Außerdem von Hilke Rosenboom im Carlsen Verlag lieferbar:

Der Sommer der dunklen Schatten
Ein Pferd namens Milchmann
Hund Müller
Melissa und die Meerjungfrau
Ferdi und der geheimnisvolle Reiter
Ferdi und das Pferd aus Gold
Ferdi und Greta halten zusammen
Ferdi und das gerettete Fohlen




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Veröffentlicht im Carlsen Verlag 2011
Juli 2009 (CTB 840)
Copyright © 2006, 2009, 2011 Carlsen Verlag GmbH, Hamburg
Umschlagbild und Illustrationen: Franziska Harvey
Umschlaggestaltung: formlabor
E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde
ISBN 978-3-646-92333-9

Alle Bücher im Internet unter
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Prolog

So wie sich die ganze Sache zutrug, würde man sie niemals in einem Buch lesen oder in einem Film sehen. Echte Prinzessinnen kommen in Büchern oder Filmen nämlich nur selten vor. Es stimmt natürlich, dass wir zu Anfang alles nur spielten, zu Anfang hätten wir alle also auch in einem Buch oder in einem Film vorkommen können. Einfach ein paar zehn- und elfjährige Mädchen, die sich die Zeit mit einem ganz besonderen Spiel vertrieben, weil ihre Familien nicht genug Geld für Tennisunterricht oder Reitstunden oder sonst welche Sachen hatten.

Wir spielten Prinzessin. Jeden Tag. Wir waren Prinzessinnen. Durch und durch. Wir fühlten uns wie Prinzessinnen. Jedenfalls meistens. Was uns dabei half, war unser Buch:

Als Missy das Buch, oder was davon noch übrig war, aus einer Kiste hinter dem Buchladen ihres Vaters hervorzog, waren wir alle ziemlich fertig mit der Welt gewesen.

Hier ist eine Liste der fiesesten Probleme, die wir damals hatten, und am allerfiesesten daran war, dass diese fiese Liste nicht einmal vollständig war:

Fiese Probleme Anfang November

(kleine Auswahl):

1.  Missy war oft traurig. (Wahrscheinlich, weil ihre Mutter spurlos verschwunden war.)

2.  Elina hatte Stress zu Hause. (Sie hatte zwar – im Gegensatz zu Missy und mir – eine tolle riesige Familie. Aber die waren alle ziemlich genervt, denn Frostmond war gerade dabei einzugehen. Frostmond ist eine berühmte russische Rose, und Elinas Onkel Jakow hatte eigentlich gedacht, dass er und die Familie damit reich werden könnten.)

3.  Teresa war von zu Hause ausgekniffen. (Anfangs wollte sie nicht einmal uns sagen, warum sie das getan hatte.)

4.  Die Poloponys! (Die Poloponys waren fünf Mädchen in unserer Schule. Zwar spielte nur einer ihrer Väter tatsächlich Polo, aber bei den anderen vier Mädchen hätte das genauso gut sein können. Die Poloponys trugen alle pastellfarbene Klamotten und machten sich wippende Pferdeschwänzchen, die sie hinten aus ihren Zickenkäppis herausschauen ließen. Sie quälten uns, wo sie nur konnten.)

Was gut war Anfang November

(vollständige Aufzählung):

1.  Mir selbst ging es einigermaßen gut. (Solange der Haushalt in Schuss war, ließ uns das Jugendamt in Ruhe. Die Frau vom Jugendamt hatte eine Meise mit ihrer ewigen Ordnung und Sauberkeit. Daran würde man sehen, ob sich eine Mutter noch gut um ihr Kind kümmern könne. Dass meine Mutter sich super um mich kümmert, obwohl sie im Rollstuhl sitzt und obwohl sie nicht mehr Staub wischen kann, verstehen manche Leute nicht.)

2.  Wir hatten unseren »Klub der Prinzessinnen«, das waren Elina, Missy und ich. Später kam dann noch Teresa dazu.

3.  Wir hatten das »Handbuch für Prinzessinnen«. Es war nicht ganz vollständig. Eigentlich waren es nur ein paar Seiten, acht Stück, um genau zu sein. Aber die hatten es wirklich in sich. Schon bei den acht Seiten konnte man sehen, dass das »Handbuch für Prinzessinnen« das beste Buch der Welt war.

Wir spielten also Prinzessin. Jeden Tag nach der Schule. Morgens, wenn ich aufwachte, dachte ich daran, dass ich eine Prinzessin war. Und abends, bevor mir die Augen zufielen, dachte ich noch kurz: »Gute Nacht, Prinzessin«. Wie das genau ging, wie man sich als Prinzessin verhielt, was man anderen gegenüber zu tun hatte – das alles stand in unserem Buch. Nur eines stand nicht darin: dass Prinzessinnengeschichten meistens gut ausgehen. So war es auch bei unserer Geschichte und ich will es nicht künstlich spannend machen, weil alles aufregend genug war und immer noch ist. Also: Es hat alles ein gutes Ende genommen, ein noch viel besseres, als wir es uns damals erträumt hätten. Das liegt daran: