bekommt mir das Gesöff echt nicht gut.

Ich will heim. Nie wieder Alkohol! Nie wieder!