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T.K. Alice

the Insidious

Forgotten Soul


Ich widme das Buch und den Charakter Rue Lee, meiner besten Freundin Svenja ("Rue"), weil sie mich immer dazu ermutigt hat, weiter zu schreiben.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Prologue

 

Heute war mal wieder ein anstrengender Schultag gewesen.

Eigentlich habe ich ohnehin keinen Grund mehr, überhaupt noch in die Schule zu gehen, aber das soll gerade nicht meine Sorge sein.

Immerhin hatte ich wenigstens die Gelegenheit, einen ruhigen Moment, einfach so zu verbringen.

Keine Probleme.

Nichts, das irgendwie gefährlich ist… aber wie lange wird das noch andauern?

Ein Jahr? Etwas weniger?

Ich weiß es nicht…

Es ist mittlerweile bestimmt schon allen aufgefallen, dass ich viel dünner wirke, als alle anderen in meinem Alter; dass ich nicht so zu reifen scheine, wie alle anderen.

Dennoch kann ich es nicht.

Ich kann ihnen nicht sagen, dass ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben will.

Weder mit meinen Eltern, noch mit den wenigen Leuten in der Schule, mit denen ich mich eigentlich halbwegs gut verstehe. Dieses eine Mal, kann ich nicht auf Emilias Rat hören, auch wenn ich weiß, dass ich es eigentlich sollte.

Wie auch immer…

Morgen schreiben wir eine Arbeit. Mathe.

Ich werde mich wohl oder übel zusammenreißen müssen. Das Thema ist unglaublich einfach – wieder einmal.

Doch da gibt es ein Problem.

Ich darf keine Punkte haben, ich muss weiterhin dumm wirken.

Ich darf mir keine Freunde machen – in diesem Punkt bin ich auch ziemlich gut, ich fände es allerdings auch nicht schlecht, wenn sie mich einfach ignorieren würden, anstatt mich fertig zu machen – und darf nicht sonderlich talentiert oder sportlich wirken.

Ich muss ein no-name sein. Jemand, den keiner wirklich mag – und der keinem so richtig wichtig ist.

Muss mich von meiner Mutter verabschieden und die Zeit mit ihr ausnutzen. Gleichzeitig, muss ich mich mehr von ihr abkapseln, darf nicht mehr zu sehr an ihr hängen. All das wurde mir aufgetragen… und bis vor etwa einem viertel Jahr, hat das auch hervorragend funktioniert.

Dann kam er und damit auch meine Probleme. Ich habe mich verliebt. Das er ein Junge ist und ich auch, ist für mich weniger ein Problem.

Das tatsächliche Problem ist, dass einen so etwas ablenkt.

Es lenkt vom Ziel ab.

Und ich könnte sowieso keine Beziehung beginnen, ob ich nun ein Versager bin oder nicht und ob es nun ein Junge ist oder nicht.

Ich kann nicht.

Ich darf nicht.

Was, wenn ich gehen muss?

Was, wenn sie mir schon morgen sagen, dass es Zeit ist?

Dann bleibt mir wohl nichts weiter, als zu hoffen.

 

Auf einmal werde ich, von dem Geräusch einer sich öffnenden Tür, aus meinen Gedanken gerissen.

Es ist nur meine Mom. »Hey, Ray, was ist los? Schreibst du nicht morgen eine Arbeit?«

»Ja, in Mathe…«, antworte ich auf die Frage meiner Mutter, die nun mitten in meinem Zimmer steht.

»Verstehst du die Aufgaben, die gerade Thema sind?«, fragt sie mit besorgtem, aber auch müdem Blick.

Sie ist müde davon, sich zu Sorgen.

Ich bin das Kind, das immer seltsam ist.

Das Kind, das zu dürr ist, um ein Junge zu sein.

Das fast nie isst.

Das kranke Kind.

Das Kind ohne Freunde.

Das Kind, das immerzu nur mit sich selbst spielen musste und das nicht einmal mehr der eigene Bruder leiden zu können scheint.

Das Kind, das nichts auf die Reihe kriegt.

Das stotternde, tollpatschige, dumme Kind.

Das kaputte Kind.

Nur bin ich eben kein Kind mehr.

»Natürlich nicht…«, antworte ich monoton, während ich wieder meinen Gedanken nachhänge.

Mist.

Ich sollte mich nicht so ungewöhnlich verhalten. Normalerweise bin ich doch nie so… ist es vielleicht, weil ich vorhin in den Kalender gesehen und bemerkt hatte, wie viel Zeit seit dem Vorfall vergangen ist?

Weil ich bemerkt hatte, wie wenig Zeit mir womöglich noch bleibt? Verdammt!

»Ähm… ich me-meine, ich hab vorhin mit einem Lehrer in der Pa-Pause geübt, aber ich bin nicht wirklich viel besser ge-geworden…«, setze ich schnell als Antwort nach und stammele absichtlich viel, damit ich wieder etwas mehr wie ›ich selbst‹ wirke.

Stimmt, als kleines Kind war ich wirklich mal unglaublich ängstlich und eine Heulsuse, doch das hatte sich mit der Zeit gegeben. Schon als ich in die erste Klasse gekommen war, war ich eines der Kinder, das am meisten angestellt hatte und sich wirklich mit jedem angelegt hätte, wenn es nötig gewesen wäre.

Da war mein Vater aber noch da gewesen.

Und dann geschah ›es‹ und alles hatte sich schlagartig geändert.

Mit einem Mal, war alles anders gewesen..

Mein Leben.

Meine Familie.

Meine Zukunft.

Meine Vergangenheit.

Ich höre ein verstimmtes »Hmpf…«, was mich ein wenig um die Ecke schielen lässt, um nachzusehen, wo es hergekommen ist.

Aber das Ganze ist eigentlich überflüssig, denn es ist klar, wer es gewesen sein muss.

Ich sehe von der Seite gerade noch, wie meine Mutter die Tür hinter sich zuzieht und meinen Bruder dabei wieder auf den Gang hinaus schiebt.

Anscheinend ist sie es schon gewohnt.

Ist aber auch klar, dass sie bei mir verzweifelt – immerhin bin ich absichtlich blöd. Es ist also unmöglich, dass ich schlauer werde und Dinge lerne.

Ich werde immer so bleiben.

So lange, bis ich verschwinde…

Und dann kann sie wieder glücklich werden.

 

Jetzt, da sie weg ist und mich so allein zurücklässt, kann ich mich wieder problemlos meinen Gedanken widmen.

So habe ich die Möglichkeit, erneut Angst zu bekommen. Leider.

Ja, ich habe Angst.

Angst, zu verlieren. Wieder.

Aber ich kann nicht ewig bleiben, das weiß ich selbst nur zu gut.

Denn ich bin schließlich nicht so wie sie…

 

Ich bin kein Mensch mehr.

Chapter 1: The Accident

 

Die letzte Schulstunde für heute ist endlich vorbei und wir werden entlassen. Endlich.

Wirklich.

Gerade, als ich aufstehen und die Tür des Raumes ansteuern will, werde ich jedoch von einer Stimme aufgehalten, die von vorn aus dem Zimmer kommt.

Ich drehe mich um und sehe die Frau hinter dem Pult, am vorderen Ende des Klassenraumes, an.

»Mr. Cross? Kommen Sie doch bitte kurz zu mir, ich muss etwas Wichtiges mit Ihnen besprechen…«, beginnt meine Lehrerin der letzten Stunde von heute.

Sie ist außerdem auch meine Klassenlehrerin. »Was gibt‹s denn, Mrs. Lennart?«

Sie ist nett. Auch gerade eben, ist ihr Tonfall weder missbilligend, noch irgendwie zornig oder strafend gewesen.

Stattdessen hat sie mich nur ganz ruhig zu sich gebeten.

Aber ich weiß natürlich, worum es geht. Wer nicht?

Ich bin nicht allein im Klassensaal – ganz und gar nicht.

Es sind noch viele da, weil sie entweder selbst ihr Zeug noch zusammensuchen müssen oder darauf warten, dass es irgendein Freund von ihnen fertig kriegt.

Während ich nach vorn schlurfe, in der gewohnten Null-Bock-Haltung, die ich so gut eingeübt habe, höre ich, wie die meisten um mich herum entweder lauthals lachen oder zumindest hinter vorgehaltener Hand kichern.

Manche tuscheln sogar. Ich kann es hören, auch wenn sie es nicht zu wissen scheinen.

»Schon wieder. Der ›Arme‹ sollte endlich mal mehr lernen. Er ist wirklich dumm wie Stroh… und dabei sieht er auch noch aus wie ein Streber!«, meint eine Rothaarige, die selbst ungefähr so schlau ist wie mein Pausenbrot, wenn ich es eine Woche im Schrank verschimmeln lasse, zu der kleinen Freundin, die neben ihr steht.

»Würden nun bitte alle gehen? Der Unterricht ist zu Ende – auf, auf!« Das war nun wieder Mrs. Lennart.

Und schon packen alle ihr Zeug, das sie ohnehin bereits bei sich gehabt hatten – da sie nur geblieben sind, weil sie gehofft hatten, mithören zu können – und verschwinden endlich aus dem Raum.

Sobald wir allein sind, bedenkt sie mich mit einem ernsten Blick.

»Mr. Cross… ich möchte bitte gleich zum Punkt kommen«, beginnt die betagte Dame, als ich neben ihr ankomme. »Es tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber wenn Sie so weiter machen, dann werden Sie dieses Schuljahr nicht bestehen. Ich möchte gerne, dass Sie weiterkommen – aber ich kann Sie auch nicht weiterkommen lassen, wenn Sie sich nicht verbessern. Das neue Jahr hat gerade erst begonnen und wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht genau, wie Sie es die letzten Jahre geschafft haben, sich so durchzumogeln, aber wenn sich nicht bald etwas tut, werden Sie sitzen bleiben. Ich weiß, Sie haben das Potential. Sie sind nicht so, wie alle anderen Lehrer Sie hier sehen – die, welche die Hoffnung aufgegeben haben. Sie sind ein kluger Junge, der nur darauf wartet, zu zeigen, was er kann! Ich bitte Sie, strengen Sie sich nur mehr an«, legt sie mir offen dar, wie die Situation gerade aussieht.

Und das alles mit einem besorgten, aber dennoch liebevollen Lächeln auf den Lippen.

Die Frau ist nicht mehr die Jüngste, aber sie ist nett. Und die Direktorin. Ich glaube ohnehin, dass sie diese Klasse übernehmen musste, weil sie die abgrundtief schlechteste von allen Klassen ist – nicht zuletzt, wegen meiner unterirdischen Noten, auch wenn ich, weiß Gott, nicht der einzige bin.

Und wenn mich diese nette Frau so ansieht, zieht sich meine Brust schmerzhaft zusammen.

Es tut nie so weh, Leute anlügen oder enttäuschen zu müssen, wenn ich ihnen gegenüber nicht viel empfinde.

Das ist bei meiner Mutter nicht schwer hinzukriegen, da sie selbst keinerlei mütterliche Gefühle mir gegenüber zu zeigen scheint.

Auch mein Bruder, der mich offenbar nicht mehr wirklich ausstehen kann.

Er ist nur ein Jahr jünger als ich, aber ich hatte früher immer gerne geglaubt, dass er mal zu mir aufsehen würde – jetzt sieht er eher zu Fuller auf; dem größten Arsch unserer Schule…

Buchstäblich.

Allerdings sollte ich lieber wieder zuhören – es ist immerhin unhöflich, die ganze Zeit nur seinen eigenen Gedanken zuzuhören, wenn jemand mit einem spricht. Ich zwinge mich also, mich wieder auf das Thema zu konzentrieren, um das es gerade eben noch gegangen war.

»Ja, Mrs. Lennart. Es tut mir wirklich leid. Ich werde mich anstrengen – versprochen«, sage ich noch und drehe mich ohne weiteres zum Gehen.

Da war sie. Die Lüge.

Ich hasse es wirklich sie anzulügen.

Sie ist eine der Letzten verbliebenen, normalen Personen, die mich nicht abschätzend ansehen.

Die mich nicht als Müll betrachten.

Die immer noch Hoffnungen in mich setzen, die ich ihnen meist nicht erfüllen kann – nicht erfüllen darf.

Solche Momente, sind die Momente in meinem Leben, in denen ich wünschte, sie hätten mich damals einfach auf der Straße liegen lassen…

Momente, die ich am liebsten vergessen würde.

 

Danach hatte ich den Klassenraum und die Schule verlassen. Meine Gedanken jedoch, lassen mich auch jetzt noch nicht los.

Schon wieder.

In letzter Zeit, muss ich immer öfter daran denken. An diesen einen Tag – diesen einen Moment – der einfach alles veränderte.

Aber das ist jetzt vorbei; ich kann es nicht mehr ändern.

Heute haben wir ja diese Arbeit in Mathe geschrieben und dadurch, dass meine Gedanken die ganze Zeit um diesen Tag kreisten, hatte ich gar keine Gelegenheit erst auf dumm machen zu müssen – ich war mit den Gedanken ohnehin an einem völlig anderen Ort.

Natürlich habe ich es versaut. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten – obwohl ich tatsächlich wie ein Streber aussehe… oder eben einfach wie ein Versager.

Es wäre zwar schon schön, mal wieder ein Erfolgserlebnis zu haben, aber naja…

Ich sehe zu Boden und betrachte den Rasen des Schulhofes unter meinen Sohlen.

Auf dem wird auch immer herumgetrampelt und trotzdem steht er wieder auf – ich mag den Rasen. Er ist mir irgendwie sympathisch.

Oh Mann, jetzt rede ich schon mit dem Rasen…

»Hey, Spinner!«, höre ich jemanden hinter mir schreien. »Na, wie läuft‹s?«

Ich gehe einfach weiter. Kein Grund, ihn zu beachten – sogar der Rasen hat ein höheres Niveau.

»Warum antwortest du nicht? Hat‹s dir die Sprache verschlagen? Oder kannst du vielleicht gar nicht mehr reden? Ein bisschen behindert warst du ja schon immer.«

So ein Gockel. Wenn er nicht aufpasst, dann stolpert er noch über seine eigene Dummheit.

Ein komisches Geräusch, das ein bisschen nach Aluminium klingt, wenn es gerade auf Stein aufschlägt, lässt mich jedoch hellhörig werden.

Was ist jetzt passiert?

Und wieder höre ich seine Stimme. »Hey! Hör mir gefälligst zu, wenn ich mit dir rede!«, brüllt der Affe mich von hinten an.

Dann höre ich erneut ein komisches Geräusch – diesmal ist es ein Knallen, direkt hinter mir. Zu spät begreife ich, dass es sich bei dem Geräusch um sein elefantenartiges Gestampfe handelt, dass er fälschlicherweise als Schritte bezeichnet.

Plötzlich greift jemand von hinten um meine Schulter und hält mich in einem stählernen Griff gepackt. Mist – wenn man einmal nicht aufpasst!

Wäre er genauso unmenschlich, wie er sich verhält, dann dürfte ich ihm jetzt wehtun. Aber so kann ich leider nichts tun.

Ich bin schwach.

Hilflos.

Wehrlos.

Verletzlich.

»Hast wohl gedacht, du könntest mir einfach wegrennen?«, meint er jetzt, mit dem Kopf genau neben meinem Ohr und ich kann seinen widerlichen Atem auf meiner Wange spüren.

Jetzt weiß ich, wieso es vorhin geklungen hat, als hätte er etwas aus Aluminium auf den Steinboden geworfen. Er hat so eine Fahne, dass ich mich echt fragen muss, warum ich das nicht sogar schon von vorn riechen konnte.

»Das Tr-Trinken von Alkohol ist in der Sch-Schule verboten…«, stottere ich brav vor mich hin.

Wahrscheinlich zum ›Dank‹ für den Kommentar zu seinem Alkoholkonsum, rülpst er mir auch noch frech ins Gesicht, zumindest soweit er das von hinten hinbekommt. Dann greift er lachend nach meinem Gesicht, während ich noch darum kämpfe, nicht von der Vergasung ins Koma zu fallen.

Mittlerweile haben sich mal wieder eine ganze Menge Schaulustiger um uns versammelt.

Toll. Schadenfreude ist wohl mal wieder die schönste Freude hier.

»Du bist echt ein Trottel. Aber weißt du, dass du echt weiche Haut hast… und du bist so dünn. Bist du dir sicher, dass du ein Mann bist?«, meint er lachend – und auch ein wenig lallend –, während ich versuche ihn wegzudrücken.

»Ja, bin ich…«, gebe ich zurück und merke, wie mir langsam der Geduldsfaden reißt.

Ich hasse ihn einfach. Wie lange ich mich wohl noch zusammenreißen kann?

»Ach ja? Ganz sicher…? Sollen wir mal nachsehen?«, meint er und macht Anstalten, sich mit seiner Hand, meinem Schritt zu nähern.

Alles klar. Ich töte ihn.

Wenn er das tut, dann ist er mausetot.

Doch bevor ich die Chance dazu kriege, wird meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt. Auf etwas Besseres.

»Hey, Fuller! Wenn du endlich damit fertig bist, arme Leute zu belästigen, kannst du ja auch mal zum Training erscheinen.«

Die Stimme gehört Alexander.

Alexander Romanow. Dem Typen, in den ich verliebt bin… und der mich normalerweise nicht einmal wahrnimmt.

Naja, zumindest macht er mich nicht fertig.

Auf seine Aussage hin, lässt das alte Ekel tatsächlich von mir ab und sieht fahrig auf seine – übrigens gar nicht vorhandene – Armbanduhr.

»Oh, muss ich wohl vergessen haben… Sorry, Alter«, lallt er mittlerweile bereits stärker – der Alkohol scheint seine Wirkung zu zeigen.

Und irgendwas in seinem – ebenfalls nicht vorhandenen – Gehirn, scheint plötzlich klick zu machen.

Er verzieht sich einfach so mit seinen Leuten und kurz darauf sind nur noch Alexander und ich hier.

Wie zum Henker ist das gerade passiert?

Ich war gerade kurz davor gewesen, komplett auf ihn loszugehen!

Ich kann es nicht genau sagen, aber irgendwas war eben mit mir. Es ist in letzter Zeit ständig so. Entweder ich bin wie ein blanker Nerv – was meiner Maskerade ungefähr so gut tut wie ein Nilpferd, das vom Himmel fällt, einem Glasdach gut tun kann – oder ich bin müde und fühle mich krank und kaputt.

Etwas stimmt nicht mit mir… und ich weiß auch, was, auch wenn ich versuche nicht daran zu denken.

Meine Zeit wird knapp.

Ich sehe mich kurz um und mein Blick landet zufällig auf der Person, die ja auch noch hier steht, wie ich fast schon wieder vergessen habe.

Dann sieht er ebenfalls zu mir.

Habe ich eigentlich gerade wirklich vergessen, dass der beste Typ der ganzen Schule hier ist? Mich außerdem gerade gerettet hat? Wenn auch wahrscheinlich nicht mit Absicht.

Mit mir allein hier ist? – Nur, um das noch einmal zu verdeutlichen.

Bin ich jetzt völlig bekloppt geworden?

»Willst du nicht nach Hause gehen?«, meint er in meine Richtung und seufzt.

Ich nicke nur. Wieder mal sehr intelligent.

»Gut, dann komm. Wenn du allein gehst, kommt er vielleicht wieder auf dich zurück. Er ist unberechenbar, wenn er erst mal was getrunken hat – aber wem sag ich das?«

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der letzte Teil eher an sich selbst, als an mich gerichtet ist. Aber eigentlich ist mir egal was passiert, wenn er alleine auf mich zukommt und gesoffen hat – in dem Zustand hab ich ihm nämlich schon den ein oder anderen ›Kratzer‹ verpasst, an dessen Herkunft er sich dank des Katers dann nicht mehr erinnern konnte.

Also hätte sein Satz sehr wohl, auch an mich gerichtet, seinen Sinn erfüllt.

David Fuller ist jedenfalls so grenzdebil, dass er sofort alles vergisst – und eigentlich kann er sich schon gar nicht mehr noch blöder saufen, dennoch scheint er nach jedem Rausch mehr Hirn zu verlieren! Ein Paradoxon wie es im Buche steht.

Würde mich nicht wundern, wenn wirklich bald seine Schädeldecke einkracht, weil sie keine Stütze mehr hat…

Aber egal, ich folge ihm einfach – wenn auch nur, um Zeit mit ihm verbringen zu können. Gut, eigentlich gehe ich eher vor, da er den Weg zu meinem Zuhause ja gar nicht kennt…

Doch wen kümmern schon die Details?

 

Auf dem Heimweg haben wir erstmal kein Wort miteinander gesprochen. Doch als wir nun an der Straße ankommen, die ich immer entlang zu gehen pflege, ist diese plötzlich gesperrt.

Alexander scheint das auch irgendwie zu stören, dabei weiß er doch noch gar nicht, dass ich hier lang muss. Wohnt er etwa auch in dieser Richtung?

Ich sehe, wie er zu einem der Arbeiter geht, die an der Baustelle stehen, wegen der die Straße gesperrt wurde. Offenbar dürfen wir nicht durch, das ist zumindest das, was ich von meiner Position aus vernehmen kann und mein Begleiter wird auch zunehmend ungehaltener, weil wir ja eigentlich nur schnell durch wollen – ist ja auch nicht so, als würden wir mit irgendetwas fahren, oder?

Sehen wir aus, als wären wir drei Meter breit und zwei Tonnen schwer?

Aber ich sollte das lieber stoppen, bevor die beiden sich noch an die Gurgel gehen.

»Alexander, kommst du? Da hinten ist ein anderer Weg, den kenne ich noch aus meiner Kindheit. Auch wenn ich ihn schon lange nicht mehr genutzt habe…«, sage ich, während ich, von Wort zu Wort, immer leiser werde.

Ich hoffe, er bemerkt meine Unsicherheit nicht, als er stutzend auf mich zutritt.

»Aha, das wusste ich gar nicht… aber ich kenn mich hier auch nicht so gut aus«, meint er.

Ein Wunder, dass er mal etwas nicht weiß. Ein Gedanke, der mich leicht schmunzeln lässt.

Aber dennoch bleibe ich nervös.

Der Weg.

Es hat einen Grund, warum ich so lange nicht mehr hier war. Auf diesem Weg, liegt der Ort, an dem ›es‹ passierte.

Ich weiß, es klingt vielleicht übertrieben. Ich meine, was könnte dort schon schlimmes gewesen sein, dass ich jetzt so Schiss habe, habe ich Recht?

Aber kein Zweifel… meine Angst ist berechtigt. Wenn nicht direkt davor, dass dasselbe erneut geschieht, dann zumindest vor den Erinnerungen.

Ich sehe auf und da ist er auch schon. Der Spielplatz.

Direkt davor ist eine Kinderstraße.

So eine von diesen Straßen, an denen ein Schild hängt, das einem bedeuten soll, dass Kinder auf der Straße spielen könnten. Sowas hängt oft vor Straßen mit Spielplätzen wie diesem hier – weil Kinder, gerade beim Spielen, gerne mal ungeachtet auf die Straße rennen.

Ich war als Kind sehr oft hier.

»Ich muss da beim Eingang zum Spielplatz über die Straße. Da ist diese Seitengasse, die du da schon sehen kannst, und da muss ich durch. Du musst auf diesem Weg bleiben und immer geradeaus – dann kommt man zum Ausgang der gesperrten Straße. Wenn du also dort wohnst, ist das der kürzeste Weg. Also müssen wir uns da wohl trennen«, kläre ich ihn auf.

Ich weiß zwar nicht genau, wo er wohnt, doch mein Wohngebiet ist mit einer Mauer abgetrennt und ist auch die einzige Abzweigung, der relativ kurzen Straße, die ich – und er offenbar auch – sonst nehme.

Also kommt er nicht weit, wenn er mit mir läuft.

Er muss weiter gehen, dann kommt er an der gleichen Stelle heraus, wie wenn er durch die kleine Straße gegangen wäre – nur ist es für ihn ein Umweg, den Weg am Spielplatz vorbei zu gehen.

»Oh, soll ich dich nicht noch nach Hause begleiten?«

Sein Angebot kommt überraschend, und lässt mich prompt erröten lässt – weil ich nun einmal darauf nicht vorbereitet gewesen war.

»Quatsch, i-ich schaff das schon allein, keine Sorge!« Meine Antwort klingt gezielt so, als wolle ich stark sein, wäre es aber irgendwie nicht – für Tricks wie diese, habe ich lange geübt.

Es gefällt mir aber irgendwie gar nicht, sie gegen ihn einzusetzen.

»Zu schade. Dann bis morgen, Raven«, entgegnet er jetzt und lächelt mich das erste Mal, seit er an unsere Schule gekommen ist, direkt an.

Damit geht er aber auch schon die Straße entlang, während ich immer noch da stehe und ihm hinterher starre.

Er hat gerade meinen Namen gesagt – mir persönlich war nicht einmal klar gewesen, dass er ihn überhaupt kannte.

Oh. Mein. Gott. Alles klar. Ich hab bis eben eindeutig was verpasst.

»Bis morgen, Alexander!«, rufe ich ihm laut genug und absolut stotter-frei zu – sodass er sich noch einmal umdreht – ebenfalls mit einem Lächeln, was ihn zu verblüffen scheint, und winke kurz, ehe ich die Straße überqueren will.

Gerade jetzt wird mir klar, dass ich die ganze Zeit komplett frei mit ihm gesprochen habe, doch kann mich nicht dazu bringen, deswegen Panik zu schieben.

Nur wenige Schritte später, drehe ich mich noch ein weiteres Mal um – warum, weiß ich nicht genau, aber dann fällt mein Blick auf die Schaukel, die ich als Kind so geliebt habe und ich bleibe abrupt stehen.

»Sie ist immer noch da…«, stelle ich leise fest und aus irgendeinem Grund, blende ich die Welt um mich herum für den Moment aus.

Böser Fehler.

 

»… ven! Hey, Raven!«, höre ich Alexander rufen.

Nein, es ist schon eher ein Schrei, als ein Ruf.

Als ich wieder zu ihm sehe, sehe ich, wie er auf mich zu rennt, da er ja schon recht weit weg gewesen ist und offenbar schnell zu mir will – aber nicht gerade mit einem sehr herzlichen Gesichtsausdruck.

Was ist denn jetzt los?

Plötzlich bemerke ich, dass ich noch immer mitten auf der Straße stehe und ein Auto direkt auf mich zugeschossen kommt.

Ich finde mich wieder, wie ich direkt vor einem hupenden Wagen stehe, dessen Fahrer wohl denkt, ich würde noch ausweichen können.

Und dann kommen auf einmal alle Erinnerungen in mir hoch.

Ich kann mich nicht mehr wirklich rühren und Alexander ist immer noch zu weit weg.

Direkt bevor der Wagen bei mir ist, bemerkt das auch endlich mal der Fahrer und bremst hektisch ab – damit hatte er wohl nicht gerechnet –, doch dafür ist es ohnehin schon zu spät.

Er ist schon viel zu nah dran.

Erst im letzten Augenblick, fange ich mich wieder. Ich springe hoch und lande direkt auf der Motorhaube des Wagens, in der Hocke. Dabei starre ich den Fahrer unverwandt an.

Letzterer ist selbstverständlich geschockt und hüpft praktisch aus seinem Auto.

»Was zur Hölle sollte dieser Scheiß?! Du stehst einfach auf der Straße und wartest bis du überfahren wirst, oder was?! Hast du keine beknackten Freunde, mit denen du so einen Mist ausprobieren kannst, anstatt Unschuldige zu traumatisieren, hä?!«

Sein Wettern dringt jedoch kaum bis zu mir durch.

Ich stehe auf und lande mit Leichtigkeit vor der Haube des Wagens auf dem Asphalt.

»Sorry…«, nuschle ich ihm dabei zu und gehe dann einfach weiter.

Nicht mal auf Alexander achte ich noch, der wohl sehr entgeistert beobachtet haben muss, was sich da soeben abgespielt hat.

Aber ich kann jetzt nicht reden. Dazu bin ich nicht imstande.

Die Erinnerung macht mir Angst.

Dieselbe Angst wie damals, als ich auf dieser Straße stand.

Meine Mutter, die panisch in meine Richtung gestürzt war und meinen Namen schrie.

In meinen Augen bilden sich Tränen, bei dem reinen Gedanken daran.

Es ist dasselbe Gefühl wie damals.

Auf einmal, sind die Erinnerungen klarer als je zuvor.

Die Erinnerung, an jenen Tag.

Die Erinnerung, an diesen einen Moment.

Die Erinnerung, an den Unfall…

 

Die Erinnerung an den Augenblick, in dem ich gestorben bin.

Chapter 2: Into Dust

 

Ich gehe schnellen Schrittes die Seitenstraße entlang; merke nur im Hintergrund wie mir Alexander folgen will, aber von dem völlig aufgebrachten Autofahrer aufgehalten wird, da ich ja offensichtlich nicht mit mir reden lasse.

Meine Schritte werden immer schneller, bis ich völlig in der Gasse verschwunden bin und von keinem mehr gesehen oder gehört werden kann.

Dann sinke ich einfach an einer Wand herab, schlinge meine Arme um die Knie, die ich mir bis unter das Kinn, vor die Brust ziehe und fange leise an zu weinen, als die Erinnerung wie ein Film vor meinen Augen abläuft.

 

Es war ein echt warmer Tag gewesen. Ich trug mein Lieblings T-Shirt – ein weißes, mit einem schwarzen Winged Skull Emblem vorn auf der Brust – und ich war, zusammen mit meinem Bruder, auf dem Spielplatz unterwegs, in der Nähe von unserem Zuhause.

Er war recht abgelegen und in einer Straße, die kaum befahren und somit auch kaum bekannt war. Sie war nicht wirklich versteckt, genauso wenig wie der Spielplatz, aber es war eben doch kaum jemand hier, daher hatte ich ihn seit jeher fast ganz für mich allein – abgesehen von meinem Bruder natürlich.

Mein kleiner Bruder war selbstverständlich immer dabei gewesen, wenn ich irgendetwas gemacht habe – er hatte an mir gehangen, wie eine Klette, doch komischerweise hat es mir nichts ausgemacht. Ich habe ihn geliebt und er hatte es ja nur getan, weil er zu mir aufgesehen hat und immer so sein wollte wie ich.

 

Tja, das hat sich an ihm wohl am meisten verändert, in den letzten Jahren…

 

Immer, wenn wir dort gewesen waren, haben wie geschaukelt. Die Schaukel gehörte praktisch uns und wir hatten unsere Stammplätze.

Die Schaukel sah immer schon alt, rostig und kaputt aus, gerade so, als würde sie jederzeit zusammenbrechen. So kamen zwar doch manchmal Leute vorbei – und wenn es nur ein Zufall gewesen war, von Spaziergängern, die mit ihren Kindern unterwegs waren –, aber die meisten ließen ihre Kinder nicht auf diese Schaukel.

Doch wir wussten es besser. Die Schaukel war gut. Sie war stabil und quietschte nicht einmal, was man oft sogar von neuen Schaukeln nicht behaupten konnte.

Jedenfalls waren wir auch an diesem Tag wieder dort gewesen. Wir waren gerade dabei, eine Artwer kommt höher‹-Wettbewerb zu veranstalten, da hatten wird gehört, wie jemand nach uns rief.

»Ray, Cale – Essen ist fertig, kommt mit nach Hause!« Es war unsere Mutter.

Damals war sie so fröhlich gewesen.

Dad wäre bald darauf nach Hause gekommen, nachdem er den ganzen Tag auf der Arbeit gewesen war. Dann hätte er uns alles von seinen Abenteuern‹ im Büro erzählt und wir wären einfach glücklich gewesen. Zufrieden mit dem, was wir hatten und das uns niemand nehmen konnte. Das dachten wir zumindest damals.

 

Damals war Dad noch da. Mom konnte lachen… auch wenn ich dabei war. Und jetzt?

Jetzt ist alles im kaputt.

 

»Klar, wir kommen gleich«, hatte ich zur Antwort zurückgegeben. »Komm, wir müssen. Sonst frisst sie am Ende uns auf…!«

Ich verdeutlichte ihm den ›gruseligen‹ Teil, in dem ich meine Hände hochnahm und mit den Fingern wackelte. Sofort zeigte er einen geschockten Gesichtsausdruck und rannte los – auf die Straße zu.

Die Straße war eine dieser Kinderstraßen – dort standen an beiden Seiten Schilder, die anzeigten, dass dort Kinder spielten. Damit kamen eigentlich Tempobegrenzungen.

Eben alles, um es sicher zu gestalten.

 

Tja, aber nur, wenn sich die Leute auch daran halten…

 

Mom hatte zu diesem Zeitpunkt noch in der Gasse gestanden, auf der anderen Seite der Straße. Dort, wo wir immer herauskamen, wenn wir zum Spielplatz wollten.

Eigentlich hatten wir hier sogar eine echt gute Lage, denn vom Spielplatz aus, kam man sehr einfach an alle wichtigen Orte im direkten Umkreis und auch in die Innenstadt, zu den Läden. Selbst die Schulen waren nicht weit von dort entfernt, wo die Straße am Spielplatz ein Stück weiter hinführte. Es war eine Abkürzung.

 

Eine Abkürzung, von der ich mir damals geschworen hatte, niemals wieder Gebrauch zu machen, aber man sieht, was daraus geworden ist…

 

Plötzlich hatte ich ein Auto anrasen gehört, aber aus irgendeinem Grund, schien das Cale gar nicht zu interessieren. Er hielt nicht an, sondern lief einfach weiter, mit seinen kurzen Beinen.

Mutter war immer noch ziemlich weit weg gewesen und hatte sich gerade umgedreht. Als sie wieder zu uns sah, bekam sie einen Schock.

Sie stürzte nach vorn in seine Richtung und schrie seinen Namen. Es sah aus, als wolle sie von dort nach ihm greifen und in ihrem Gesicht stand nichts als der pure Schrecken. Angst, die man besonders in ihren Augen ausmachen konnte.

Aber ich war ihm viel näher gewesen, als sie es war. Ich sprang bloß ein Stück zu meinem kleinen Bruder, genau in dem Moment, als das Auto schon beinahe vor ihm stand.

Meine Schulter prallte in seinen Rücken und mit meinen Armen, half ich noch ein wenig nach, sodass er mindestens einen halben Meter weit wegflog. Es sah schmerzhaft aus.

Ich hörte ihn schreien, als er am Boden aufkam und noch ein Stück zur Seite rollte. Sah, wie meine Mutter erst zu ihm eilte und dann mit Tränen in den Augen zu mir sah.

Dann hörte ich das ohrenbetäubende Geräusch, quietschender Bremsen und das Nächste, das ich wusste, war, dass ein schlitterndes Monster aus Metall mich mit sich riss; unglaubliche Schmerzen meinen gesamten Körper zu zerreißen schienen.

Das, und der Blick meiner Mutter, auf ihrem tränenüberströmten Gesicht.

 

Ich kann mich noch an all das erinnern, als wäre es erst gestern gewesen.

Auf einmal war alles schwarz geworden. Alles war still.

Keine Geräusche.

Keine Schreie.

Kein Schmerz.

Ich spürte gar nichts mehr. Ich war allein. Und ich fühlte nichts. Weder meinen Körper, noch irgendetwas in meiner Seele. Ich war leer.

Nur ich und diese endlose Leere…

 

Dann war ich wieder aufgewacht. Sah die Gesichter von Leuten, die ich nicht gekannt habe und musste mit Personen sprechen, die ich wohl nie hätte kennenlernen wollen, hätte man mich vorher gefragt.

Es war ein Schock für mich, wieder so an den Unfall von damals erinnert zu werden.

Ich dachte bisher eigentlich, ich sei darüber hinweg… naja, zumindest soweit, wie man eben über seinen eigenen Tod hinweg kommen kann.

Aber das ist schlecht.

Ich war gerade so geschockt gewesen, das ich vergessen hatte, meine Maske weiterhin zu wahren. Was heißt, ich hab mich auf eine Weise gezeigt, die nicht zu dem Bild passt, das alle von mir haben sollen.

Ich habe einen gewaltigen Fehler begangen.

 

Es ist komisch, wenn man bedenkt, wie leicht ich vorhin aus der Rolle gefallen bin.

Seit diesem Tag, spiele ich immerhin allen etwas vor. Nur wenige wissen Bescheid, über das, was damals geschehen ist.

Und genau diese Leute waren es auch, die dafür gesorgt haben, dass meine Mutter vergessen hat; dafür, dass keiner je etwas gemerkt hat oder weiß, was damals passiert ist.

Im Austausch spiele ich heute den Trottel für sie.

Damit ich nicht viele Freunde habe und nicht beliebt bin. Die perfekte Tarnung.

So war es zumindest gedacht.

Aber es ist anders gekommen. Ich weiß nur, dass sie mich irgendwann wirklich für tot erklären müssen. Schließlich kann sich mein, eigentlich schon toter, Kinderkörper, nicht mehr sehr viel länger weiterentwickeln. Genau genommen, hätte die Entwicklung längst stoppen müssen, aber stattdessen habe ich mich verändert.

So wie ich nun wirklich aussehe, sieht auch mein Körper aus. Und das kam… unerwartet.

Anders als bei allen anderen. Warum passt sich nur mein Körper an?

Das Schlimme ist, dass selbst das eigentlich keinen Unterschied macht. Trotz allem wird die Zeit sehr bald für mich stehen bleiben, während sich die Welt ganz normal weiter dreht, als sei nie etwas gewesen.

Momentan geht es. Ich bin nur ein wenig dünn, mit einem ziemlich kindlichen Gesicht.

Normalerweise hätte ich damals einfach mitgenommen werden sollen; offiziell verstorben.

Aber das haben sie nicht getan, anders als bei allen anderen. Mich haben sie nicht für tot erklärt, sondern sich die Mühe gemacht, alle involvierten Gedächtnisse zu löschen.

Mir zu helfen, wie ich mich besser abkapseln kann. Meiner Mutter vorgegaukelt, dieser Unfall habe nie stattgefunden. All das.

Sie haben all das getan, damit ich Zeit habe. Und diese Zeit habe ich bekommen, weil ich mich verabschieden durfte.

Ich weiß nicht warum sie es mir erlaubt haben, aber ich werde es schon noch herausfinden.

Damals sagten sie jedenfalls, dass es wäre, weil mein Tod so überraschend kam.

Aber das glaube ich ihnen nicht – es gibt ja noch andere, die auch überraschend gestorben sind, aber ihnen gaben sie diese einmalige Chance, auf einen Abschied von der Familie, nicht.

Immerhin haben sie extra alle Unterlagen und Augenzeugen beseitigt – beziehungsweise dafür Sorge getragen, dass sich keiner mehr erinnern kann – damit niemand bemerkt, dass ich gestorben bin. Das ist nicht etwas, das man einfach so tut, so viel ist mal klar.

Aber wie gesagt… irgendwann muss ich sowieso sterben. Weil mein Körper ja nicht ewig so aussehen kann, wie ein Jugendliche. Oder ein junger Erwachsener… wenn er sehr jung aussieht.

Vor allem, weil meine eigentliche Gestalt sich ja mitverändert hat.

Meine Augen haben eine Art Leuchten bekommen. Ursprünglich waren sie einfach nur grün. Jetzt scheint es fast so als wären es helle, smaragdgrüne Kristalle, die von der Rückseite beschienen werden. Einfach gruselig und abartig.

Das sehe nicht nur ich so – die meisten Leute schrecken davor zurück, wenn sie meine Augen sehen. Dann lachen sie und sagen, die Kontaktlinsen sähen wirklich echt aus würden.

Wenn die wüssten.

Und überdecken lassen sie sich leider nicht. Egal welche tatsächlichen Linsen ich auch versucht habe; das Leuchten kam immer durch.

Darum trage ich jetzt eine dicke, schwarze Hornbrille – besser bekannt als ›Nerd-Brille‹, vermute ich –, die ich eigentlich nicht brauche, die aber mein Gesicht sehr zuverlässig verdeckt und die Augen kaschiert. Das ist auch ihr Sinn. Denn die dient ja nur zur Tarnung.

Nebenbei ist mein Körper ziemlich weiblich geworden – der Grund ist mir unklar. Mein Gesicht und mein Knochenbau zumindest. Ich bin schmal geworden… ja, fast zerbrechlich.

Ein trauriger Anblick.

Ich versuche es immer mit weiten Kleidern zu überdecken, doch oft kommt es so noch mehr zum Vorschein, weil es auffällt, wenn ich in einem Pullover für Kerle in normaler Größe einfach versinke, obwohl ich fast genauso groß bin, wie die meisten anderen – bloß jünger. Außerdem ist meine Haut blasser geworden.

Das alles kommt dadurch, dass ich kein Mensch mehr bin.

Durch die Methode, durch die ich wieder zum Leben erweckt wurde.

So habe ich eine zweite Gestalt erhalten. Eine Art Seelengestalt. Etwas, das ich nicht einmal fassen könnte, würde man es mir nicht auf die Weise vorhalten.

In dieser anderen Gestalt habe ich rote Haare, statt meiner normal Schwarzen – und zwar ein richtiges Feuerrot.

Sogar die grünen Augen werden zu Orangeroten, die einen ebenfalls an Feuer erinnern.

Ein zierlicher, eher Mädchenhafter Körperbau – also so wie immer eigentlich – dem man die Stärke, die ihm innewohnt, nicht ansehen kann.

Oder kurz gesagt…

Ich bin ein kompletter Freak.

 

Ich versuche alles, um so dumm zu erscheinen, wie es geht. In Tests schreibe ich nur schlechte Noten. Jeder weiß es – dafür sorge ich schon, auch wenn keiner weiß, dass es jedes Mal Absicht ist.

Und selbst wenn, dann würde das nur dazu führen, dass sie erst recht glauben, ich sei dumm. Eben weil ich es anderen auch noch zeige.

Wenn ich renne, sorge ich dafür, dass ich alle zwei Meter hinfalle oder irgendwo dagegen laufe.

Wenn ich ein Spiel spiele, verliere ich. Selbst wenn ich wirklich einmal Glück habe, verstecke ich es und tue so, als hätte ich Pech gehabt.

Beim Sport in der Schule mache ich seitdem gar nicht mehr mit. Manchmal sagen die Jungs dann Sachen wie ›Und, schon wieder deine Tage?‹

Aber ich mache mir nichts daraus. Es kommt mir ja nur zugute… auf die eine oder andere Art.

Zumindest rede ich mir das ein. Ich weiß, dass es mir wehtun würde, wenn ich nicht einfach meine Gefühle abstellen könnte. Auch wenn das eigentlich nicht immer klappt.

Niemand will, dass ich irgendwo mitmache.

Weil ich der Trottel bin, der nichts auf die Reihe bekommt und gar nichts kann. Ich würde mich auch nicht in meinem Team haben wollen, wenn ich sie wäre.

Niemand würde gern mein Freund sein, weil ich der Loser bin, den alle fertig machen – andere würden nur mit hinein gezogen werden.

Ich habe nur eine Kunst AG. Die hat nichts mit unserer Schule zu tun, sondern hält dort bloß ihre Stunden ab – wofür sie sich dann unser Schul-Atelier leihen, das ohnehin fast nie genutzt wird, weil es schon eingerichtet war, als die vorige Schulleiterin gegangen ist.

Es wurde eben nie entfernt, falls man es doch noch brauchen kann.

In der AG sind ein paar nette Menschen, mit denen ich mich ganz normal, auch intellektuell unterhalten und mit denen ich auch zeichnen kann, denn das macht mir sehr viel Spaß.

Doch diese Schüler haben mit unseren Schülern nichts zu tun und an Tagen, an denen auch AGs unserer Schule im Gebäude sind, mache ich bei diesen Stunden nicht mit. Ich zahle bar und gebe einen falschen Namen an. Die wisse nicht einmal, dass das tatsächlich meine Schule ist.

Sonst könnte mich einer sehen, eine Verbindung aufbauen oder, nach meinem offiziellen Tod, auf die glorreiche Idee kommen, die Schule zu kontaktieren. Es ist immerhin ein ausreichender Grund, einmal seine geregelten Bahnen zu verlassen, wenn jemand, mit dem man Sympathien ausgetauscht hat, urplötzlich stirbt.

Und so etwas wäre einfach nicht gut für mein ›Image‹.

Also wieder in Kurz…

Ich bin unbeliebt. Allein. Keiner würde mich vermissen. Keiner.

Und das ist auch das Ziel. Keine Fragen zu stellen. Keine Fragen gestellt zu bekommen.

Ich will nichts haben, an dem ich hängen könnte, auch wenn einem meine Methoden, um dieses Ziel zu erreichen, vielleicht übertrieben erscheinen mögen. Das ist eben einfach meine Art, die Dinge zu regeln, bis ich ganz weg bin.

Und dann ist das alles ohnehin nicht mehr wichtig.

 

Ich war mal ein Junge, der durchschnittlich intelligent war.

Ein normales Zuhause hatte.

Einen tollen Vater und eine liebevolle Mutter, die hinter ihm standen und einen süßen kleinen Bruder, der zu ihm aufblickte.

Der ganz normale Freunde hatte.

Der weder sehr beliebt noch sehr unbeliebt war.

Der sogar eigentlich ziemlich sportlich war.

Glücklich.

Unbeschwert…

Aber das ist jetzt Vergangenheit.

 

Dieser Junge ist damals gestorben.

Chapter 3: Whatever Happens

 

Ich sitze immer noch an der Wand gelehnt, wahrscheinlich wie ein Häufchen Elend aussehend, in der Gasse zwischen meinem zu Hause und dem Spielplatz.

Erst nachdem ich mich wieder halbwegs gefangen habe, stehe ich langsam auf und gehe weiter in Richtung des Hauses meiner Familie.

Als ich durch die Tür komme, stürmt zuerst meine Mutter auf mich zu. Dann sehe ich wie alle anderen, die gerade da sind, ebenfalls auf mich zukommen.

Was für eine Überraschung. Die Polizei wartet bereits auf mich.

Selbst Cale sieht nicht so schlecht gelaunt aus, wie sonst, als er mich ansieht.

Mist… jetzt werde ich wohl einige Erklärungen leisten müssen. Aber was sage ich?

»Mein Schatz, was machst du nur für Sachen?«

Meine Mutter mustert mich besorgt und leicht hysterisch.

Normalerweise ist sie doch nie so… naja, zumindest war sie schon sehr lange nicht mehr so. Wieso jetzt? Wieso ausgerechnet dann, wenn ich wirklich nicht die Wahrheit sagen kann?

Wenn sie so ist, fällt mir das Lügen nicht so leicht.

»Es tut mir Leid, Mom. Ich glaube, du hast es bereits von den beiden Polizisten gehört. Aber es ist ja nicht wirklich was passiert. Können wir es dabei bitte belassen? Ich bin echt müde und mir geht es nicht sehr gut… ich würde mich ganz gerne hinlegen, wenn ich darf…«

»Aber natürlich! Wenn irgendetwas ist, dann brauchst du es nur zu sagen«, meint Angesprochene, nachdem sie sich wieder ein wenig beruhigt, mit einem warmen Lächeln auf den Lippen.

So liebe ich meine Mutter… oder habe sie geliebt. Das ist das, was ich am meisten vermissen würde. Aber das bekomme ich ja jetzt schon nicht mehr zu sehen.

Deswegen tue ich das alles ja.

Ihre fröhliche und liebevolle Art. So wie sie früher immer zu uns gewesen war.

Aus dem Augenwinkel bemerke ich, wie Cale, der bisher auffällig wenig Anteilnahme gezeigt hat, nur wieder die Hände in die Taschen steckt und mit einem für ihn typischen »Hmpf…«, einfach die Treppe rauf und in sein Zimmer verschwindet.

Was auch immer

Ich fühle mich wirklich nicht gut, aber das geht schon seit einiger Zeit so. Es hat nichts mit diesem Unfall zu tun.

Nur das der beinahe-Unfall und die damit widerkehrende Erinnerung an den richtigen Unfall vor zwei Jahren, es noch viel schlimmer gemacht haben.

Ich gehe ein paar Schritte weiter, um meinem Bruder über die Treppe in die obere Etage zu folgen, auf der sich auch mein eigenes Zimmer befindet.

»Könnten wir zuerst bitte einen Augenblick mit Ihnen sprechen? Wir würden gerne Ihre Aussage zu dem Vorfall aufnehmen«, höre ich einen der fremden Männer sagen.

Ich will mich umdrehen, doch mir schwirrt der Kopf.

Nachdem ich die ersten Schritte getan habe, wird mir immer seltsamer. Meine Sicht verschwimmt und es dreht sich alles.

Etwa auf der Mitte der Stufen, bleibe ich kurz stehen – eigentlich nur, um mich wieder zu sammeln, was aber offenbar keine sehr gute Idee ist. Die Stimme des Polizisten ist vernehmen, aber alles was ich höre, ist ein entferntes Rauschen.

Plötzlich scheinen viele kleine, schwarze Punkte vor meinen Augen zu tanzen. Shit.

Ich muss weiter gehen, dann schaffe ich es vielleicht noch bis in mein Bett…

»Ist alles in Ordnung, Ray?«

Verstehe ich die Worte meiner Mutter vage, welche mir bis zum Treppenabsatz gefolgt sein muss.

»Ja, ich denke schon…«, gebe ich zur Antwort, doch meine Stimme klingt dabei dünn und brüchig – diesmal ist das ganz sicher keine Absicht.

Ehrlich gesagt, habe ich, seit ich herein kam, komplett vergessen meine Sprache zu verstellen. Aber das ist jetzt auch nicht wichtig.

Ich hebe rasch einen Fuß, um die nächste Stufe zu erklimmen. Um mein Zimmer zu erreichen.

Doch auch das war wiedermal eine blöde Idee. Nun, zumindest war es nicht meine Erste… heute.

Mir wird schwarz vor Augen und ich gerate ins Taumeln – was mich nach hinten und direkt die Treppe hinunter fallen lässt. Durch den Nebel in meinem Geist spüre glücklicherweise nur noch, wie ich plötzlich falle.

Und dann irgendwo aufkomme.

 

Als ich die Augen aufschlage, sehe ich eine weiße Decke. Meine Decke, glaube ich.

Ich liege in meinem Zimmer… in meinem Bett. Was ist passiert? Mir ist schwindelig… oh.

Hatte ich nicht irgendeinen Unfall? Habe ich mir das bloß eingebildet? Oder geträumt?

Nein, das ist eher nicht wahrscheinlich…

Auf einmal öffnet sich die Tür, was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, als meine Mutter in den Raum tritt. Sie sieht mich und bekommt sofort einen Schreck, woraufhin sie ohne ein weiteres Wort zu mir rennt und mich in die Arme schließt.

Verwirrt starre ich sie an. »Bin… ich nicht irgendwie die Treppe runter gefallen…?«

Nachdem sie sich von mir löst, streicht sie zuerst mit einer Hand meine langen Haare aus dem Gesicht, um mich offenbar richtig ansehen zu können, ehe sie antwortet.

»Ja, das bist du, aber-«

»Aber offenbar, war einer der Cops unten bei Mom so geistesgegenwärtig, dir mit ihr die Treppe nach oben zu folgen, nachdem du angefangen hast, zu wanken. So konnte er dich mühelos abfangen und hochheben«, unterbricht sie jemand, um den Vorgang an ihrer Stelle zu erläutern, »dann wurde er von Mom in dein Zimmer geführt, damit er dich im Bett ablegen konnte«,

Cale. Er steht auf einmal ganz unvermittelt in der Tür. Ich hätte es kaum gemerkt, wenn er nicht angefangen hätte, zu sprechen – ich muss wirklich wieder einen klaren Kopf bekommen.

Aber irgendwie mag ich den Gedanken nicht, dass mich jemand herumgetragen hat, während ich es nicht wirklich mitbekommen habe.

»Und dann?«

Mom dreht sich kurz zu Cale um und tauscht ein paar seltsame Blicke mit ihm.

»Also, du warst danach ohnmächtig. Wir dachten, du schläfst einfach, aber dann…«

»Aber dann…?«

»Dann… bist du fast drei Tage nicht mehr aufgewacht. Heute ist Donnerstag. Wir haben, während du geschlafen hast, einen Arzt kommen lassen, der kam jedoch zu demselben Schluss. Und soweit ich gehört habe, bist du einem echten Zusammenstoß mit dem Auto ja entgangen, als du diesen Unfall hattest. Der war also nicht schuld…«

»Weißt du, Mom, vielen Dank. Ich glaube, es geht mir besser«, werfe ich hektisch ein, während mein Herzschlag immer schneller wird, je mehr sie von sich gibt.

Das hätte nicht passieren dürfen. Erst jetzt, als ich langsam wieder wach werde, realisiere ich, was hier eigentlich gerade los ist.

Doch sie lässt nicht locker. »Du musst ins Krankenhaus!«

»Nein, ist schon gut, ich-«

»Der Arzt hat gesagt, er könne dich hier nicht einfach so untersuchen, das geht ja nicht, aber wenn du in ein Krankenhaus gehst, können sie dich von oben bis unten durchchecken – sie werden herausfinden was dir fehlt!«

»Mir fehlt nichts… i-ich kann das schon. Mir geht‘s gut…«, beteure ich erneut und lege meine Hand dabei auf die ihre.

»Dir fehlt wirklich nichts? Meinst du das ernst?! Du hast gerade grob gesagt fast drei Tage lang geschlafen und in dieser Zeit nicht einmal etwas getrunken oder gegessen. Dennoch scheint es dir soweit gut zu gehen – und das ist das Problem, wenn ihr mich fragt. Denn wenn es dir jetzt furchtbar ginge; du fast das Gefühl hättest, zu vertrocknen und zu verhungern, dann wäre das eine Sache. Wäre das auch nur eine Sekunde lang ein Problem gewesen, hätten wir dich auch sofort in ein Krankenhaus gebracht. Aber dir ging es die ganze Zeit gut und das ist immer noch so. Wenn ich du wäre, würde ich mich schleunigst so vielen Tests unterziehen wie nur irgend möglich«, macht Cale grimmig seinen Standpunkt klar und verlässt dann ganz den Raum, um sich offenbar wieder in seinem Zimmer zu barrikadieren.

Und seine Ansage wirkt wie ein Paukenschlag.

Aber meine Mutter schüttelt dazu nur den Kopf, bevor sie wieder zu mir sieht. »Ich kann dich nicht zwingen. Wenn du willst, dann geh. Wenn nicht, dann hoffe ich für dich, dass so etwas nie wieder geschieht – sonst muss ich dich wirklich zwingen. Ich meine, was war überhaupt los? Geht es dir wieder besser? Tut noch irgendetwas weh?«, überfällt sie mich sofort mit Fragen.

›Was war überhaupt los?‹

Tja, das würde ich auch gerne wissen… ich meine, wie kann das sein? Ich habe weit mehr als einen Tag geschlafen. Aber wieso? Ich fühle mich in letzter Zeit wirklich nicht besonders und das von Montag zieht auch nicht spurlos an mir vorbei. Das war aber von vorn herein klar.

Doch deswegen gleich so etwas? Etwas Vergleichbares ist vorher noch nie passiert…

»Aber Mom, ich kann das wirklich allein. Ich weiß, es geht mir gut. Du siehst doch – ich brauche nur eine Stärkung und alles ist wieder wie gehabt«, meine ich und lächle sie sanft an.

Sie erwidert das Lächeln sofort und drückt einmal kurz meine Hand. Dann steht sie aus ihrer vor dem Bett knienden Position auf und geht langsam zur Tür, wo sie sich noch einmal zu mir umsieht.

»Alles klar. Ich mache dir eine schöne Suppe, dann ruhst du dich noch ein wenig aus und bald wird es dir besser gehen. Aber geh bitte trotzdem ins Krankenhaus, okay?«

Mit diesen Worten schließt sie dann auch schon die Tür und tritt heraus in den Gang, nachdem ich verstehend nicke.

Verdammte Scheiße, war das eng

 

Ich muss aufpassen. Wieso ist es nur so schwer? In letzter Zeit passiert es mir immer häufiger. Ich falle immer mehr aus meiner Rolle.

Ich darf mich nicht in einem normalen Krankenhaus untersuchen lassen. Ich sollte mal wieder ins Hauptquartier der Trinity Cross gehen… wenn diese Organisation mich sogar von den Toten wieder zurückholen kann – auch wenn das nicht wirklich etwas mit medizinischem Wissen oder überhaupt mit Medizin und richtigen Ärzten zu tun hatte –, dann finden sie sicher auch heraus, was mit mir los ist. Wenn sie es nicht sogar schon längst wissen.

In einem gewöhnlichen Krankenhaus, würden sie es sicher nicht herausfinden…

                                                                              

… und selbst wenn, wäre das nicht alles, was sie dort herausfinden würden.