Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum:

© 2011 Bernd Sternal, Dr. Götz Wilde

Herausgeber: Verlag Sternal Media, Gernode

Gestaltung und Satz: Sternal Media, Gernrode

www.sternal-media.de
www.harz-urlaub.de

Coverzeichnung: Lisa Berg

2. Überarbeitete Neuauflage Januar 2014

ISBN: 978-3-8482-3323-6

Herstellung und Verlag:

Books on Demand GmbH, Norderstedt

Inhalt

Vorwort

Die Gesichter all derer, denen ich in Erfüllung meiner anwaltlichen Pflicht und inneren Leidenschaft nahestand und denen ich zu helfen suchte, begleiten mich bis an das Ende meiner Tage.

Was ist Recht, was ist Gerechtigkeit, wo ist Menschlichkeit, wo ist Gnade? Das Suchen nach Antworten wird nicht aufhören, solange Menschen mit ihren Leidenschaften auf dieser Erde leben. Endgültige Antworten wird es niemals geben, solange der Wandel der Zeiten und der Wechsel der Generationen immer neue Weisen des Fühlens und Denkens mit sich bringen.

Was aber Unrecht ist, wie sich Unmenschlichkeit darstellt, das ist in seinen Schreckensumrissen in unserer Epoche deutlich geworden, unbezweifelbar erlebt und erlitten als Auswirkung von Mächten, die das Sittengesetz verachteten und nach dem Weltgericht nicht fragten, schon gar nicht nach dem Jüngsten Gericht und der Verantwortung vor dem höchsten Richter. Die Erfahrung des Bösen ist unserer Zeit vielfältig zuteil geworden, und handelnd und leidend ist ein ganzes Land darin verstrickt gewesen und wird diesen Schatten nie von sich abtun können.

Die Geschichte kennt viele Gewaltherrschaften; die Zeit des Dritten Reiches fällt aus der Geschichte nicht heraus. Aber unbekannt war bis dahin die Verschleierungskunst, die Maskierung des Verbrechens, die der Gewalt im Namen der Tugend. Die Grausamkeit brachte es fertig, im Gewand der Gerechtigkeit aufzutreten und Millionen von Menschen für sich einzunehmen, die dem Wahren und Guten zu dienen glaubten. Der Terror fand im hellen Licht der Öffentlichkeit statt, und die Betroffenen klatschten ihm Beifall.

Meine Berliner Verteidigererlebnisse sind niedergeschrieben worden, um die Möglichkeiten und Arten des Widerstrebens zu zeigen. Auch der Ohnmächtige kann sich wehren, selbst in den Fesseln der Macht. Auch in diesen düsteren Zeiten ist es mitunter den Kräften der Seele und des Verstandes gelungen, der Willkür zu trotzen. Aber es bedurfte dazu nicht nur des Mutes, sondern auch der List, vielfältiger Verschleierung und mancher Umwege. Der Kampf der Anwälte galt erst einmal dem Leben der ihnen Anvertrauten, denen sie in dunklen Tagen, Wochen und Monaten oft der einzige innere und äußere Beistand waren. Aber er meinte auch immer das System der Gewalt, das eine ganze Nation in seinen Bann gezogen hatte.

Berliner Rechtsanwälte im Dritten Reich

Nach dem zwangsweisen Ausscheiden der sehr zahlreichen jüdischen Berliner Anwälte, von denen nur wenige als »Rechtskonsulenten« für ihre jüdischen Mitbürger noch einige Jahre wirken durften, verblieben 1935 zweitausend Rechtsanwälte und Notare in der Reichshauptstadt, die bei Kriegsbeginn über vier Millionen Einwohner zählte.

Mit der Entfernung der etwa sechshundert jüdischen Kollegen war eine geistige Elite aus dem Anwaltsstand ausgeschieden. In Berlin war ein sehr großer Teil der Rechtsanwälte nicht vorwiegend »forensisch«, das heißt als Prozessvertreter, sondern am zentralen Sitz der großen Banken, fast aller Reichsverbände der Wirtschaft und großen Organisationen als sogenannte Syndici und Verbandsjuristen tätig. Sie waren zwar als Rechtsanwälte und Notare zugelassen, traten jedoch bei den Gerichten - Berlin hatte bis 1938 drei Landgerichte, zwölf Amtsgerichte und das Kammergericht als Oberlandesgericht für Berlin und die Provinz Brandenburg, dazu das Kriminalgericht in Moabit - selten in Erscheinung. Hinzu kamen auch noch die Arbeitsgerichte und die Verwaltungsgerichte mit dem Preußischen Oberverwaltungsgericht als oberstem Gerichtshof.

Der Regelanwalt, also der Prozessanwalt, machte in Berlin höchstens die Hälfte aller zugelassenen Anwälte aus. Die Berliner Prozessanwälte unterschieden sich nach verschiedenen Gesichtspunkten. Eine kleinere Gruppe gehörte zu den nur beim Kammergericht zugelassenen Anwälten, die in Zivilsachen ausschließlich in Berufungsverfahren tätig waren, welche in erster Instanz vorher bei den Landgerichten geführt worden waren. Beim Landgericht waren die meisten Rechtsanwälte zugelassen, zugleich auch bei den Amtsgerichten. Die Kammergerichtsanwälte durften auch bei den Amtsgerichten auftreten, was sie aber selten taten. Sie blieben in der höheren Sphäre des Kammergerichts in der staubfreien Luft geistiger Jurisprudenz lieber unter sich. Es waren die Feld-, Wald- und Wiesen-Anwälte, die die Amtsgerichte und die über einhundert Zivilkammern der Landgerichte beherrschten. Diese wurden 1938 in ein zentrales Landgericht im großen Stadtgerichtsgebäude in der Grüner- und Neuen Friedrichstraße am Alexanderplatz zusammengelegt.

Viele Prozessanwälte waren auch spezialisiert auf die verschiedenen Rechtsgebiete des Handelsrechts, des Urheberrechts, des Arbeitsrechts. Die Anwälte, die bevorzugt als Strafverteidiger arbeiteten, waren selten Prozessanwälte in Zivilsachen. Viele Anwälte schlossen sich zu Sozietäten oder Bürogemeinschaften zusammen.

In großen Anwaltsfirmen waren vielfach zwei, sechs oder acht Anwälte vereint, von denen jeder meist ein besonderes Spezialgebiet hatte.

Es gab auch sogenannte Scheidungsanwälte in Berlin wie in anderen Großstädten auch, ein höchst langweiliges Rechtsgebiet und nur wegen des Streitwerts vielleicht interessant. Besonderes rechtliches Können war und ist für solche Prozesse kaum erforderlich, sie beherrscht jeder Durchschnittsanwalt. Gefragte Scheidungsanwälte sind ähnlich großstädtischen Frauenärzten oft Gesellschaftslöwen; stattliche Männlichkeit, gutes Aussehen und effektvolle Garderobe sind eindrucksvollem Auftreten daher notwendige Attribute.

Die Strafverteidiger sind in Berlin eine Gruppe für sich gewesen. Sie erwarben sich ihren Namen meist durch die Gerichtsberichterstattung der Boulevardzeitungen über aufsehenerregende Kriminalfälle. Es gab unter ihnen herausragende Persönlichkeiten wie den Justizrat Bahn, der den »Hauptmann von Köpenick« verteidigt hatte und den ich noch kennenlernte, Professor Aisberg, der sich nach 1935 das Leben nahm, Dr. Frey, der im Steglitzer Schülermord-Prozess von 1927 den Freispruch des Primaners Kranz erreicht hatte, Dr. Sack, den Verteidiger des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Torgler im Reichstagsbrand-Prozess, Arno Weimann und nach dem Kriege Dr. Rogge; sie alle ragten als vorzügliche Strafjuristen hervor. Jeder Anwalt kann vor jedem Gericht als Strafverteidiger auftreten, in sämtlichen Instanzen, daneben alle ordentlichen Universitätsprofessoren des Strafrechts in Rechtsfakultäten. Für bestimmte Kapitalverbrechen ist nach dem Gesetz eine anwaltliche Verteidigung vorgeschrieben. Wenn sich kein Verteidiger, der vom Angeklagten gewählt worden ist, findet, muss das Gericht einen Pflichtverteidiger beiordnen, der seine Gebühren aus der Staatskasse erhält.

Auch die Örtlichkeiten der Büros gaben gewisse Anzeichen für die Art der Anwälte. Die in den vom Zentrum weiter entfernt liegenden Vororten ansässigen Anwälte waren stark an ihre örtlichen Amtsgerichte gebunden; man sah sie seltener am zentralen Landgericht als die Anwälte, die in den Geschäftszentren am Alexanderplatz, in der Leipziger, Friedrich- und Potsdamer Straße oder am Kurfürstendamm und Tauentzien im Bereich des Bahnhofs Zoo ihre Büros hatten.

Für die Anwälte, die es zeitlich nicht schafften, gleichzeitig stattfindende Termine an Amtsgerichten und am Landgericht wahrzunehmen, gab es Kollegen, die als sogenannte Terminvertreter ihr berufliches Dasein damit ausfüllten, für den vertretenen Kollegen bei Aufruf der Sache zur Stelle zu sein und die schon in den Schriftsätzen gestellten Anträge mündlich in Bezug zu nehmen, um Erklärungsfrist auf einen Schriftsatz des Gegners oder um Fristverlängerung zur Einreichung eines Schriftsatzes zu bitten. Sie kannten den Akteninhalt meist gar nicht, weil ihnen die Akten oft spät - erst morgens ins Anwaltszimmer durch Eilboten oder frühestens am Abend zuvor - überbracht wurden. Diese Kollegen saßen im Anwaltszimmer des Landgerichts, alle Prozessanwälte und fast jeder Richter kannte sie; sie hatten keine Büros und Mandanten und höchstens eine Stundenschreibhilfe. Ab mittags bis zum nächsten Morgen hatten sie frei, nachdem sie mit fünf bis sechs Vertretungen ihr dürftiges Brot verdient hatten. Mitunter waren es liebenswürdige Lebenskünstler. Aus Erfahrung hatten sie eine Begabung entwickelt, die Prozessparteien zu beschwichtigen, die über das Nichterscheinen des beauftragten Vertrauensanwalts empört waren. In der riesigen Reichshauptstadt ging es wirklich oft nicht anders, weil man nicht überall gleichzeitig sein konnte und abzuwägen hatte, welche Terminwahrnehmung nun die wichtigste war.

Der Kreis wirklich überzeugter Nationalsozialisten war verhältnismäßig klein, auch wenn sich nach 1933 viele Anwälte aus Opportunismus, Bequemlichkeit, Existenzsorge oder Karrierelust das Parteibuch besorgt hatten oder in Parteigliederungen eingetreten waren. Man kannte sie im allgemeinen; auch im Anwaltszimmer bildeten sie immer eine Gruppe für sich, redeten politische Phrasen, ließen den »Völkischen Beobachter« aus der Jackentasche ragen und hatten den berüchtigten »Bonbon« im Knopfloch des Rockaufschlages, einige sogar das mit einem Goldrand verzierte Parteiabzeichen der »Alten Kämpfer«, die schon vor 1933 in die Partei gegangen waren und eine niedrige Mitgliedsnummer besaßen. Diese Herren kannte man namentlich, es waren ihrer nicht mehr als sechs. Ihre Kanzleien wuchsen nach 1933 sprunghaft an Aufträgen und Mitarbeitern. Aber ihr Selbstgefühl wurde durch einen distanzierenden Dunstkreis der Vorsicht und des kühlen Abstands beeinträchtigt, der ihnen von allen Kollegen entgegengebracht wurde.

Kam ein neuer oder selten gesehener Kollege in diesen großen Kreis der ständigen Prozessanwälte ins Anwaltszimmer, das in Wirklichkeit aus drei Sälen und einem Frühstücksraum bestand, so wurde er zunächst einmal von den unermüdlichen Anwaltsdienern in unauffällige Gespräche verwickelt, in die alsbald Witze eingeflochten wurden. Vermittels solcher Witze, die vorsichtig andeutende, aber auch stark politische Akzente haben konnten, wurde der Neuling vorsichtig abgetastet. Je nach seiner Reaktion erfuhren wir von diesen im echten Wortsinne »gewitzten« Anwaltsdienern ihr Urteil; was sie an Bewertung vertraulich weitergaben, war anerkannt und maßgebend. Man wusste sogleich, ob es sich bei dem Neuen um einen »Heißen«, »Lauwarmen« oder »Kalten« handelte, wie Signale wurden die Warnungen oder Beruhigungen weitergegeben.

Dies war so schon lange vor Kriegsbeginn. Nach 1939 wurde alles viel kritischer und schwieriger. Sehr viele jüngere Anwälte wurden zum Kriegsdienst eingezogen, und viele alte, bisher selten wahrgenommene Kollegen traten an ihre Stelle. Auch in der Zeit sich verstärkenden Druckes und wachsender Gefährlichkeit ist mir kein Fall bekanntgeworden, dass von Seiten der »Heißen«, die in der zweiten Hälfte des Krieges ab 1943 ja viel stiller wurden, gegen die »Lauwarmen« oder »Kalten« Provokationen oder Denunziationen vorgekommen sind, was man von anderen Berufssparten nach meinen Erfahrungen nicht sagen kann.

Die Distanzierung von den offenen Anhängern des Regimes, wie sie in der Berliner Anwaltschaft vorherrschte, hatte aber wohl auch den Grund, dass die 1933 schon vorhandene und bis 1939 noch nachwachsende Anwaltsgeneration eine wissenschaftliche Schule und praktische Ausbildung hinter sich hatte, die sie durch ihre demokratische und sittliche Prägung davor bewahrte, zum Verräter an jener Sache zu werden, der zu dienen sie sich berufen fühlte: nämlich für Recht und Gerechtigkeit jederzeit einzutreten, das hieß, dem Recht des einzelnen gegen andere - private oder öffentliche - Ansprüche Geltung zu verschaffen. Mit den Sprüchen und Parolen der Nazipropaganda, mit Führerbefehlen, mit dem gesunden Volksempfinden und dem neuen »Recht, das dem Volk nützt« wussten die wenigsten Rechtsanwälte etwas anzufangen. In der Anwendung solcher neuer Rechtsbegriffe ließen die Anwälte den beamteten Richtern und Staatsanwälten gern den Vortritt - die »mussten« ja wohl, die Anwälte noch lange nicht. Wer sich unter diesen, durch lange Übung und Erfahrung geschulten Anwälten in einer Weltstadt wie Berlin im schriftsätzlichen oder mündlichen Verkehr als Nazi offenbarte, der wurde von der Mehrzahl seiner Kollegen misstrauisch betrachtet und war schnell isoliert.

Gewiss haben Furcht vor Terror, Angst vor Existenzverlust offene Opposition verhindert. Zum Widerstand und zum Putsch gehören aber Organisation und Machtinstrumente. Die hatte damals nur die Wehrmacht, die Juristen nicht. Auch waren von ihnen die wenigsten zu Märtyrern geboren. Aber eines darf festgehalten werden: Je deutlicher wurde, dass die Gewaltherrschaft sich brutal über das allgemeine Sittengesetz hinwegsetzte und immer offener dazu überging, die Justiz als ein politisches Werkzeug zur Domestizierung des Volkes zu missbrauchen, um so entschlossener wurden zahlreiche Anwälte, sich der Willkür - in Einzelfällen sogar mit ungesetzlichen Mitteln - zu widersetzen, um zu retten, was irgend zu retten war. Für politische Täter, soweit sie nicht sofort durch die Gestapo in die Konzentrationslager verschleppt worden waren, galt das in besonderem Maße. Aber selbst den Lager-Häftlingen konnte manchmal geholfen werden.

Solches Arbeiten vollzog sich im Dunkeln und Halbdunkeln, im Zwiegespräch, oft in stummer Übereinstimmung. Das Verschwiegene, Halblaute, Ungesagte bestimmte das Tun, wenn es von Nutzen sein sollte. An diesem Netz wirkten nicht nur Gegner des Regimes mit, manchmal auch gerade Personen, die es sich kraft ihres Parteiabzeichens oder aufgrund guter Beziehungen nach oben leisten konnten, Unrecht noch Unrecht zu nennen; das darf der Gerechtigkeit wegen nicht vergessen werden. Und jeder, der den Mut dazu hatte, musste ihn auch haben, denn man lebte gefährlich. In diesen Tagen und Nächten des Bombenkrieges, in denen Berlin mehr als fünfzigtausend Ziviltote beklagte und siebzig Prozent seines Gebäudebestandes zerstört wurde, durchlebte man die Gefahren und auch Schrecken des Verteidigerberufes. Der tägliche Umgang brachte uns oft mit zweifelhaften Gestalten in Büros, in Zuchthaus-Zellen und in Verhandlungssälen zusammen, eine Heerschar von Mandanten, Zeugen, Richtern, Kollegen, Angeklagten, Denunzianten und Wärtern, wo jedes falsche Wort den Anwalt zum Häftling machen konnte.

Verteidiger mussten gute Psychologen sein und durften sich nicht scheuen, auch illegale Mittel anzuwenden, Urkundenfälschungen und Bestechungen. Dass in einem Unrechtsstaat Unwahrheiten, Lügen und Täuschungen zum rettenden Handwerkszeug werden können, das waren Erfahrungen, die auch wir erst machen mussten. Es gehörte auch die Erniedrigung dazu, mit einflussreichen Gewalthabern gute Beziehungen zu unterhalten und zweifelhafte Verbindungen zu pflegen. Das war mitunter demütigender als jene Bestechungen, Nötigungen und Erpressungen, die oft die letzte Chance für Todeskandidaten waren.

Die Bosheit war oft dumm und ihr Apparat schwerfällig. Das erleichterte die Gegenarbeit. In manchen Positionen der Macht saßen aber auch intelligente Gegenspieler, mit denen die Klingen nur mit größter Vorsicht gekreuzt werden konnten. Ich denke vor allem an die Spitzen im Reichssicherheitshauptamt, im Reichskriminalamt und im Reichsjustizministerium. Sie zu überspielen waren Kunststücke, die nur selten gelangen. War es einmal der Fall, ließ es sich nicht wiederholen.

Für alle jene Kollegen, die im Dienst des Rechts und ihrer Schutzbefohlenen auf diesem unbekannten Felde inneren Widerstands ihr Leben eingesetzt und geopfert haben, stehen die Namen der Berliner Rechtsanwälte

Dr. C. Langbehn

Dr. K. Bonhoeffer

Dr. A. Edscheid

Dr. J. Wirmer,

die selber Opfer der Willkür wurden, hingerichtet »Im Namen des Deutschen Volkes«. Ihrem geistigen Fortleben gelten diese Erinnerungen eines ehemaligen Berliner Verteidigers, der in seiner Arbeit für die ihm Anvertrauten das Glück hatte, zu überleben.

Der Volksschädling am Pranger

Unter diesem Titel gab das Reichsamt »Deutsches Volksbildungswerk«, eine Einrichtung der NS-Organisation »Kraft durch Freude«, eine »Aufklärungsschrift im Großdeutschen Freiheitskampf« heraus, die 1941 von dem Leiter der Justizpressestelle Berlin, Regierungsrat Alfred Klütz, verfasst worden war. Das Geleitwort hatte Staatssekretär Dr. Roland Freisler geschrieben.

In der hundertseitigen Publikation wird nach eineinhalb Kriegsjahren eine ausgewählte Übersicht gegeben über die markantesten Fälle, die in der sogenannten Kriegsstrafrechtspflege gegen sogenannte »Volksschädlinge« von den Sondergerichten und vom Volksgerichtshof abgeurteilt worden waren. Nach dem Inhaltsverzeichnis werden der politische und militärische Staatsfeind, der Wirtschaftsparasit, der Berufsverbrecher, der Sittlichkeitsverbrecher, der Verdunklungsverbrecher, der destruktive Außenseiter und der Schmarotzer im Alltagsleben als Volksschädlinge aufgezählt. Aus Abschreckungsgründen werden die gegen solcherart Personen ergangenen Todes- und langjährigen Zuchthausstrafen unter Darstellung der abgeurteilten Handlungen aufgezählt und als Säuberungsaktionen zur Gesunderhaltung des Volkskörpers begrüßt. Auf zwei Seiten dieses Pamphlets ist eine »Strafsache gegen Schröder und Dockhorn« geschildert unter der Überschrift »Todesstrafe für einen Hühnerdieb«.

Mit dem Kriegsbeginn am 1.9.1939 war eine Fülle von schon längst vorbereiteten Gesetzen und Verordnungen in Kraft getreten, die allesamt auf eine erhebliche Verschärfung der bisher gesetzlich zulässigen Strafmaße abgestellt waren und außerdem neue Straftatbestände einführten, wie etwa das Abhören feindlicher Sender, Verletzungen der Lebensmittelkarten-Bestimmungen, wehrkraftzersetzende Äußerungen und dergleichen Delikte. Die sogenannte »Volksschädlingsverordnung« setzte neues Sonderstrafrecht. Im September und Oktober 1939 lagen für uns Strafverteidiger die ersten Erfahrungen mit der Kriegsstrafrechtsprechung vor. Damals wurden Entrüstung und Unmut noch offen im Anwaltszimmer geäußert; manche Akten flogen mit Ausrufen auf den Tisch: »Das mache ich nicht mehr mit!« oder »Was ist bloß in diese Kammer gefahren?« oder »Das ist ja der helle Wahnsinn« und »Was hat das noch mit einem Rechtsstaat zu tun?«

Am Ende des ersten Kriegsmonates erschien bei mir eine blasse junge Frau einfacher Herkunft mit der Bitte, die Verteidigung ihres Mannes zu übernehmen, der wenige Tage zuvor verhaftet worden war und im Untersuchungsgefängnis Moabit einsaß. Es war Alfred Dockhorn, neunundzwanzig Jahre alt, seit vier Jahren verheiratet, zwei Kinder, von Beruf Schneidergeselle, in einem Konfektionsladen am Berliner Alexanderplatz beschäftigt mit 32,- RM Wochenlohn. Die Frau arbeitete in einer Fabrik, die Großmutter versorgte die Kinder.

In seinem Betrieb hatte Dockhorn einen Mann namens Karl Schröder kennengelernt, der mit seinem Kleinwagen ab und zu Transportfahrten für den Betrieb ausführte. Etwa im Juli 1939 erzählte Schröder, dass er in einem Berliner Vorort einen Onkel habe, der wegen der Beschaffungsschwierigkeiten für Futtermittel nach und nach seine Hühnerfarm aufgeben und sich zur Ruhe setzen wolle. Ob Dockhorn nicht in seinem Bekanntenkreise Hühner verkaufen wolle, die er aus den geschilderten Gründen zum Vorzugspreise erhalten könne. Dockhorn war durchaus gewillt, sich einen Nebenverdienst zu verschaffen, und sagte sofort zu, sich um Käufer bemühen zu wollen. Schröder bot ihm je verkauftes Huhn eine Provision von 1,50 RM. Von Ende Juli bis Mitte September verkaufte Dockhorn dann ungefähr vierzig Hühner an verschiedene Verwandte und Bekannte, wofür er insgesamt rund 60,- RM Provision verdiente. Dann flog das Geschäft plötzlich auf. Schröder war verhaftet worden, kurz nach ihm auch Dockhorn.

Es stellte sich heraus, dass Schröder wegen Diebstahls mehrfach vorbestraft war. In nächtlichen Einsteigediebstählen hatte er während der letzten Monate Hühner, aber auch Enten und Kaninchen aus Laubenkolonien entwendet und die Tiere meist sogar noch an Ort und Stelle geschlachtet. Die Hühner gab er fast alle an Dockhorn weiter, die Enten und Kaninchen verzehrte er teils selbst, teils weckte er sie ein. Als ich ihn in der Untersuchungshaft besuchte, versicherte Dockhorn mir glaubhaft, dass er den Erzählungen Schröders, der ein gewiefter Ganove von der kleinen Sorte war, geglaubt habe. Dockhorn war ein eher schüchterner Typ, der von allein nie strafbare Handlungen begangen hätte. Nur die Aussicht auf zusätzlichen Verdienst hatte ihn in die Falle gelockt, der Hühnerdieb hatte ihn mit Biedermanns-Miene geschickt für seine Zwecke eingespannt.

Die Anklage lautete gegen den Haupttäter Schröder auf fortgesetzten schweren Diebstahl im Rückfall; da er die Taten teilweise unter Ausnutzung der Verdunklung begangen habe, sei er darüber hinaus als »Volksschädling« zu verurteilen. Dockhorn wurde wegen fortgesetzter Hehlerei angeklagt.

Die Hauptverhandlung fand Anfang Oktober 1939 vor dem Sondergericht II im Kriminalgericht Moabit statt. Der Zuhörerraum war dicht gefüllt, die Ehefrau des Angeklagten Dockhorn und einige geschädigte Laubenkoloniebesitzer waren als Zeugen geladen, darunter auch derjenige, der Schröder nachts auf frischer Tat gestellt und dingfest gemacht hatte.

Die Angeklagten waren geständig, was den Handlungsablauf anging. Dockhorn bestritt aber entschieden, von der gesetzwidrigen Herkunft der Hühner gewusst zu haben. Der Angeklagte Schröder belastete ihn jedoch insofern, als er sagte, das hätte sich Dockhorn doch wohl denken können, dass die Hühner ihm nicht zugeflogen wären. Schröder sah sich verloren und wollte nach Ganovenart seinen Mittäter mit hineinziehen; dies ist eine alte Erfahrung der Verteidiger von Straftätern aus diesem Milieu. Dockhorn blieb bei seinen Angaben; seine Ehefrau erklärte weinend als Zeugin, sie habe von den Hühnerverkäufen gar nichts gewusst; sie sei geradezu verwundert gewesen, dass ihr Alfred zweimal ein geschlachtetes Huhn mitgebracht und auf Befragen gesagt habe, sie seien ihm von Bekannten geschenkt worden.

Die Verhandlung ging ziemlich eilig über die Bühne. Der Vorsitzende donnerte die Angeklagten an und schien einigermaßen uninteressiert, wo hier die Wahrheit lag. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schröder als Berufsverbrecher und Volksschädling die Todesstrafe, weil er die letzten drei oder vier Hühner nach Kriegsausbruch unter Ausnutzung der Verdunklung gestohlen hatte. Gegen Dockhorn beantragte er wegen fortgesetzter Hehlerei eine Zuchthausstrafe von zehn Jahren und zehn Jahre Ehrverlust.

Uns Verteidigern blieb bei diesen Strafanträgen der Atem weg, von den beiden Angeklagten und dem Publikum ganz zu schweigen. Die Angeklagten wurden kalkweiß, aus dem Zuschauerraum kamen schrille Rufe der Angehörigen. Zum ersten Mal erlebte ich, dass auch das Publikum unruhig wurde. Der Vorsitzende gebot Ruhe. Die Verteidiger erhielten das Wort.

Hühnerdiebstahl und Hehlerei an verhältnismäßig geringwertigen Sachen wie hier waren Delikte, für die es bisher höchstenfalls Gefängnisstrafen mäßigen Umfangs gegeben hatte, bei Rückfalltätern in Sonderfällen vielleicht ein bis drei Jahre Zuchthaus; auf Todesstrafe und zehnjähriges Zuchthaus waren die Strafverteidiger bei solchen Lappalien noch nicht eingestellt.

Mein Kollege hatte es schwerer als ich, da es um den Kopf seines Mandanten ging. Er tat es mit aller Überzeugungskraft, deren er fähig war. Man spürte deutlich, dass er es selber nicht fassen konnte, einen Hühnerdieb als »Volksschädling« im Sinne des neuen Strafgesetzes charakterisiert zu sehen. Aber allein die Tatsache, dass Schröder einige Hühner noch in den ersten Septembertagen, also nach Einführung der Verdunklungspflicht gestohlen hatte, reichte aus, um die Todesstrafe nach den Buchstaben des Gesetzes zu rechtfertigen. Als ob ein kleiner Ganove begriffen hätte, dass er das Fallbeil riskierte, wenn er nach Kriegsausbruch nachts auf Beute ging!

Ich glaubte, es leichter zu haben; in der Tat deutete nichts darauf hin, dass Dockhorn eine Ahnung von der Herkunft jener Hühner gehabt hatte. So plädierte ich auf Freispruch mangels Beweises, da dem Angeklagten nicht zu widerlegen sei, dass er von den Diebstählen seines »Geschäftspartners« nichts gewusst habe.

Die anderslautende Aussage des Mitangeklagten Schröder müsse bei der Bewertung von Dockhorns Glaubwürdigkeit außer Betracht bleiben, da nicht auszuschließen sei, dass Schröders Behauptung der Ganoven-Mentalität entspreche, andere noch mit ins Unglück zu reißen, wenn man selbst als Straftäter überführt sei. Ich pochte auf die bisher straffreie Führung meines Klienten, auf seine ordentlichen Familienverhältnisse und die ihm von seinem Arbeitgeber bescheinigte Zuverlässigkeit und führte all das auch als Umstände an, die - falls das Gericht wider Erwarten zu einer anderen Beweiswürdigung als ich kommen würde - allesamt die Beschränkung der Strafe auf ein Mindestmaß rechtfertigen müssten.

Das Sondergericht fackelte nicht lange. Als es nach seiner Beratung, die wenige Minuten gedauert hatte, wieder erschien, verurteilte es Schröder antragsgemäß zum Tode, meinen Klienten Dockhorn zu acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Das Urteil war rechtskräftig.

Schröder wurde nach der Ablehnung seines Gnadengesuches bereits eine Woche später, Ende Oktober 1939, durch das Fallbeil hingerichtet. Dockhorn saß bis Mitte 1944 im Zuchthaus. Zwei in Abständen von zwei oder drei Jahren von mir vorgelegte Gnadengesuche mit dem Ziel vorzeitiger Entlassung unter Bewährung wurden abgelehnt. Gegen Ende des aussichtslos gewordenen Krieges waren dann auch die Zuchthäusler noch würdig, für das Vaterland zu kämpfen. Dockhorn wurde zur Front-Bewährung in das »Strafbataillon 999« eingezogen. Jener vielleicht noch nicht einmal bewusst erschwindelte Nebenverdienst von 60,- RM ist aller Voraussicht nach mit dem Heldentod für das Vaterland bezahlt worden. Aus den Strafbataillonen der Wehrmacht und Waffen-SS sind kaum Lebende wiedergekehrt. Seine Familie und ich haben von Dockhorn nach dem Kriege nichts mehr gehört.

Mein Freund Hermann Göring

So nannte er ihn gern, um Aufsehen, Achtung und Vertrauen zu erlangen - besonders wenn es sich um erbetene Freundschaftsdarlehen oder um Bürgschaften für Bankkredite handelte. Von Beruf war er Schauspieler, der Herr K. R. - sein Zuname kennzeichnet jenen Zustand, in den er sich kraft starker Neigung zum Alkohol öfter versetzte und den er bei seinen Zuschauern und Zuhörern gern bemerkte, wenn es ihm gelungen war, diesen Zustand durch seinen Redeschwall, seine Gebärden und Gestik in anderen zu erzeugen. Zunächst erfuhr ich von ihm nur vom Hörensagen und aus der juristischen Fachliteratur. Mein zum Wehrdienst eingezogener Sozius hatte Herrn R. einmal anwaltlich betreut.

Es war ein spektakulärer Fall gewesen, der Anfang der dreißiger Jahre durch die Berliner Presse gegangen war. Der Schauspieler und Theaterunternehmer war wie meist in starker pekuniärer Bedrängnis. Seine zahlreichen Gläubiger hatten ihn zum Offenbarungseid zwingen wollen, nachdem alle Pfändungsversuche in seiner Wohnung in Berlin-Westend fruchtlos verlaufen waren. Dort waren nämlich nur noch wenige unpfändbare Gegenstände des täglichen Gebrauchs gewesen, nun hatten die Gläubiger wissen wollen, wo seine bekannten wertvollen Einrichtungsgegenstände, die antiken Möbel, echten Teppiche, Gemälde und Skulpturen geblieben waren. Seine Meisterschaft im Hinhalten, in immer neuen Versprechungen und Vertröstungen hatte lange Zeit hindurch vorgehalten, und mit immer neuen Darlehen hatte er auch immer wieder Löcher gestopft. Aber nun war er am Anfang seines vierzigsten Lebensjahres doch in ärgste Bedrängnis geraten. Der leiderprobte Gerichtsvollzieher hatte schon gelernt, dass es sich hier um einen jener Schuldner handelte, die es mit vielerlei Winkelzügen verstehen, ihre Dinge den Kuckucks-Stempeln des Vollstreckungsbeamten zu entziehen. Seine Familie hatte R. aufs Land zu Freunden verfrachtet, er selbst war, schon einige Zeit stellungslos, nur noch selten in seiner Wohnung, allenfalls zur Nachtzeit. Er schlief oft bei Freunden, alles nur, um dem Beamten mit dem bösen Kuckuck ein Schnippchen zu schlagen.

Endlich hatte sich der Gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Charlottenburg aber einen Vorführungsbefehl zur Ableistung des Offenbarungseides verschafft, nachdem R. auf immer erneute gerichtliche Terminvorladungen nicht reagiert hatte. Mit diesem, einem Haftbefehl gleichartigen Vorführungsbefehlwartete der Gerichtsvollzieher eines schönen Morgens vor dem Hause des Herrn R. in der Bretschneiderstraße schon seit sieben Uhr früh, nachdem er spät abends R.s Auto vor der Haustür hatte stehen sehen, einen grünen Opel-Laubfrosch, den das Vollstreckungsgericht als unentbehrlich zur Berufsausübung eines Schauspielers und daher für unpfändbar erklärt hatte. Das hatte den Gerichtsvollzieher, der den Opel schon vergeblich gepfändet hatte, ernsthaft gewurmt, wobei mitspielen mochte, dass er selber auf Straßenbahn und Omnibus angewiesen war. Jedenfalls hatte er vor, R. diesmal festzunehmen, sobald er aus der Haustür treten würde. An der Wohnungstür zu klingeln, hatte er längst aufgegeben, denn da machte niemals jemand auf.

So hielt sich der Beamte in der Nähe der Haustür an einem Mauervorsprung versteckt. Er musste lange warten, aber sein Ausharren wurde gegen zehn Uhr doch belohnt. Gut ausgeschlafen trat Herr. R. rüstigen Schrittes aus der Tür und wendete sich seinem Wagen zu. Der Gerichtsvollzieher setzte seine strengste Amtsmiene auf, ging auf R. zu und sagte: »Herr R., Sie sind verhaftet zwecks Vorführung beim Amtsgericht!« Der Angesprochene reagierte aber ebenso wortlos wie blitzschnell. Er schlug einen Haken und sprang in sein Auto. Als er den Startschlüssel drehte und der Motor auch sogleich ansprang, war der Gerichtsvollzieher jedoch schon neben ihm und schrie auf ihn ein: »Sie sind verhaftet! Halt! Sie bleiben stehen!« R. sagte gar nichts, sondern fuhr langsam an. Da warf der Gerichtsvollzieher seine Mappe ins Auto und sprang auf das Trittbrett des fahrenden Autos und versuchte dem Fahrer ins Steuerrad zu greifen. R. aber fuhr nur schneller, der unglückliche Gerichtsvollzieher musste sich festhalten, um nicht herunterzufallen. Er rief zwar immer wieder: »Halten Sie an! Sie sind verhaftet! Halten Sie sofort an, Herr R. Sie machen sich strafbar!« Aber das rührte R. wenig. Er fuhr und fuhr. Zuerst zweimal um ein Rondell in der Nähe seiner Wohnung, dann die Heerstraße herunter, einmal um den Reichskanzlerplatz, dann in die Masurenallee und weiter am Funkturm und den Messehallen vorbei in die Kantstraße hinein. Ampeln gab es damals erst ganz wenige, und R. fuhr so geschickt, dass er die Ampeln immer bei Grün erreichte. Schließlich ging es an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche vorbei, dann über den Tauentzien, den Wittenbergplatz, den Nollendorfplatz und immer weiter in den Bezirk Kreuzberg hinein. Der Gerichtsvollzieher verwendete seine ganze Kraft darauf, sich festzuhalten. Alle Beschwörungen rührten R. nicht. Er fuhr immer weiter und sagte ab und zu: »Achtung, Kurve, festhalten!«, dann bog er das eine Mal nach links ab, das nächste Mal nach rechts. In der Tempelhofer Gegend fing der Motor wegen Benzinmangels an zu stottern. R. steuerte den Wagen zu einer Haltestelle, der sich gerade ein Bus nahte. Dann sprang er heraus, war mit einem Satz auf dem abfahrenden Bus und winkte dem nachsetzenden Gerichtsvollzieher fröhlich zu mit den Worten: »Also, bis zum nächsten Mal, mein Lieber!«

Dieser Meisterstreich hatte zwar die Ableistung des Offenbarungseides erfolgreich verzögert, aber letztlich nicht verhindert.

Das nächste Mal hatte der Gerichtsvollzieher die Polizei zur Hilfe, deren Zugriff R. sich nicht entwinden konnte. Hinzu kam, dass sein allzu filmgemäßes Auftreten dem Schauspieler ein strafrechtliches Nachspiel eintrug. Aufgrund einer Anzeige des Gerichtsvollziehers wurde R. wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt angeklagt. Dieser Straftatbestand erfordert eine körperliche Widerstandsaktion gegen einen Beamten während dessen dienstlicher Handlung. Mein Sozius hatte geltend gemacht, dass es in diesem Falle zweifelhaft sei, ob die dienstliche Handlung des Beamten schon begonnen hatte, als R. mit dem Auto davonfuhr. Der Beschuldigte hätte mindestens Gelegenheit haben müssen, zunächst von dem schriftlichen Vorführungsbefehl des Gerichts im Wortlaut Kenntnis zu erhalten; mit den mündlichen Hinweisen auf deren Existenz sei noch keine Amtshandlung in Gang gekommen. Außerdem sei die Fortbewegung eines Autos, auf dessen Trittbrett sich ein Gerichtsvollzieher befinde, keine Ausübung körperlichen Widerstandes gegen denselben. So die Verteidigung. Der Amtsrichter hatte sich diesen Zweifeln durch Verkündung eines Freispruchs angeschlossen. Der Staatsanwalt legte Berufung mit dem Erfolg ein, dass R. wegen Widerstandes zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt wurde. Gegen dieses Urteil legte R. nun wiederum Revision beim Reichsgericht ein, die aber als unbegründet zurückgewiesen wurde. So kam es, dass R.s Autofahrt mit dem Gerichtsvollzieher zum Gegenstand einer höchstrichterlichen, in Juristenkreisen mit Schmunzeln vielbeachteten Rechtsprechung der dreißiger Jahre geworden war.

Diese Geschichte fiel mir ein, als ich Mitte des Jahres 1940 Besuch von einem Gruppenführer des NS-Fliegerkorps erhielt, den ich einige Zeit zuvor in seiner recht komplizierten Scheidungsangelegenheit erfolgreich vertreten hatte. Als er den Namen R.s nannte und mich fragte, ob ich ihm wohl in einer ziemlich unangenehmen Situation behilflich sein würde, erinnerte ich mich an jene Affäre mit dem Trittbrett-fahrenden Gerichtsvollzieher und fragte, ob R. wieder jemand gegen dessen Willen spazieren gefahren habe. Nach weitschweifigen Erklärungen meines Gegenübers, dass er R. schon aus dem Ersten Weltkrieg kenne und dass sie trotz sehr verschiedener Lebenswege über all die Jahrzehnte hinweg befreundet geblieben seien, woraus man aber nicht auf gleiche politische Überzeugungen schließen dürfe, kam endlich folgendes ans Licht: R. befand sich zurzeit als Gestapohäftling in einem oberschlesischen Schutzhaftlager bei Sosnowitz. Die Gründe waren meinem Besucher im Einzelnen nicht näher bekannt. Es sei für das NS-Fliegerkorps aber eine peinliche Angelegenheit, da es R. selber nach Kattowitz entsandt habe, um im dortigen Raum, der nach dem Sieg über Polen 1939 in das Deutsche Reich »rückgegliedert« worden war, NS-Fliegerstürme aufzustellen.

Man habe R. eine Grundausstattung von 5000,- RM als Vorschuss gewährt, der aus den Gewinnen zurückgezahlt werden sollte, welcher sich aus der Übernahme und der Weiterführung eines bisher in polnischem Besitz befindlich gewesenen Varietés in Kattowitz ergeben sollte. Irgendetwas müsse da aber schiefgegangen sein. Zwar seien einige neue NSFK-Stürme aufgestellt worden, R. scheine sich dann aber um deren Ausbildung gar nicht mehr gekümmert zu haben ; was mit dem Varieté geworden sei, wisse man auch nicht. Die Gestapo in Berlin gebe keine Auskünfte und verweise die NSFK-Führung an den SS- und Polizeiführer in Kattowitz. Ob ich den Auftrag übernehmen würde, erst einmal überhaupt herauszubekommen, was mit R. geschehen sei und wie man ihm helfen könne. Für meine Kosten stehe er gerade. Die Sache erfordere jedoch strengste Diskretion, das Nationalsozialistische Fliegerkorps wolle offiziell nicht tätig werden.

Es war deutlich, dass der Gruppenführer sich offenbar auf eine zweifelhafte Sache eingelassen hatte, aus der er und sein NS-Fliegerkorps sich möglichst schnell wieder herauswinden wollten. Meine Fragen galten R.s Werdegang, den ich kennen musste, wenn ich in mutmaßlich heikler Angelegenheit für ihn tätig werden sollte.

R. war als Konditorlehrling aus dem väterlichen Geschäft im Rheinland wegen eines unstillbaren Dranges zur Bühne ausgerissen und hatte gerade einige Wanderjahre an kleineren Theatern hinter sich gehabt, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Er hatte sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet und war im Laufe der Feldzüge im Osten und Westen bis zum Vizefeldwebel befördert worden; auch hatte er das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten. Kurz vor Kriegsende war R. zur Fliegerbodentruppe abgeordnet worden und hatte zuletzt im RichthofenGeschwader Dienst getan, dessen letzter Chef Hermann Göring gewesen war.

Nach dem Kriege hatte er sich als Rezitator, Schauspieler und Varietédirektor durchgeschlagen, ohne es dabei sonderlich weit zu bringen. Um 1930 war er der NSDAP beigetreten, um mit ihrer Hilfe auf einen grünen Zweig zu kommen. Das geschah dann auch in Gestalt vorübergehender Arbeit für das NS-Fliegerkorps, wo er seinen Kriegskameraden Schreiber wiedertraf, der als Hauptmann aus dem Polizeidienst kam und beim NSFK eine leitende Stellung erhalten hatte. Nach 1933 gelang es R. dann über seine Parteibeziehungen, Pächter und Direktor eines Groß-Varietés im Berliner Osten zu werden, das einem inzwischen emigrierten Juden gehört hatte und von der Deutschen Arbeitsfront für dessen Amt »Kraft durch Freude« übernommen worden war. Dieses Etablissement in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs wirtschaftete R. von 1935-38 in knapp drei Jahren in ständigen Streitigkeiten mit der Deutschen Arbeitsfront und der Reichstheaterkammer in Grund und Boden, so dass ihm die Theaterkammer am Ende die Unternehmer-Lizenz entzog. So saß R. wieder einmal auf der Straße und wandte sich mit Eingaben und Vorstellungen an verschiedene hochgestellte Persönlichkeiten, unter anderem auch an Hermann Göring unter Hinweis auf seine Zugehörigkeit zum ehemaligen Richthofen-Geschwader. Göring hatte diese Petition an das NS-Fliegerkorps mit der Anweisung weitergeleitet, R. dort im Bürodienst angemessen zu beschäftigen. Das geschah auch einige Monate hindurch, bald aber gab es wegen R.s Renommiersucht und seiner Neigung zum Alkohol wieder Beanstandungen. R. passte nun einmal nicht in das bürgerliche Leben und krankte daran, dass die Welt partout nicht einsehen wollte, dass er als Künstler zu Höherem berufen war.

Da kam es nun wie gerufen, dass man in der Zentrale des NS-Fliegerkorps in der Meineckestraße am Kurfürstendamm nach dem siegreichen Polenfeldzug im Herbst 1939 auf den unglücklichen Gedanken gekommen war, den unbequemen Mimen zu beauftragen, durch Werbeveranstaltungen in und um Kattowitz NS-Fliegerstürme ins Leben zu rufen. Auch hatte man erfahren, dass in Kattowitz ein Varieté-Unternehmen existiere, welches einem Polen gehöre. So schlug man R. vor, sich um die Pacht dieses Theaters zu bemühen und aus dessen Einnahmen den ihm aus der Kasse des NSFK mitgegebenen Vorschuss in Raten wieder zurückzuzahlen. R. war begeistert und versprach, alle Register zu ziehen.

So kam es, dass ich im Juni 1940, der Frankreich-Feldzug war schon im Gange, nach Kattowitz fuhr, im Hotel »Monopol« Quartier bezog und vor Ort recherchierte. Mein erster Besuch galt dem Polizeiführer für Stadt und Kreis Kattowitz. Ich brauchte eine Besuchserlaubnis für das Lager Sosnowitz, da ich R. dort aufsuchen wollte. Der SS-Offizier gab sich jedoch sehr kühl. R. sei ein renommiersüchtiger Hochstapler und Betrüger, der sich fälschlich als Freund und Bevollmächtigter Görings ausgegeben habe. Die neu errichtete Treuhandstelle Ost habe seine Machenschaften aufgedeckt und ihn als Staatsfeind und Volksschädling zur Anzeige gebracht. Auf meine Frage, warum R. nicht der ordentlichen Justiz überstellt sei, zuckte der Oberführer mit den Schultern und sagte nur, dass die deutsche Rechtspflege im wiedergewonnenen Oberschlesien erst im Aufbau sei. Dass ich R. sprechen und verteidigen wollte, machte ihm sichtlich Unbehagen. Er gebrauchte die verschiedensten Ausflüchte und beschied mich auf eine weitere Rücksprache in zwei Tagen; inzwischen wolle er mit dem Lagerkommandanten in Sosnowitz telefonieren und auch versuchen, mit der Justiz Verbindung aufzunehmen. Durch telefonische Erkundigungen bei einem Breslauer Kollegen erfuhr ich jedoch noch am selben Tag, dass bereits seit April 1940 die Justiz in Kattowitz unter deutscher personeller Besetzung wieder funktioniere; es gelang mir sogar, die Dienststelle des Oberstaatsanwalts ausfindig zu machen. Dort bat ich um eine Rücksprache und wurde von einem Mitarbeiter des Chefs kollegial empfangen. Ich schilderte ihm meine Rücksprache mit dem Kattowitzer Polizeiführer. Der Staatsanwalt fand meine Eröffnungen »höchst interessant«. Er sagte mir, dass hier in Kattowitz viel drunter und drüber gehe und dass noch keine rechte Ordnung eingekehrt sei. Die Rechtspflege habe nach beendigtem Polenfeldzug fast ein halbes Jahr darniedergelegen und habe viel aufzuarbeiten. Inzwischen habe die Sicherheitspolizei nach bekannter Art gearbeitet; er wolle sich um den Fall R. kümmern. Am anderen Tage erfuhr ich dann, dass R. binnen zwei Tagen vom Lager Sosnowitz in das Kattowitzer Untersuchungsgefängnis überführt werde. Vom Oberstaatsanwalt erhielt ich Sprecherlaubnis.

Der Mensch, den ich wenige Tage später im Kattowitzer Untersuchungsgefängnis vorfand, war ein körperlich schwer misshandeltes Wesen, dessen Anblick wirklich erschütterte. Das Gesicht dick geschwollen, blau und grün verfärbt, ein Auge geschlossen, die Lippen aufgesprungen und die Nase verquollen, konnte R. nur ganz unverständlich lallen.

Die Unterhaltung war wenig ergiebig, der Mann schluchzte nur. Sichtlich bedurfte er erst einmal der Pflege und Erholung, um Auskunft geben zu können, was vorgefallen sei. Ich sagte R., dass ich bald wiederkommen würde, er solle erst einmal zu sich kommen, zunächst würde er jedenfalls in Untersuchungshaft im Kattowitzer Gefängnis bleiben. Fürs erste solle er sich beim Gefängnisarzt melden. R. nickte nur; seine unverständliche Antwort klang wie »Danke, danke«. Ich selber ging auf der Stelle zum Gefängnisdirektor und schilderte ihm R.s Zustand. Ich fügte hinzu, dass ich mich mit Wissen und im Interesse einer hohen Berliner Parteistelle - welche, verschwieg ich verabredungsgemäß (und mit dem Hintergedanken, dass man so vielleicht noch höheres Interesse vermutete) - um den Untersuchungsgefangenen R. kümmere, und dass ich in Berlin über die R. im Schutzhaftlager zugefügten Misshandlungen berichten würde. Ich verlangte einigermaßen strikt, R. zunächst in das Gefängnis-Krankenrevier zu verlegen und dort zu pflegen. Dabei bluffte ich absichtlich durch einen etwas arroganten Berliner Tonfall. Die Reaktion war auch die erwünschte; man werde alles tun, um den Häftling schnell wiederherzustellen.

Empört und bedrückt fuhr ich nach Berlin zurück. Der Zustand des Gefangenen ließ weitgehende Rückschlüsse auf die Behandlung aller SS-Schutzhäftlinge zu. In Berlin berichtete ich dem Gruppenführer Schreiber über das bisher Erfahrene und Gesehene.

Der Mann bat mich, R.s Ehefrau zu empfangen, ihr aber nichts über den Lageraufenthalt und die Misshandlungen ihres Mannes zu sagen.

Frau R., Mutter zweier halberwachsener Kinder, weinte sich bei mir erst einmal über ihre zerrüttete Ehe aus. Ihr Mann sei im Januar nach Kattowitz gereist, habe ihr ganze 200,- RM zurückgelassen und versprochen, von Kattowitz aus sofort Geld zu schicken. Dann aber habe er Monate hindurch außer einem Brief und zwei Telefongesprächen nichts von sich hören lassen; seit April sei sie ganz ohne Nachricht, und erst jetzt habe sie von Gruppenführer Schreiber erfahren, dass er verhaftet worden sei. Sie wollte wissen, warum und weswegen, sie traue ihm eigentlich nichts Schlechtes zu, er lebe immer in Illusionen, sei lebensfremd, eitel und großspurig. Ich tröstete Frau R., sagte ihr, dass ich ihren Mann in Kattowitz nur ganz kurz gesehen hätte, er läge derzeit im Krankenrevier und würde gut gepflegt. Seine Frau nickte und meinte, es sei sicher seine Leber, die Aufregung nie vertragen habe.

Nach zehn Tagen erhielt ich auf telefonische Anfrage die Auskunft der Kattowitzer Gefängnisdirektion, dass R. jetzt verhandlungsfähig sei. Auch der Oberstaatsanwalt ließ mich wissen, dass die Ermittlungsakten der Polizei zur Einsicht bereit lägen. Ich fuhr abermals nach Kattowitz.

Im Hotel »Monopol« herrschte in der Halle, im Café und im Speiseraum reges Kommen und Gehen, die Bar wurde schon ab 3 Uhr nachmittags geöffnet. Es gab hier offenbar viele Leute, die Zeit zum Herumsitzen hatten, darunter auch Uniformierte der Partei und ihrer Organisationen. Ich musste mehrere Tage warten, und so saß ich nach dem Abendbrot selber öfters in der Bar; was sollte man sonst im eroberten Kattowitz tun? Mitunter war ich unter lauter braunen, schwarzen und feldgrauen Uniformen der einzige Zivilist. Um mich herum spielte, trank und handelte alles.

Am ersten Morgen sah ich mir in der Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsakten an. Deren Inhalt sah für meinen Mandanten wenig angenehm aus.

Er wurde beschuldigt, sich des fortgesetzten, vollendeten und versuchten Betruges in mehreren Fällen, der Unterschlagung, der Untreue und Urkundenfälschung in Verbindung mit Vergehen und Verbrechen nach dem Kriegswirtschaftsrecht und der Preisstrafrechtsverordnung, der unbefugten Titelführung, der Amtsanmaßung und aktiver Bestechung schuldig gemacht zu haben. Das alles war das Resultat seiner dreimonatigen Tätigkeit in Kattowitz.

Was war geschehen? R. hatte Anfang Januar 1940 im Hotel »Monopol«, dem ersten Haus am Platze, eine Drei-Zimmer-Suite bezogen, von der er ein Zimmer als Büro benutzte.

Er zahlte 500,- RM in bar an, gab den Portiers und Oberkellern sogleich splendide Trinkgelder und ließ vom Hoteldirektor bis zum Laufjungen jedermann wissen, dass er im Auftrage Hermann Görings, des Reichsbevollmächtigten für die Kriegswirtschaft, nach Kattowitz gekommen sei, um hier sowohl Fliegerstürme für das NS-Fliegerkorps aufzuziehen als auch die »Eindeutschung« bisher polnischer Betriebe zu überwachen. Der routinierte Komödiant spielte diese Rolle mehrere Wochen mit ausgezeichnetem Erfolg. Da er in der Bar sehr freigiebig war, sammelte er dort allerlei Anhänger und Zuträger um sich, die er geschickt als Anwerber und Mittelsmänner benutzte. Diesen Kreis bezeichnete er als seinen »Stab«. Seinem Organisationstalent gelang es auch, in Stadt und Kreis Kattowitz je einen NS-Fliegersturm aufzustellen, wobei er im Rahmen des ihm von der Zentrale in Berlin mitgegebenen Auftrages handelte. Er gab sich dabei als NSFK-»Oberführer« aus - er war nur »Obertruppführer« - und trug ihm nicht zustehende Rangabzeichen und die Eisernen Kreuze 1. und 2. Klasse aus dem Ersten Weltkrieg, von denen er nur das zweite ehrlich erhalten hatte.

Weit mehr war R. aber daran interessiert, das Kattowitzer Varieté-Theater zu pachten, das ihm sein Gönner, Gruppenführer Schreiber in Berlin, so verlockend als neues künstlerisches Betätigungsfeld an die Wand gemalt hatte. Das Theater war noch geschlossen, der bisherige polnische Pächter hatte ein polizeiliches Betriebsverbot erhalten, das Personal und die Künstler hatten sich inzwischen nach anderen Beschäftigungen umgesehen. Bei den örtlichen Behörden machte R. Eingaben zur Erlangung einer Konzession. Die an den kommissarischen Oberbürgermeister gelangte Eingabe war an den Polizeipräsidenten und die Reichstheaterkammer nach Berlin zur Auskunftseinholung über R.s persönliche Zuverlässigkeit und Eignung geschickt worden. Der Behördenweg nahm Zeit in Anspruch.

R. war inzwischen das Geld ausgegangen, genaugenommen war er seit Mitte Februar 1940 schon blank. Er hatte gut gelebt, viel und gut getrunken, gespielt und auch Damen unterhalten, die wohl nicht billig gewesen waren. Von den 5000 RM Darlehen hatte er 1500 RM für die Anmietung von Sturmlokalen für die beiden Fliegerstürme und für deren Büroausstattung verwendet, alles Übrige aber hatte sein eigenes Leben verschlungen.