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Aufruhr in der Stadt

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Einführung in die Serie:

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Aufruhr in der Stadt

SEZESSIONSKRIEG 2.0 - Band 2

von Wilfried A. Hary

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 73 Taschenbuchseiten.

 

Die Ordnung in jener Stadt, die mit dem berühmten Nashville/Tennessee nur den Namen teilt, steht auf wahrlich tönernen Füßen. Weitgehend abgeschnitten von der übrigen Welt dank der Unruhen des aufflammenden Bürgerkrieges, kann sich schon die geringste Störung der öffentlichen Ordnung zu einer hausgemachten Katastrophe ausweiten. Es sieht nicht gut aus für diese Stadt - überhaupt nicht gut - denn ein weiterer Funke genügt dafür vielleicht schon...!

Und daran soll es wahrlich nicht mangeln.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach Motiven von 123RF und Steve Mayer, 2019

Sezessionskrieg 2.0 – die Serie nach einer Idee von Marten Munsonius, 2019

Serienausführung - Created by Wilfried A. Hary, Stefan Hensch & Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Einführung in die Serie:

Das Undenkbare ist passiert, die Gräben in der amerikanischen Gesellschaft sind endgültig aufgebrochen und werden sich mit Blut füllen. Am Tag der amerikanischen Präsidentschaftswahlen beginnt ein Bürgerkrieg, der durch asymmetrische Fronten geprägt ist und der mit kompromissloser Härte geführt wird. Die unterschiedlichen Gruppierungen tragen ihren brutalen Kampf gegeneinander aus und stürzen die Vereinigten Staaten von Amerika ins absolute Chaos. Bruder bekämpft Bruder, um den Sieg in diesem „Sezessionskrieg 2.0“ zu erlangen. Dabei scheint jedem jedes Mittel recht zu sein und mit jedem Tag versinkt das Land mehr und mehr in der Dunkelheit der Barbarei. Kein Einzelner, kein Politiker, kein selbsternannter Anführer die sich alle „Amerikaner“ nennen, scheint diese grauenvolle Entwicklung aufhalten zu können - oder es auch nur zu wollen.

Dies sind die Erlebnisse und Geschichten der Menschen, deren Leben von den Wirren des Krieges durcheinander gewirbelt werden - und viele von ihnen werden gierig von ihm verschlungen werden.

 

 

 

“Ich möchte sehen, ob ihr so schießen könnt, wie ihr schreit.”
Woodrow Wilson

 

 

1

Just zur dunkelsten Stunde, die eher dürftige Straßenbeleuchtung ausnutzend, bewegten sich vier vermummte Gestalten auf das Rathaus zu.

Das altehrwürdige Gebäude, vor vielen Generationen aus überwiegend Holz gebaut, war eindeutig das beeindruckendste Gebäude überhaupt in dieser Stadt, die sich Nashville nannte. Dies hier war zwar nicht die gleichnamige Hauptstadt des US-Bundesstaats Tennessee und County Seat des Davidson County, aber die Bewohner waren sogar froh darum, nicht so berühmt zu sein. Aus gutem Grund…

„Seid ihr bereit?“, fragte der Anführer der vier Vermummten mit gedämpfter Stimme.

„Scheiße, hätte nie gedacht, dass es so leicht werden würde!“, murmelte einer der anderen anstelle einer Antwort, und der dritte fügte hinzu:

„Logisch, wenn im ganzen Land das Chaos regiert und man von Washington nur noch Gerüchte hört, aber nichts Konkretes mehr… Da fehlt es hinten und vorn. Sogar an Strom für die Straßenbeleuchtung. Die mussten umstellen auf die eigene Versorgung, weil nichts mehr von außerhalb kommt.“

„Umso besser für uns!“, knurrte der vierte im Bunde, so abgrundtief, dass es an das Knurren eines gereizten Bären erinnerte.

Sie kontrollierten ein letztes Mal die mitgebrachten Flaschenkörbe. Die Flüssigkeit in diesen Flaschen war beileibe nicht zum Trinken geeignet. Dafür waren sie sämtlich unverschlossen, und so etwas wie Dochte hingen aus den Flaschenhälsen.

Geduckt liefen sie quer über die Straße und verteilten sich sogleich. Jedem war eine Ecke des Rathauses zugewiesen.

Ihr Anführer ärgerte sich zwar, weil ihm keiner auf seine klar formulierte Frage geantwortet hatte, aber er sah ein, dass es jetzt sowieso nicht mehr nötig war: Es hatte sich sozusagen von allein erledigt.

Sobald jeder seine Position erreicht hatte, sahen sie auf ihre Armbanduhren, die natürlich präzise miteinander abgestimmt waren. Sobald der Sekundenzeiger die volle Minute anzeigte, entzündeten sie die Dochte und warfen die gefüllten und jetzt brennenden Flaschen gegen die Außenfassade.

Besonders Treffsichere durchbrachen damit auch das eine oder andere Fenster. Die Flaschen zersplitterten beim Aufprall und ließen ihren Cocktail hoch gehen.

„Molotow lässt grüßen!“, murmelte der Anführer gehässig, als er seine Flaschen warf, anspielend auf den angeblichen Erfinder dieser simplen und doch höchst effektiven Brandbomben.

Und dann mussten alle vier Fersengeld geben, ehe das aufbrausende Feuer noch auf sie übergriff.

Im Nu stand das gesamte Gebäude in hellen Flammen. Es krachte, knallte und knisterte. Der Feuerschein überbot bei weitem diese dürfte Notbeleuchtung auf den Straßen. Und dennoch dauerte es viel zu lange, bis man endlich darauf aufmerksam wurde. Bis dahin war das altehrwürdige Rathaus für alle Zeiten unrettbar verloren. Da hatte auch der seit Jahren streng eingehaltene Denkmalschutz nichts genutzt.

 

 

2

Deputy Smart hieß ja nicht wirklich so. Das war nur sein Spitzname. Weil er sich gern sehr smart gab, was bei den meisten Damen im Ort sehr gut ankam – und bei denjenigen, die nicht mehr darauf hereinfielen, hatte spätestens dann ein gewisser Lernprozess eingesetzt, als er ihr Herz gebrochen hatte.

In Wirklichkeit hieß Deputy Smart einfach nur Jeremy Steinschlager. Seine Vorfahren waren irgendwann aus Deutschland nach Amerika ausgewandert. Daher sein deutscher Nachname, der allerdings ursprünglich Steinschläger hieß. Daraus wurde dann im Zuge der Amerikanisierung eben Steinschlager.

Der smarte und mittlerweile mittelalte Deputy war auf Nachtschicht. Das war ihm persönlich am liebsten, denn das hieß: Endlich konnte er mal ausschlafen! Denn in diesem Nashville hier hatte die Polizei nur wenig zu tun – und wenn es wirklich einmal gravierend war, hielt sie sich sowieso heraus, weil es dann für die Stadt am besten war. Also hatte er sich hingelegt, in einer der fünf Zellen, auf die Pritsche, die gerade noch bequem genug war für ihn, und schlief den Schlaf der angeblich Gerechten.

Als das Telefon draußen in der Wachstube der Polizeistation läutete, bekam er das überhaupt nicht mit im Tiefschlaf. Erst als die Feuerwehrsirenen los heulten und den ganzen Ort in Alarm versetzten, erreichte es auch seinen schlummernden Geist.

Er schreckte hoch und brauchte Sekunden, um zu begreifen, wo er sich überhaupt befand. Aber dann rappelte er sich schleunigst auf, lief erst in die Wachstube und dann vor das Haus.

Der Feuerschein am Himmel war unübersehbar! Kein Wunder, denn die Ursache dieses Scheins befand sich nicht allzu weit von der Polizeistation entfernt: Das Rathaus brannte lichterloh.

Deputy Smart überlegte kurz. Sein Denken war immer noch ein wenig beeinträchtigt vom gerade erst überwundenen Schlaf, aber so viel war ihm klar: Zunächst einmal würde dieses Feuer nicht auf die ganze Stadt übergreifen, falls es der örtlichen Feuerwehr gelang, rechtzeitig vor Ort zu sein. Wie es aussah, konnten sie allerdings das Rathaus nicht mehr retten.

Dann hieb er sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, dass es nur so klatschte.

„Shit!“, fluchte er, denn ihm war gerade eingefallen, dass Sheriff Baker schon vor Jahren verfügt hatte, sämtliche Fallakten und überhaupt sämtlichen Schriftverkehr aus der Polizeistation in das Rathaus zu verlagern. Weil dort erstens alles sowieso sicherer aufbewahrt werden konnte – angeblich wohlgemerkt! - und weil zweitens dort die Digitalisierung von den städtischen Angestellten übernommen werden konnte.

Da hatte es keinen Polizisten gegeben, der sich über die Entscheidung Bakers nicht riesig gefreut hätte. Denn das sparte ihnen allen jede Menge Arbeit, die nun im Rathaus erledigt werden musste. Was sie außerdem auch noch als gerecht empfanden, denn diese hatten ja wohl sowieso nichts anderes zu tun, nicht wahr? Zumal sie sowieso seit Jahren sämtliche Akten und Unterlagen aus dem riesigen Archiv des Rathauses bereits zu digitalisieren versuchten.

Jetzt würde alles dies den Flammen zum Opfer fallen!

Und nicht nur das: Auch der Server, auf dem alle Daten bereits doppelt und dreifach gesichert worden waren, würde dieses Flammeninferno wohl kaum überstehen.

„Alles für immer verloren!“, murmelte er erschüttert vor sich hin.

Aber wer hätte denn ein Interesse daran gehabt, dies zu tun, also das Rathaus in Brand zu stecken, um alles zu vernichten, was diese Stadt jemals gespeichert hatte?

Er schüttelte den Kopf, denn die Antwort gefiel ihm ganz und gar nicht:

„Eigentlich fast alle in Nashville!“

Denn ihr ganz persönliches Nashville hier hatte eine Besonderheit, die sie wohl von den meisten Städten der USA eindeutig unterschied: Es gab nur zwei verschiedene Sorten von Menschen hier. Die eine Sorte, das waren die Kriminellen – und das andere waren diejenigen, die von der Kriminalität indirekt lebten!

Denn dieses Nashville hier lebte von einer ganz ausgefallenen Art von Landwirtschaft: Hier wurden im großen Stil allerlei Drogen angebaut, und jeder wusste das, der hierher gehörte.

 

 

3

Es lag an der Umgebung, streng genommen: Es gab einen See, mit dem Nashville schon immer versucht hatte, so etwas wie funktionierenden Tourismus aufzuziehen. Wohlgemerkt: Versucht! Leider war es noch niemals wirklich gelungen, denn Touristen wurden von zwei Dingen regelmäßig in die Flucht geschlagen: Im Winter von der klirrenden Kälte und einem völlig nutzlosen Schnee. Weil es noch nicht einmal einen Idiotenhügel gab geschweige denn so etwas wie ein richtiges Skigebiet in diesem viel zu flachen Land. Und im Sommer von mehr blutrünstigen und überdurchschnittlich aggressiven Insekten pro Quadratyard als der Himmel Sterne aufwies.

Also war man auf die schmalen Zeitfenster Frühjahr und Herbst angewiesen, was noch nicht einmal reichte, die vorhandenen Hotels und Lokalitäten zu rechtfertigen.

Aus der Not hatte man hier eine Tugend gemacht: Die wenigen Touristen, die hierher kamen, konnten leicht aus allem herausgehalten werden. Sollten sie sich doch wundern, wieso es diesem Ort so offensichtlich gut ging, ohne dass man erkennen konnte, woher das Geld floss. Die Nashviller waren routiniert darin, vom Wesentlichen abzulenken. Einschließlich natürlich die involvierte Polizei.